journalistenfilme.de

So ticken Journalisten im Film.

Journalistenfilme bei Netflix

Der Netflix-Katalog wächst und wächst. Inzwischen sind auch einige Journalistenfilme bei Netflix zu finden. Welche das sind, verraten wir in unserer Übersicht. Berücksichtigt sind Spielfilme, Dokumentationen und auch Serien zum Thema, die als Netflix Originale gekennzeichnet und demnach dauerhaft abrufbar sind.

Text: Patrick Torma. Bidmaterial: Netflix.

Journalistenfilme bei Netflix

Feuer im Kopf (2016)

Eine junge Frau erwacht in einem Krankenhausbett, an den Händen und Füßen fixiert. Sie weiß nicht, weshalb und wieso. Eine Horrorvorstellung. Für Susannah Cahalan (gespielt von Chloë Grace Moretz) wurde sie beängstigende Realität.

Ob die Marketingverantwortlichen Til Schweigers Honig im Kopf…nun ja…im Kopf hatten, als sie den Originaltitel Brain on Fire eindeutschten? Naja, egal: Feuer im Kopf handelt von der Nachwuchsjournalistin Susannah Cahalan, die plötzlich von Angstzuständen, Anfällen und Halluzinationen geplagt wird und schließlich im katatonischen Zustand in eine Klinik eingeliefert wird. Die junge Frau kämpft sich nach und nach ins Leben zurück. Das Drama mit Chloë Grace Moretz (Kick-Ass) in der Hauptrolle basiert auf den Memoiren der echten Susannah Calahan.

Feuer im Kopf wird seit 2018 international von Netflix als Original vermarktet.

Francisco Boix – Der Fotograf von Mauthausen (2018)

Der Fotoreporter Francisco Boix geht den Lager-Offizieren im KZ-Mauthausen zur Hand. Als der Krieg am Wendepunkt steht, entschließt er sich, die Dokumente des Grauens vor der Vernichtung zu retten.

Dem Fotoreporter Francisco Boix ist es zu verdanken, dass die Welt von den unmenschlichen Verbrechen im Konzentrationslager Mauthausen erfuhr. Der Spanier rettete, gemeinsam mit weiteren mutigen Inhaftierten, mehr als 2.000 Fotos vor der Vernichtung durch die SS. Sie wurden zu wichtigen Beweisstücken, unter anderem in den Nürnberger Prozessen.

Das Netflix Original Francisco Boix – Der Fotograf von Mauthausen ist eine Ehrerbietung an einen lange unbesungenen Helden, der – das macht der Film deutlich – auch moralisch fragwürdige Entscheidungen treffen musste. Ein weiteres Motiv des Films ist Beweis- und Manipulationskraft von Fotos. Mehr zum empfehlenswerten Film in unserer ausführlichen Besprechung.

Good Sam (2019)

Kate Bradley (Tiya Sircar) liebt den Nervenkitzel. Sehr zum Missfallen der Redaktionsleitung. Denn was ist mit der Versicherung?
Kate Bradley (Tiya Sircar) liebt den Nervenkitzel. Zur Abwechslung – und ihrem Ärger – muss sie einem anonymen Wohltäter hinterher jagen.

Normalerweise hegt Kate Bradley (Tiya Sircar) eine Vorliebe für Crash ’n‘ Crime-Stories. Allerdings übertreibt es die Reporterin in ihrem Eifer – die Redaktionsleitung gönnt ihr deshalb eine Pause im Human Interest-Ressort. Dort wird sie auf Good Sam angesetzt: Ein anonymer Wohltäter verschenkt scheinbar wahllos Geldtaschen in Wert von je 100.000 Euro. Doch Kate Bradley glaubt nicht an eine selbstlose Spendenaktion: Irgendeine Agenda muss es doch geben…

Klischee-behaftet und vorhersehbar bis zur letzten Spielminute, ist Good Sam ein Plädoyer für mehr Miteinander und weniger Zynismus auf der Welt. Ein Feel-Good-Movie, das man durchaus als Stimmungsaufheller mitnehmen kann.

