Bingewatchen bis zur Bettlägerigkeit oder bis Netflix & Co. komplett den Streaming-Verkehr einstellen: Es sieht stark danach aus, als dürften wir demnächst genau das tun. Damit keine Langeweile in der Quarantäne aufkommt, gibt es in unserem neuen Special neun Pandemie-Filme, in denen Journalisten eine – mehr oder weniger – wichtige Rolle spielen. Gesundheit!

Text: Patrick Torma. Titelbild: Warner Home Video.

Contagion (2011)

Listen über Pandemie-Filme tummeln sich dieser Tage wie Bazillen auf der Türklinke. Also haken wir den offensichtlichsten Kandidaten ab. Steven Soderbergh brachte 2011 die erschreckend realistische Anatomie einer weltweiten Virus-Ausbreitung auf die Leinwand. So realistisch, dass er als filmische Blaupause für die Corona-Krise herhält. Filmologen auf der gesamten Welt arbeiten fieberhaft daran, den Wahrheitsgehalt des Filmes herauszuarbeiten (Beispiele: Hier, hier & hier).

Contagion folgt keiner einzelnen Hauptfigur, sondern zeigt anhand eines Ensembles die weltumfassenden Auswirkungen der Pandemie. Dazu gehören auch die sich überschlagende Berichterstattung und die Gefahren gezielter Desinformation. Gelernte Reporter kommen in dem Film nur am Rande vor. Dafür versucht ein selbsternannter Bürgerjournalist (gespielt von Jude Law, Bild oben) mit Berichten über ein vermeintliches Heilmittel Klicks und Kasse zu machen. Interessanter Stoff, aber ganz sicher nicht der Film deiner Wahl, wenn Du danach vorhast, Klopapier bunkern zu gehen.

Eddie Brock wird zu Venom: Der Journalist hat alle Mühe, sich mit seinen neuen Superkräften anzufreunden, da muss er schon die Ausbreitung einer Alien-Seuche verhindern.
Eddie Brock wird zu Venom: Der Journalist hat alle Mühe, sich mit seinen neuen Superkräften anzufreunden, da muss er schon die Ausbreitung einer Alien-Seuche verhindern. Bildmaterial: Sony.

Venom (2018)

Ansteckende Unterhaltung bietet Venom. In der Comic-Verfilmung kommt der unkorrumpierbare Journalist Eddie Brock (Tom Hardy, Mad Max) im Zuge einer Intensivrecherche mit einer extraterrestrischen Lebensform in Kontakt und verspürt plötzlich übermenschliche Kräfte. Die Kehrseite: Er sieht relativ beschissen, weil außerirdisch aus.

Spidermans Erzwidersacher mutiert in Sonys erweitertem Marvel Cinematic Universe zum coolen Antihelden, der – und das sind endlich mal positive Nachrichten – eine globale Ausbreitung der Alien-Seuche zu verhindern weiß. Darauf lecker Pankreas.

Wer mehr zum Journalisten Eddie Brock lesen möchte: Zum Kino-Release von Venom haben wir die Figur genauer beleuchtet.

Warum liegt hier Hirn? Journalistin Angela Vidal ist nicht unbedingt eine Schnellmerkerin. Dafür ist der Found-Footage-Film [REC] ganz ordentlich.
Warum liegt hier Hirn? Journalistin Angela Vidal ist nicht unbedingt eine Schnellmerkerin. Dafür ist der Found-Footage-Film [REC] ganz ordentlich. Bildmaterial: 3L Vertriebs GmbH.

[REC] (2007) / Quarantäne (2008)

Das Found-Footage-Genre, prädestiniert für hanebüchene Journalisten-Plots, hat richtig viel Schmotter ausgehustet. Der spanische Beitrag [REC] ist von der Prämisse her auch nicht unbedingt die hellste Leuchte im Sendestudio. Denn Lokaljournalistin Angela Vidal (Manuela Velasco) steht ziemlich lange auf der Leitung, bis sie endlich mal checkt, dass sie aufgrund einer Zombie-Apokalypse unter Quarantäne steht. Davon ab ist der Streifen ganz ordentlich inszeniert, die Schlussviertelstunde ist sogar Pulitzerpreis-verdächtig (wenn es ihn denn für Horrorfilme gäbe).

Die Amerikaner ließen sich nicht lange bitten und spulten im Jahr darauf eine Neuverfilmung mit Jennifer Carpenter (u.a. bekannt als Polizistin und Schwester des titelgebenden Serienkillers in Dexter) ab. Sowohl Original und Remake greifen wie ihre eigene Pandemie um sich und haben inzwischen mehrere Fortsetzungen spendiert bekommen. Da wir um Herdenimmunität bemüht sind, belassen wir es bei diesem einen Beitrag auf unserer Liste der Pandemie-Filme mit journalistischer Beteiligung.

Wer [REC] nicht in der Quarantäne schauen mag – der Film ist auch ganz gutes Halloween-Material. Mehr Gruselpresse gibt es in unserem Halloweeen-Special – Teil I und Teil II.

