Da ist was faul, in der Nachbarschaft. Wen ruft Ihr dann? Die Presse natürlich. Ob Zank am Gartenzaun oder Monsterhatz um Mitternacht ist einerlei. Echte Journalisten sind furchtlos – und geradezu prädestiniert, Slashern, Dämonen und mythologischem Getier auf die Pelle zu rücken. Pünktlich zu Halloween: The Return of the Gruselpresse: 13 neue Horrorfilme mit Journalisten.    

Text: Patrick Torma. 

Weswegen bin ich nochmal hier? Vier Scream-Teile für Gale Weathers sind eine Menge Holz.

Weswegen bin ich nochmal hier? Vier Scream-Teile für Gale Weathers sind eine Menge Holz.

Scream I bis IV (1996 bis 2011)

Wir starten mit dem sträflichen Versäumnis der ersten Liste. Da gräbt man Italo-Schund und sonstigen Schmotter aus und vergisst eine der langlebigsten Journalistenfiguren im Horror-Sektor: Gale Weathers. Mit Scream (1996) entstaubte Regisseur Wes Craven (Nightmare on Elm Street, The Hills Have Eyes) das Slasher-Genre und trat damit eine neue Welle von Teenie-Horrorfilmen (Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast, Düstere Legenden) los. Teil 1 etabliert die ruhmsüchtige Klatschreporterin Gale Weathers (gespielt von Cortney Cox, bekannt als Monica aus der Sitcom Friends), die die Mordserie in Woodsboro auszuschlachten versucht. Im Laufe der Film-Serie – Weathers spielt in drei Fortsetzungen eine tragende Rolle – versiegt ihr Hunger nach Sensationen. Stattdessen wird sie mehr und mehr zur ermittelnden (Neben-)Heldin. In your Ghostface!

 

Tunnelblick: IM australischen Untergrund hört dich niemand schreien.

Tunnelblick: Im australischen Untergrund hört dich niemand schreien.

The Tunnel (2011)

Ein echter Geistesblitz im Kampf gegen die Trinkwasserknappheit im australischen New South Wales: Sydney will seine unterirdischen Tunnel und U-Bahnschächte fluten – voilà, fertig ist der Wasserspeicher. Doch so weit kommt es nicht: Das Projekt wird abgeblasen, die Offiziellen stellen sich tot. Doch Natasha Warner, Typ skrupellose Erfolgsjournalistin, wittert die große Story. Sie packt ein paar unglückselige Kameraleute ein und steigt in den Untergrund ab. Was natürlich kein gutes Ende nimmt. Im labyrinthischen Tunnelkomplex unter Sydneys Straßen hat es sich ein monströser Untermieter bequem gemacht. Und der hat etwas gegen neugierige Reporternasen.

 

Gefundenes Fressen: Der Tag der offenen Tür in der Area 51.

Gefundenes Fressen: Der Tag der offenen Tür in der Area 51.

51 (2011)

Wir bleiben beim Found Footage – ein Genre, das für Journalisten-Plots reserviert ist. Denn welcher normale Mensch rennt schon den gesamten Tag über mit einer Kamera im Anschlag herum? Gut, so ziemlich jeder heutzutage. Also lassen wir das. Selbes Produktionsjahr wie The Tunnel, noch bescheuertere Prämisse: Die Army lädt zum Tag der offenen Tür in die Area 51. Damit alle Welt endlich aufhört zu glauben, die Amerikaner hätten in dieser Militärbasis etwas zu verbergen, dürfen einige Journalisten hinter die Kulissen schauen. Dumm nur, dass die blutdürstigen Aliens  nicht sicher genug weggesperrt wurden. Das PR-Desaster ist vorprogrammiert.

 

Freude im Irak: Die USA stürzen den Diktacore.

Freude im Irak: Die USA stürzen den Diktacore.

Manticore (2005)

Apropos Desaster: War da nicht etwas im Irak? Irgendwann in den 2000er-Jahren? In Manticore annektiert, pardon, befreit eine Einheit der Army eine unbedeutende Ortschaft am Tigris. Sehr zur Freude der Einheimischen – die werden nämlich von einem furchtbaren CGI-Wesen terrorisiert, heraufbeschwört von einem größenwahnsinnigen Scheich. Eine Journalistin und ihr Team sind zufällig vor Ort und helfen schließlich, um der Bestie den Garaus zu machen. Das US-Militär und West-Fernsehen als heilige Allianz im Nahen Osten. Was würde Peter Scholl-Latour dazu sagen?