Die kleine Meerjungfrau (2018)

Der Jungreporter Cam wird auf eine unglaubliche Story angesetzt: In einem Zirkus soll eine wahrhaftige Meerjungfrau zur Schau gestellt werden. Märchenhafter Liebesfilm, Frei nach Hans Christian Andersen.

Das Letzte, was er wollte (2020)

Der Stift ist mächtiger als das Gewehr - oder so ähnlich. Inmitten von bewaffneten Rebellen zückt Elenea McMahon (Anne Hathaway) ihr Schreibgerät.
Der Stift ist mächtiger als das Gewehr: Inmitten von bewaffneten Rebellen zückt Elenea McMahon (Anne Hathaway) ihr Schreibgerät.

Elena McMahon (Anne Hathaway) ist den US-Verwicklungen in Mittelamerika auf der Spur, als ihr halbseidener Daddy (Willem Dafoe) demenzbedingt Hilfebedarf anmeldet. Statt in die häuslicher Pflege zieht es die Journalistin ins Waffenschieber-Geschäft: Ihrem Vater zuliebe schließt sie seinen allerletzten Deal ab – und driftet so immer tiefer in eine Welt voller Täuschungen und Intrigen ab.

Die Verfilmung von Joan Didions gleichnamigen Roman gehörte zwischenzeitlich zu den meist erwarteteten Filmen des Kinojahres 2019. Dass Das Letzte, was er wollte schließlich im Februar 2020 klammheimlich im Netflix-Katalog erschien, erwies sich als schlechtes Zeichen. Das Ergebnis enttäuscht in vielerlei Hinsicht. Wie sehr, erfahrt Ihr in unserer Review.

Special Correspondents (2016)

Zwei Spezialisten: Reporter Frank Bonneville (Eric Bana, r.) und Techniker Ian Finch (Ricky Gervais) faken Auslandsberichte.

Ein Radioreporter (Eric Bana) und ein Tontechniker (Ricky Gervais) sollen aus Ecuador über den bevorstehenden Umsturz berichten. Blöd nur, dass die Reise aufgrund eines Missgeschicks bereits am New Yorker Flughafen endet. Doch Not macht erfinderisch: Die beiden verschanzen sich in einer Etagenwohnung über einem spanischen Imbisslokal und gehen von dort „on air“. Ihr Hörspiel mündet in einer fingierten Entführung. Als ihnen bewusst wird, dass sie den Bogen überspannt haben, wollen sie die Geschichte auflösen, indem sie nach Ecuador einreisen und ihre Freilassung inszenieren.

Für Netflix adaptierte Ricky Gervais (The Office) den französischen Journalistenfilm Envoyés très spéciaux. Special Correspondents hätte eine bitterböse Mediensatire werden können, herausgekommen ist eine nur leidlich rasante, harmlose Komödie. Mehr in unserer Kritik.

Dokumentationen

Dying To Tell (2018)

20 Jahre lang deckt der Kriegsreporter Hernàn Zin die Krisengebiete dieser Welt ab. Bis ein Zwischenfall 2012 in Afghanistan alles ins Wanken bringt. Zin beginnt, seine Profession zu hinterfragen. In Dying To Tell interviewt er Kollegen zu ihrem Umgang mit den Herausforderungen, aber auch den Traumata des Jobs. Die Doku wirft die üblichen Fragen zum Berufs des Kriegsberichterstatters auf, kommt aber zu keinen klaren Aussagen. Doch vielleicht kann es die in einem solchen Spannungsfeld auch gar nicht geben.

The Voyeur (2017)

Reportage-Guru Gay Talese erzählt die Geschichte des Motelbesitzers Gerarld Foos, der seine Gäste über Jahrzehnte hinweg beim Sex beobachtete. Spanner und Journalist standen seit den 1980er-Jahren miteinander in Kontakt, doch erst 2013 gab Foos seine Anonymität auf – Talese veröffentlichte daraufhin ein Buch mit dem Titel „The Voyeur’s Motel“. Die dazu gehörige Doku ist ein Stück weit auch Medienthriller – denn Teile der Geschichte, die Foos Talese aufband, scheinen erfunden zu sein.