Journalistin, Tierhorror, Umweltthriller, Katastrophenreißer, Ehedrama – Flying Virus (auch bekannt als Killer Buzz – wegen der Bienen, Sie verstehen…) will vieles sein. Man muss dieser Tage aber den Tatsachen ins Augen sehen: Dieser Flick ist ziemlicher Mist. Bildmaterial: Dej Productions.

Flying Virus a.k.a Killer Buzz (2001)

Druckabfall im Oberstübchen: Journalistin Ann Bauer (Grabrielle Anwar, Duft der Frauen) ist einem raffgierigen Ölkonzern auf der Spur, der sich lästiger Amazonasbewohner mithilfe genetisch manipulierter Bienen entledigen will, damit eine lange geplante Dschungelautobahn endlich Wirklichkeit wird. B-Movie-Ikone Rutger Hauer (Blade Runner) soll für den diskreten Exitus der Eingeborenen sorgen, kann aber nicht verhindern, dass die Killer-Majas an Bord eines Flugzeuges gelangen und das Virus unter den Passagieren freisetzen.

Flying Virus – wurde hierzulande mit dem Untertitel „Ein Stich, und Du bist tot“ versüßt – will Umweltthriller, Tierhorror, Katastrophenfilm, Soldatenaction und Ehedrama in Personalunion sein, bricht jedoch unter der Last dieser Genre-Versatzstücke heillos überfordert zusammen. Immerhin: Debil bis zur Schamgrenze, ist dieser Flick niemals langweilig.

Reporter Andrew geht in Monsters auf Fotosafari durch die infizierte Zone in Nord-Mexiko.Die Tochter seines Verlegers begleitet ihn unfreiwillig.
Reporter Andrew geht in Monsters auf Fotosafari durch die infizierte Zone in Nord-Mexiko.Die Tochter seines Verlegers begleitet ihn unfreiwillig. Bildermaterial: Alive.

Monsters (2010)

Ähnliche Prämisse wie bei Venom, stimmungstechnisch allerdings irgendwo zwischen Zum-Lachen-in-den-Keller und Quarantäne-Koller angesiedelt. Reporter Andrew (Scoot McNairy, 12 Years a Slave) durchstreift die Randgebiete einer infizierten Zone in Nord-Mexiko, welche von den Behörden nach einem Absturz einer NASA-Sonde eingerichtet wurde. Anscheinend bahnt sich das, was innerhalb dieser Zone eingesperrt bleiben soll, einen Weg nach draußen, wofür Andrew Fotobeweise sammeln möchte. Stattdessen wird er angehalten, das aufmüpfige Töchterchen seines Verlegers zurück in die USA zu begleiten, bevor die Amis mal wieder eine Mauer hochziehen.

Wer rasanten Alien-Spaß erwartet: Monsters ist ein ruhiger Film. Allzu viele Monster gibt es nicht zu sehen. Kein Wunder. Regie führte Gareth Edwards. Das gleiche Kunststück hat der Filmemacher bei seiner Godzilla-Verfilmung 2014 aufgeführt.

 Virus sorgt für ein gesteigertes Informationsbedürfnis - And the Band played on zeichnet die Chronologie der HIV-/AIDS-Pandemie in den Jahren 1981 bis 1993 nach.
Virus sorgt für ein gesteigertes Informationsbedürfnis – And the Band played on zeichnet die Chronologie der HIV-/AIDS-Pandemie in den Jahren 1981 bis 1993 nach. Bildmaterial: HBO.

And the Band played on (1993)

Von diesem Punkt an sind diese Empfehlungen mit Vorsicht zu genießen. Nicht, weil wir jetzt nun die Trash-Risikostufe „hoch“ ausrufen (keine Panik, die kommt noch!). Sondern weil ich die folgenden Pandemie-Filme noch nicht gesehen habe. Aber: Wer weiß, was der Lockdown noch vor meine Linsen spült.

Zur Abwechslung mal wieder ein richtig ernstes Thema: And the Band played on – deutscher Titel, wie passend, …und das Leben geht weiter – von Regisseur Roger Spottiswoode (siehe auch: Under Fire) zeichnet anhand der Recherchen des Journalisten Randy Shilts die Chronologie der AIDS-Pandemie von der Entdeckung des HIV-Virus 1981 bis ins Erscheinungsjahr 1993 nach. In der Hauptrolle spielt Matthew Modine (Full Metal Jacket) einen Virologen, der sich mit persönlichen Schicksalen konfrontiert sieht. Gleichzeitig thematisiert der Film Konflikte in der Forschung, aber auch politische und soziale Folgen der Ausbreitung. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden sagte damals: Prädikat wertvoll.

Randy Shilts, der Autor der gleichnamigen Buchvorlage, erlebte noch die Uraufführung von And the Band played on, bevor er im Februar 1994 seiner eigenen AIDS-Erkrankung erlag.