 

Keine Schnellschüsse: Journalistin Victoria.

Keine Schnellschüsse: Journalistin Victoria.

Die Fliege (1986)

Genug Bodensatz – hier kommt ein Klassiker: David Cronenbergs Remake von Die Fliege gehört zu den einflussreichsten Body Horror-/Mad Scientist-Filmen überhaupt. Seth Brundle (Jeff Goldblum) forscht an einem Verfahren zur Teleportation. Er steht kurz vor dem Durchbruch, als er die Journalistin Veronica (Geena Davis) kennen und lieben lernt. Seth bittet Veronica um Diskretion, im Gegenzug darf sie die Experimente dokumentieren und später veröffentlichen. Doch die fieseste Stubenfliege der Filmgeschichte steht diesem Scoop im Wege.

 

Han Solo und Chewbacca machen einen drauf.

Han Solo und Chewbacca machen einen drauf.

Transylvania 6-5000 (1986)

Nochmal Jeff Goldblum und Geena Davis – diesmal unter umgekehrten Vorzeichen. Während Geena Davis eine fast barbusige Vampirdame spielt, schlüpft Goldblum in die Rolle eines Journalisten, der von seinem Verleger genötigt wird, nach Transsilvanien zu jetten, um dort eine Geschichte über Frankenstein zu recherchieren. Da hat jemand in Monsterkunde besonders gut aufgepasst. Dieser bescheuerte Aufhänger ist der Running Gag des Films. Der örtliche Bürgermeister etwa lacht Goldblum und seinen Reporterkollegen (gespielt von Ed Begly jr.) aus: „Wollen Sie mich nicht lieber zu Dracula befragen? […] Was ist mit dem Blob? […] Draußen im Garten wartet übrigens Godzilla.“ Der Rest der Zoten reicht von „ganz nett“ über „peinlich“ bis „grenzdebil“.

 

WER HAT IN MEINEM SCHRANK GESCHLAFEN? Schneewittchen ist not amused.

WER HAT IN MEINEM SCHRANK GESCHLAFEN? Schneewittchen ist not amused.

Monster in the Closet a.ka. Überfall im Wandschrank (1986)

1986 ist ein gutes Jahr für Horrorkomödien mit Journalisten an der Gruselfront. Zumindest gemessen an der Screentime. In dieser vergessenen Perle aus der Trash-Schmiede Troma ermittelt ein Journalist an der Seite des Professors und eines Pfaffen – mehr geballte Kompetenz passt in keinen Wandschrank. Kommt noch ein Monster hinzu, wird’s richtig kuschelig. Dazu ein Fun Fact aus der Schublade: In dem Film spielen ein junger Paul Walker (Fast and The Furious) und eine noch jüngere Fergie (die Sängerin der Black Eyes Peas) mit.

 

Trifft den Nagel auf den Kopf: Pinhead.

Trifft den Nagel auf den Kopf: Pinhead.

Hellraiser III (1992)

Im Krankenhaus ist die Hölle los. Was als harmlose Reportage aus der Notaufnahme beginnt, nimmt eine dämonische Wendung. Die Fernsehreporterin Joey Summerskill wird Zeugin, wie ein schwer verletzter Mann von Ketten in seinem Körper zerrissen wird. Dahinter können nur die sadomasochistischen Zenobiten stecken. Tun sie auch. Der dritte Eintrag gilt wahlweise als Höhe- oder Tiefpunkt der Serie. Hellraiser III, auch bekannt als Hellraiser 3: Hell on Earth, ist der erste Reihe ohne die Mitwirkung von Schöpfer Clive Barker und schlägt actionlastigere Töne an, strickt aber gleichzeitig den Mythos um Pinhead und Konsorten durchaus gekonnt weiter. Geschmackssache.

 

Dürfen wir Sie mit vollem Namen zitieren, Mr. Belial?

Dürfen wir Sie mit vollem Namen zitieren, Mr. Belial?

