Journalistenfilme für Kinder? Sind gar nicht so einfach zu finden. Wenn, dann sind Reporterfiguren häufig nur Sidekicks oder gar Witzfiguren. Aber es gibt sie: Filme für ein jüngeres Publikum, in denen der Journalismus eine Rolle spielt. In Kooperation mit dem Kinderfilmblog präsentieren wir eine kleine Auswahl.

Kuratiert von Rochus Wolff & Patrick Torma.

Dieser Beitrag ist eine Ergänzung zu unserer Podcast-Episode Journalismus in Kinderfilmen. Gemeinsam mit Rochus Wolff, Betreiber des Kinderfilmblogs, sinniere ich über ein Feld, das gerne bestellter sein dürfte. Wie viele Filme gibt es überhaupt, in denen der Journalismus mehr als nur ein Abziehbild ist? Was erfahren Kinder über das Berufsbild? Gibt es eine Kinderversion von Die Unbestechlichen?

Das, was sich zum Thema anbietet, wollen wir an dieser Stelle kuratieren. Natürlich könnten wir an dieser Stelle auf die zahlreichen Reporterfiguren in diversen Zeichentrickserien oder Schrott wie Auf den Spuren des Marsupilami verweisen, um diese Liste ansehnlich aufzuplustern. Doch es gilt: Auf diese Liste schafft es nur, was Rochus und ich uneingeschränkt empfehlen können. Denn wie formuliert es der Kollege auf seinem Kinderfilmblog so schön? Die Kindheit ist zu kurz für schlechte Filme.

Was nicht heißt, dass die Sammlung nicht wachsen darf. Wenn Ihr Hinweise zu Filmen habt, die in das folgende Beuteschema passen – gerne her damit. Aber nun viel Spaß beim Stöbern für den nächsten Filmenachmittag mit den lieben Kleinen.

Die geheimnisvolle Minusch (2001)

© Warner.

Worum geht’s? Eine junge Frau, die nachts auf Dächern herumschleicht und mit Vorliebe rohen Fisch schnabuliert? Irgendwie verdächtig. In Wahrheit ist Die geheimnisvolle Minusch ein kleines Kätzchen, das durch besondere Umstände Menschengestalt angenommen hat. Weil sie immer noch den örtlichen Katzen-Gossip mitbekommt, kann sie den Reporter Tibbe mit brandheißen Informationen füttern …

Warum empfehlenswert? Einen Krimi so zu erzählen, dass er Kindern keine Angst macht, aber trotzdem noch spannend bleibt, ist gar nicht so einfach. Die geheimnisvolle Minusch ist eine Geschichte voller magischer Momente, darüber wie zwei scheue Menschen – Tibbe kriegt als Reporter nur schwer die Zähne auseinander, und Minusch ist katzengerecht zunächst nicht sehr zutraulich – Vertrauen zueinander fassen. Etwas, womit sich Kinder gut identifizieren können.

Die geheimnisvolle Minusch auf dem Kinderfilmblog und bei Filmstarts (jeweils Rochus Wolff)

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Die große Muppet-Sause (a.k.a Der große Muppet-Krimi, 1981)

© Disney.

Worum geht’s? Kermit, Fozzie und Gonzo sind in ihrem zweiten Kino-Auftritt als Reporter unterwegs. Weil sie sich gesanglich wie publizistisch selbst beweihräuchern, entgeht ihnen, wie der berühmten Modeschöpferin Lady Holiday vor ihren Augen die Juwelen geraubt werden. Um den Rausschmiss abzuwenden, macht sich das Trio auf nach London, in der Hoffnung, den Diebstahl aufzuklären.

Warum empfehlenswert? Fantasievolles Puppenspiel für die Kleinen, Cameos (u.a. John Cleese, Peter Falk) und Meta-Witze für die Großen, anarchischer Quatsch für alle: Die große Muppet-Sause macht einfach Spaß. Obendrein erfahren wir etwas über die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen für Journalist*innen.

Die große Muppet-Sause ist der Hauptfilm in unserer Podcast-Episode zum Thema Journalismus in Kinderfilmen.

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Giraffada (2013)

© Indigo.

Worum geht’s? Yacine ist Tierarzt in Palästinas einzigem Zoo. Durch einen israelischen Luftangriff wird ein Giraffenpärchen entzweit: Bulle Brownie wird tödlich verletzt, Rita ist traumatisiert und verweigert die Nahrungsaufnahme. Dabei ist sie trächtig. Damit Rita nicht alleine sein muss, fasst Yacine einen wahnwitzigen Plan. Er will ein Giraffenmännchen aus dem benachbarten Isreal stehlen. Hilfe erhält er von der Fotojournalistin Laura.