Wie einst bei "Krieg der Welten" :  In Pontypool erlebt er Zuschauer den drohenden Weltuntergang fast ausschließlich durch die Schilderungen des Radiomoderators Grant Mazzy (Stephen McHattie).
Wie einst bei „Krieg der Welten“ : In Pontypool erlebt er Zuschauer den drohenden Weltuntergang fast ausschließlich durch die Schilderungen des Radiomoderators Grant Mazzy (Stephen McHattie). Bildmaterial: Savoy Film.

Pontypool (2008)

Angesichts von Scheißhauspapier-Reibereien an Supermarktkassen fürchtet mancher ja Zustände wie bei The Walking Dead. Zombie-Apokalypsen sind beliebtes Pandemie-Filmfutter. Pontypool geht die Nacht der lebenden Toten auf andere Art und Weise an. Der Zuschauer erlebt den drohenden Weltuntergang fast ausschließlich durch die Schilderungen des Radiomoderators Grant Mazzy (Stephen McHattie, Watchmen: Die Wächter). Ein interessantes Konzept, das an Orson Welles berühmtes Hörspiel Krieg der Welten erinnert.

Quarantäne aus der Hölle: The Gerber-Syndrome ist ganz sicher kein Lehrbuch-mäßiges Vorbild für den Umgang mit einer Pandemie.
Quarantäne aus der Hölle: The Gerber-Syndrome ist ganz sicher kein Lehrbuch-mäßiges Vorbild für den Umgang mit einer Pandemie. Bildmaterial: Indastria Film/M&N Productions.

The Gerber Syndrome (2011)

Wir schreiben das Jahr 2008, ein neuartiges Virus breitet sich in Europa aus. Es ist höchst ansteckend, breitet sich rasant aus und ist verdammt tödlich. Erstmals aufgetreten ist der Erreger des Gerber-Syndroms in Deutschland. Und zwar ohne das Zutun von Fledermäusen. Ein Fernsehteam begleitet drei Menschen – eine Infizierte, einen Mediziner und einen Angehörigen einer ins Leben gerufenen Sicherheitsorganisation –, um mehr über die Krankheit und den Umgang der Gesellschaft mit dieser Bedrohungen zu erfahren.

Dieser Found-Footage-Beitrag aus Italien (gute Besserung an dieser Stelle) war ein kleiner Überraschungserfolg auf diversen Festivals.

Mince alors! Das französische Reporterpärchen Lia und Pierre dokumentiert einen Virus-Ausbruch in einer dubiosen Gesundheitseinrichtung.  Sehr zum Ärger eine paramilitärischen Einheit, die für Diskretion sorgen soll.
Mince alors! Das französische Reporterpärchen Lia und Pierre dokumentiert einen Virus-Ausbruch in einer dubiosen Gesundheitseinrichtung. Sehr zum Ärger einer paramilitärischen Einheit, die für Diskretion sorgen soll. Bildermaterial: Intergroove.

Die Hölle der lebenden Toten (1980)

Wir schließen unseren kleinen Ausflug durch die Welt journalistischer Pandemie-Filme mit einem Schmankerl für die Aluhut-Fraktion. Die USA haben überall in der Dritte-Welt sogenannte HOPE-Center errichtet, offiziell zum Wohle der Menschen in diesen Ländern. Was keiner…*hust*…ahnt: In diesen Einrichtungen wird die Endlösung zur Eindämmung der Überbevölkerung in Entwicklungsländern vorbereitet. Ein eigens gezüchteter Erreger soll die Einheimischen in kannibalistische Bestien verwandeln. Natürlich kommt es in einer dieser Einrichtungen zum frühzeitigen Viren-Erguss – das französische Reporter-Paar Lia und Pierre ermittelt.

Damit Ihr mir nicht vorwerfen könnt, journalistenfilme.de hätte Euch nicht vor diesem Bruno Mattei-Schinken gewarnt (wobei allein beim Namen Mattei alle Alarmglocken für Splatter und Schmuddelkram schrillen sollten), lasse ich die Kritik von Schnittberichte.com-User kramer820 sprechen:

„Das dreisteste Dawn of the Dead-Ripoff aller Zeiten, incl. komplett nachgeahmter Handlungsstränge aus dem Original und geklauter Musik von Goblin. Dazu kommen noch Versatzstücke aus dem Kannibalenfilmbereich, Stock-footage aus irgendwelchen Tierfilmen, Nacktszenen, richtig miese Darsteller und ebensolche Effekte. Der Knaller ist aber, dass der Film trotzdessen einen Heidenspass macht und einer der witzigsten Beiträge aus Italien zum Thema Zombies ist. Und die damalige Tagline auf dem Astro-Tape: ‚Der beste Zombiefilm seit Dawn of the Dead‘- Muhaahaahaahaaa!“

In diesem Sinne: Bleibt alle gesund & #staythefuckathome!

P.S.: Sollten Euch in diesen Tagen weitere Pandemie-Filme unterkommen, in denen Journalistinnen/Journalisten eine gewichtige/schmierige/sonstige Rolle spielen: Ich bin für jeden Hinweis dankbar.