Serien

After Life

Nochmal Ricky Gervais. In After Life spielt er den Lokaljournalisten Tony Johnson, der sich nach dem Krebstod seiner Frau in eine neue Persönlichkeit flüchtet. Schwarzhumoriger Dramedy-Snack: Die sechs Episoden der ersten Staffel sind jeweils nur 25 bis 30 Minuten lang. Eine zweite Staffel erscheint im April 2020.

Gerichtsverfahren in den Medien

Der Gerichtssaal als TV-Set, als Kulisse eines Dramas, in dem Helden geboren und Schurken verurteilt werden. Hierzulande meinen wir mit Gerichtsfernsehen fiktive Doku-Soaps à la Barbara Salesch. Was daran liegt, dass Fernsehübertragungen aus Gerichtsverfahren seit 1964 gesetzlich verboten sind. In den USA gehören Live-Berichterstattungen seit den 1990er-Jahren zum guten Ton.

Unter dem spröden Titel Gerichtsverfahren in den Medien erinnern die Produzenten George Clooney und Grant Heslov (für ihre Zusammenarbeit u.a. bei Good Night, and Good Luck bekannt) an spektakuläre Prozesse, die für einen Medienrummel sorgten – oder erst durch den Rummel zum Spektakel wurden? Die sechsteilige Doku verrät viel darüber, wie die US-Justiz funktioniert, geht aber auch den gesellschaftlichen Diskursen ihrer Zeit auf den Grund. Lehrreich, spannend, aber irgendwie auch Teil des Dramas, das die Serie anprangert.

Im Sumpf

Polen im Jahre 1984: Zwei Journalisten untersuchen in der Provinz einen Doppelmord – und stoßen schon bald auf Querverbindungen in der Gemeinde. Düstere Thriller-Serie im düsteren Setting: Es gärt in dem kommunistischen Land. die Mächtigen versuchen mit allen Mitteln, den Laden zusammenzuhalten. Von 1981 bis 1983 herrscht Kriegsrecht, Hintergrund sind die Bemühungen, die Demokratiebewegung um die Gewerkschaft Solidarność zu zerschlagen.

Killerquoten

Die Handlung liest sich wie eine bitterböse Mediensatire. Weil die Realität nicht kickt, engagiert der Moderator einer True Crime-Show Auftragskiller, die für grausamen Nachschub sorgen. Die siebenteilige Dokuserie Killerquoten erzählt vom brasilianischen TV-Mann Wallace Souza, der den Tod von mindestens fünf Menschen in Auftrag gegeben haben soll, um darüber zu berichten.

Dass Kameraleute seiner TV-Sendung Canal Livre stets vor der Polizei an den Tatorten erschienen, machte Beobachter stutzig. Als die Gerüchte 2008 lauter wurden, betätigte sich Souza mittlerweile in der Politik und war nach brasilianischem Recht nicht zu belangen. Weil er zusätzlich im Verdacht stand, ein Drogenkartell zu führen (und er mit den Morden demnach zwei Fliegen mit einer Klappe schlug) wurde seine Immunität jedoch aufgehoben. Souza verstarb 2010, bevor ein Urteil gegen ihn gesprochen werden konnte.

Danke an Markus für diesen Tipp!

The Paper

Im Mittelpunkt der kroatischen Serie The Paper steht eine Zeitungsredaktion, die eines Tages von einem dubiosen Baulöwen übernommen wird. Dem neuen Besitzer ist weniger am Meinungspluralismus in seiner Heimatstadt Rijeka gelegen, vielmehr will er Einfluss auf die Berichterstattung nehmen.

The Paper ist ein Kommentar zum Zustand der kroatischen Pressefreiheit, die in den vergangenen Jahren immer wieder ausgehöhlt wurde. Nach dem Erfolg der ersten Staffel bestellte Netflix weitere Episoden. Eine dritte, finale Staffel soll(te) in 2020 erscheinen.

Eine ausführliche Besprechung gibt es von Dobrila Kontić auf fachjournalist.de.