Basket Case II (1990)

Husch, husch, raus aus dem Körbchen. Seit Bradley seinen deformierten siamesischen Zwilling Belial aus dem geflochtenen Behälter ließ, um sich an fiesen Ärzten zu rächen (1982), sind acht Jahre vergangen. Die Brüder haben sich in die Obhut einer Einrichtung für entstellte Menschen begeben und genießen ein vor neugierigen Blicken geschütztes Leben. Bis die Harmonie von zwei linkischen Sensationsreportern gestört wird. Auf Exklusivinterviews haben die Heimbewohner allerdings wenig Lust. Geschmackssache? Aber nur für die Hartgesotteten.

 

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The Howling a.k.a Das Tier (1981)

Geschlossene Einrichtung, die Zweite: Die Reporterin Karen wird von einem Perversen verfolgt und genötigt. Die Polizei erschießt den Täter, doch Karen ist traumatisiert. Um einen Weg zurück in ein geregeltes Leben zu finden, schließt sie sich dem Therapiezentrum von Dr. George Waggner an. Was sie (noch) nicht weiß: Dieses Zentrum ist Tarnung für ein Werwolfsrudel. Joe Dantes (Gremlins I & II) Beitrag steht  im Schatten von John Landis American Werewolf, welcher im selben Jahr erschien, muss sich aber keineswegs verstecken. Insbesondere die Verwandlungseffekte machen etwas her, auch – oder besonders – in heutigen, CGI-verseuchten Zeiten. Gepaart mit dem medienkritischen Ansatz ist The Howling hervorragendes Material für diesen Blog.

 

Der Preis für das beschissenste Monsterdesign geht an...

Der Preis für das beschissenste Monsterdesign geht an…

The Legend of Blood Mountain (1965)

Wir verlassen Big Budget-Land und trollen uns nach Georgia. Hierzulande völlig unbekannt, ist The Legend of Blood Mountain ein prominenter Vertreter der so genannten „regional horror movies“ – Produktionen, die komplett außerhalb des System Hollywoods entstanden. Man könnte auch sagen: Absolute Ramschware, an der nur eingefleischte Lokalpatrioten Spaß haben. Dieser hier schafft es nur über den großen Teich auf diesen Blog, weil ein Journalist – natürlich – die Hauptrolle spielt. Bemerkenswert allenfalls ist das herrlich beschissene Kostümdesign des Monsters. Irrsinnig: Die Film lief jahrzehntelang in den Kinos von Atlanta. Nicht zuletzt, weil der Film immer wieder mit anderen Monstrositäten bestückt wurde. Etwa 1976, im Zuge der Sasquatch-Hysterie: Statt eines Tentakelwesens lümmelte eben ein Bigfoot über die Leinwand.

 

Gestatten, Quetzalcoatl. - Darf ich Sie auch Schwanzfederschlange nennen?

Gestatten, Quetzalcoatl. – Darf ich Sie auch Schwanzfederschlange nennen?

The Flying Serpent (1946)

Der hier ist was für Kryptozoologen: In The Flying Serpent macht Quetzalcoatl, die Schwanzfederschlange aus den Mythen mesoamerkianischer Kulturen, eine Großstadt unsicher. Ein Radiomoderator erforscht die Hintergründe der Heimsuchung durch das gefederte Reptil. Natürlich wurde die Rache des Quetzalcoatl durch menschliche Habgier und Selbstüberschätzung getriggert. Netter Monster-Flick im Kielwasser von King Kong und Co., 1982 unter dem Titel Q – The Winged Serpent liebevoll neu verfilmt.

 

Keine Fake News: Der Herr links ist kein Fake-Affe.

Keine Fake News: Der Herr links ist kein Fake-Affe.

The Ape Man (1943)

Wie schon vergangenes Mal, schließen wir diese Menagerie mit Bela Lugosi, dem Mad Scientist, dem die Journalisten misstrauen. Diesmal panscht der Grandseigneur des frühen Hollywood-Horrors keine Duftwässerchen zusammen – er lässt sich Affenrückenmark spritzen. Wie und warum, das schaut Euch am besten selber an. The Ape Man ist Public Domain. Happy Halloween!

Mehr Horrorfilme: Gruselpresse Part One: Journalisten in Horrorfilmen

journalistenfilme.de wünscht eine schaurig-schöne Nacht. Wenn Euch weitere Journalisten in Horrorfilmen einfallen – dann freue ich mich, wenn Ihr mir einen Kommentar da lasst!