Warum empfehlenswert? Mal poetisch, mal absurd: Im Kern ist Giraffada eine einfache Geschichte: Giraffenweibchen Rita darf nicht sterben! Durch den politischen Hintergrund gewinnt er zusätzliches Gewicht. Aber: Der Film macht die Lebenswirklichkeit im Westjordanland spürbar, ohne sich in einfachen Schuldzuweisungen zu flüchten. Ein toller, herzerwärmender Spagat.

Giraffada auf dem Kinderfilmblog.

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Louis & Luca – Das große Käserennen (2015)

© EuroVideo Medien.

Worum geht’s? Um Stop-Motion-Spaß aus Norwegen. Zwei Gemeinden tragen ihr prestigeträchtiges Käserennen aus. Elster Louis nimmt den Schnabel ziemlich voll. Das Spektakel elektrisiert die „Massen“, natürlich berichtet die lokale Presse, vor allem der örtliche Fernsehsender: Das alles wird charmant aufs Korn genommen.

Warum empfehlenswert? Die tollen Animationen erwecken kauzige und liebenswerte Figuren zum Leben. Selbst die vermeintlichen Bösewichter wachsen ans Herz. Kurzweilig, knackig angstfrei: perfekte Kinderunterhaltung. Und zwar absolut nicht von der blöden Sorte.

Rochus‘ Besprechung für kino-zeit.de.

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Newsies (1992)

© Disney.

Worum geht’s? Joseph Pulitzer (Robert Duvall) plant, die Bezugspreise für New Yorks fleißige Zeitungsjungen anzuheben. Was sich der Medienmogul einverleibt, fehlt den Newsies zum Leben. Deshalb proben sie den Aufstand. Disneys an den Kinokassen geflopptes Musical (mit einem ganz jungen Christian Bale in der Hauptrolle) bereitet den realen Zeitungsjungenstreik von 1899 familienfreundlich auf.

Warum empfehlenswert? Aufwändig und schwungvoll inszeniert, ist Newsies ein Historienfilm der leichten & bunten Sorte. Freilich ging es in Wirklichkeit nicht so verspielt zu, dennoch ist der Ausflug in die Vergangenheit eine Möglichkeit, sich der Geschichte anzunähern. Auch erfährt man was über den (Boulevard-)Journalismus. Nichts für die ganz Kleinen, da zu aufregend. Newsies ist ab 12 Jahren freigeben.

Patricks Besprechung hier auf journalistenfilme.de.

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Ratatouille (2007)

© Disney.

Worum geht’s? Ratten sind in der Küche ungern sehen. Remy allerdings besitzt eine für Nager ungewöhnliche Gabe: Er weiß um die Geheimnisse der Haute Cuisine. In einem Pariser Restaurant bekommt Remy sogar die Gelegenheit, selbst zu kochen. Um den verbitterten Restaurantkritiker Ego (und die Lebensmittelbehörde) zu überzeugen, braucht es aber besondere Raffinesse.

Warum empfehlenswert? Pixars Ratatouille ist sicher kein Geheimtipp, steht aber doch etwas im Schatten von Wall-E, Oben & Co. Ohne Zweifel ist Ratatouille ein Meisterwerk des Animationsfilms, nicht nur optisch, auch die herzliche Botschaft wird hier ganz famos vorgetragen. Erweichend ist der Appell an den Kritiker/die Kritikerin in jedem von uns: Einfach mal wieder Kind sein.

Rochus über Ratatouille für kino-zeit.de.

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Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (2013)

© Sony.

Worum geht’s? Flint Lockwood staunt nicht schlecht. Eigentlich war er im Glauben, mit der Zerstörung seiner Erfindung aus Teil 1, des FLDSMDFR, die Welt gerettet zu haben. Doch nun stellt sich heraus – sie funktioniert noch immer. Statt harmloser Hauptspeisen produziert sie nun womöglich gefährliche Wesen aus Lebensmitteln: die Naschtiere. Flint geht der Sache nach, mit an seiner Seite ist die Wetterjournalistin Sam Sparks.

Warum empfehlenswert? Der zweite Teil wärmt nicht bloß auf, was der Erstling aufgetischt hat. Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 ist ein sehenswerter, fantasievoller Animationsfilm mit liebenswürdigen Figuren. Sam Sparks ist die charmante Parodie einer Wetteransagerin, die eigentlich „richtigen“ Journalismus machen will.

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 bei kino-zeit.de (Rochus).

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Ihr kennt weitere Journalistenfilme für Kinder? Für Hinweise sind bin ich Euch sehr dankbar!

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