Secret City

In Secret City fühlt die Investigativjournalistin Harriet Dunkley (Anna Torv) ihrer Regierung auf den Zahn. Sie gerät in einen Strudel, der ihr eigenes Leben gefährdet. Die australische Serie umfasst zwei Staffeln mit insgesamt zwölf Episoden.

Shot in The Dark

Nächtliches Arbeiten: Die Stringer grasen die Straßen Los Angeles ab – und kommen sich dabei gegenseitig ins Gehege.

Nightcrawler im Serienformat: Shot in the Dark begleitet die konkurrierenden Blaulichtreporter Howard, Zak und Scott bei ihren Fahrten durch das nächtliche Los Angeles. Rasantes Dokutainment, das einen schalen Nachgeschmack hinterlässt: Shot in the Dark ist alles andere als ausgewogen, vieles ist Selbstinszenierung. Einer der Protagonisten ist gleichzeitig Mit-Produzent. Hier geht’s zu unserer Kritik.

Tijuana

Er ist der Obama Mexikos. Der Politiker und Präsidentschaftskandidat Euginio Robles erzeugt Aufbruchsstimmung in eine neue bessere Zukunft. Doch dann wird der Heilsbringer auf offener Straße ermordet. Eine Gruppe von Lokaljournalisten geht den Hintergründen dieser Tat auf die Spur.

Im Zuge ihrer Recherchen kämpfen sie gegen eine Reihe von Widerständen an. Denn nicht nur Politiker leben gefährlich. Tijuana ist ein Kommentar zur Lage der Presse in Mexiko – der Staat gehört zu den gefährlichsten Ländern für Medienschaffende. „In keinem anderen Land, das sich nicht im Krieg befindet, werden so viele Journalist*innen.“, halten die Reporter ohne Grenzen aktuell fest.

Danke an Markus für diesen Tipp!

House of Cards

Zwei Journalistinnen, die auf ihre Art „aufgefressen“ werden. House of Cards verschleißt seine Journalistenfiguren ganz schön.

Keine Journalistenserie, aber ohne Öffentlichkeit käme Politik nicht weit. So auch in House of Cards. Die Presse ist ständiger Begleiter der skrupellosen Underwoods – manchmal sogar ihr Steigbügelhalter. Über das problematische Bild von Journalisten, insbesondere von Journalistinnen, haben wir uns seinerzeit in einem viel beachteten Beitrag ausgelassen.

Was vergessen? Ihr kennt weitere Journalistenfilme bei Netflix? Eure Hinweise nehme ich gerne im Kommentarbereich in Empfang. Bitte beachten, dass hier nur Netflix Originals berücksichtigt werden – externe Produktionen, die nur für einen gewissen Zeitraum im Katalog des Streaming-Anbieters enthalten sind, werden nicht gelistet.

Die Liste „Journalistenfilme bei Netflix“ wird laufend aktualisiert.

Du willst journalistenfilme.de unterstützen? Hier eine Möglichkeit:

Previous

Journalistic Relief #7: Toby Determined aus Gravity Falls

Next

Zwischen Kitsch und positivem Journalismus: Good Sam (2019)

2 Comments

  1. Markus Schröer

    2 finde ich noch
    Tijuana, eine mexikanische Serie über Reporter die über den Hintergrund des Mordes an einem Politiker ermitteln.
    Und Killerquoten eine Dokuserie über einen brasilianischen Moderator der Verbrechen selbst in Auftrag gegeben haben soll. Ich habe beide noch nicht gesehen, sie stehen aber auf meiner Liste

    • Patrick

      Hey Markus,

      lese deinen Kommentar kurz vor dem Schlafengehen – das sind sehr spannende Tipps. Gerade Produktion abseits des US-Marktes fallen ja schnell hinten über. Auf The Paper bin ich auf Netflix nur gestoßen, weil ich nach dem Tipp einer Kollegin gezielt danach gesucht habe…Da lese ich mich glatt ein und ergänze die Tage! Vielen, vielen Dank schon mal!

      Viele Grüße, Patrick

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén