journalistenfilme.de

So ticken Journalisten im Film.

Die besten Journalistenfilme aller Zeiten

Journalistenfilme gibt es wie Lettern auf dem Broadsheet. Doch wie in jedem anderen Genre gilt: Es gibt gute, mittelmäßige und schlechte Beiträge. Und es gibt die Fixsterne, die alles überstrahlen. Um die soll es heute gehen. Wir trennen die Spreu vom Weizen. Hier sind die besten Journalistenfilme aller Zeiten.

Text: Patrick Torma.

Ja, richtig gelesen. Die besten Journalistenfilme aller Zeiten. Vor drei Jahren habe ich mich noch um eine Bestenliste herumgedrückt und stattdessen die zehn besten Top 10-Listen zum Thema gekürt. Ich fühlte mich einfach noch nicht so weit – als ich meinen Blog im Herbst 2015 an den Start brachte, ging ich, naiv wie ich war, davon aus, das Genre wäre im Nu abgegrast. Pustekuchen. Meine Watchlist auf Letterboxd zählt, Stand Erstveröffentlichung dieses Beitrages im Frühjahr 2020, über 400 Titel. Die Dunkelziffer liegt weit höher, etwa bei tausend Filmen, da ich die schiere Masse an Filmen aus der Stummfilm-Ära und Frühphase Hollywoods noch nicht nachgetragen habe. Kurz: Ich war erschlagen.

Heute möchte mein Gegenwarts-Ich mein zögerliches Vergangenheits-Ich am Kragen packen und ihm ins Gesicht schreien: TRAU DICH! Denn damals wie heute habe ich eine ganze Reihe von Journalistenfilmen gesehen – ich denke, da kann ich mir schon ein Urteil erlauben. Also Brust raus! Außerdem lasse ich mir zwei Schlupflöcher. Die da wären:

  1. Diese Liste der besten Journalistenfilme aller Zeiten basiert auf meinen persönlichen imdb-Bewertungen und enthält alle Filme mit einer Punktzahl von 8/10 und mehr.
  2. Diese Liste darf und wird wachsen. Was jetzt nicht drauf ist (der eine oder andere wird Citizen Kane vermissen), kann nach entsprechender Sichtung noch auftauchen.

Vier W-Fragen zur Einordnung

Die Beiträge sind alphabetisch sortiert. Zu jedem Eintrag werden W-Fragen beantwortet. Was? meint Worum geht es in dem Film? Unter Wer? gibt es Infos und Anekdoten zu den Beteiligten (Schauspieler, Regisseure, Autoren). Warum? fasst kurz zusammen, weshalb der jeweilige Film einen Platz auf dieser Liste der besten Journalistenfilme verdient hat. Unter Wo? gibt es abschließend weiterführende Links an die Hand einmal zur ausführlichen Besprechung / zum Podcast auf diesem Blog, außerdem zwecks Bezug über ein gewisses Online-Versandhaus. Über diese Affiliate-Links könnt ihr die hier vorgestellten Filme erwerben ihr zahlt nicht mehr als den regulären Preis, unterstützt aber dieses Projekt, indem ich eine kleine Provision erhalte. Damit künftig noch mehr Filme den Weg auf diese Liste finden.

Nun aber: Ich wünsche viel Spaß und noch mehr Anregungen für den nächsten Filmeabend.

Almost Famous – Fast berühmt (2000)

William Miller und sein Traum vom Rockstar-Journalismus: Almost Famous geht raus an die Kolleginnen und Kollegen des Kulturressorts. Bild: Columbia Pictures.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Der Teenager William Miller (Patrick Fugit) lebt seinen Traum: Für das Rolling Stone Magazine darf er die Rockgruppe Stillwater auf Tour begleiten. Frontmann Russell Hammond (Billy Cudrup) kümmert sich wie ein großer Bruder um das Nesthäkchen. Doch die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als allen bewusst wird, dass William irgendwann mal einen Tour-Bericht abliefern wird…

Wer? Regisseur Cameron Crowe verwebt in Almost Famous seine eigenen Jugenderfahrungen. Als 16-Jähriger ging er mit den Allman Brothers auf Tour. Am Ende stand eine Titelstory im legendären Rolling Stone.

Warum? Almost Famous ist eine Liebeserklärung an den Musikjournalismus, verpackt in einem märchenhaften Roadmovie über Freundschaft und das Erwachsenwerden. Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll in der Light-Variante, sozusagen.

Wo? Blogbeitrag: Fünf Learnings über den Musikjournalismus.
Bezugsquelle: Almost Famous – Fast berühmt

Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy (2004)

Und alle so: Yeah! Die Anchormen um Ron Burgundy genießen das süße Leben im Sender. Doch Zeiten ändern sich. Bild: DreamWorks.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Für den selbstverliebten Nachrichtensprecher Ron Burgundy (Will Farrell) und seine Crew von Channel 4 ist das Senderleben ein Schlaraffenland, als Stars am Nachrichtenhimmel San Diegos genießen die Herren der Schöpfung Narrenfreiheit. Doch Zeiten ändern sich, denn auf einmal spielen Quoten eine Rolle, und mit Veronica Corningstone bekommt Macho Burgundy eine weibliche Co-Moderation an die Seite gestellt. Beef ist vorprogrammiert.

Wer? Komiker Will Farrell und Regisseur und Autor Adam McKay (The Big Short) bilden seit ihrem Ausstieg bei Saturday Night Live eine unheilige Allianz. Anchorman ist ihr erstes gemeinsames Filmprojekt. Es folgen kongeniale Kollaborationen wie Ricky Bobby – König der Rennfahrer, Stiefbrüder oder der zweite Teil der Anchorman-Saga Die Legende kehrt zurück.

Warum? Zugegeben, die 8/10 sind durch meinen persönlichen Will Farrell-Bonus zu erklären. Es gibt sicher bissigere Mediensatiren, und man muss dem Humor der Frat Packagers um Farrell schon etwas abgewinnen können, um dem Film abzufeiern. Dennoch: Wie Anchorman das Nachrichten-Patriarchat der 1970er-Jahre durch den Kakao zieht, ist aller Ehren wert. Und die Quotenschlägerei zwischen rivalisierenden News-Gangs ist sowieso Kult.

Wo? Blogbeitrag: Wenn Nachrichten eskalieren.
Bezugsquelle: Anchorman

Das China-Sydrom (1979)

Auf PR-Streichzug durchs AKW. Kameramann und Aktivist Richard Adams (Michael Douglas, 2. v. r.) bekommt Schnappatmung.
Mit Jane Fonda auf PR-Streifzug durchs AKW. Kameramann und Aktivist Richard Adams (Michael Douglas, 2. v. r.) bekommt Schnappatmung. Bild: Columbia.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Reporterin Kimberly Wells (Jane Fonda) und ihr Kameramann Richard Adams (Michael Douglas) werden während der Arbeiten zu einem TV-Beitrag Zeugen eines merkwürdigen Zwischenfalls in einem Atomreaktor. In der Redaktion entbrennt ein Streit darüber, inwieweit das heimlich gefilmte Material journalistisch zu verwerten ist – da meldet sich Insider Jack Godell (Jack Lemmon) zu Wort: Offensichtlich ist Kalifornien haarscharf an einer Umweltkatastrophe vorbeigeschlittert.

Wer? Kickoff, Wendepunkt, größter Erfolg – Das China-Syndrom ist für viele der Beteiligten ein Karriere-Meilenstein. Sexsymbol Jane Fonda wechselt mit dem Film ins Charakterfach, Michael Douglas (wie schon bei Einer flog übers Kuckucksnest auch als Produzent tätig) fasst endgültig Fuß als Kino-Darsteller, Regisseur James Bridges und die Autoren-Kollegen Mike Gray und T.S. Cook legen mit der Oscar-Nominierung für das Beste Originaldrehbuch den Grundstein für ihre weiteren Karrieren.

Warum? Gefühlt gehört Das China-Syndrom zum B-Kader der Journalistenfilme, der von den großen Klassikern des Genres überstrahlt wird. Dabei verhandelt auch dieser Film viele wichtige Themen, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben: die Bedeutung der freien Presse, der verantwortungsvolle Umgang mit Risiko-Technologien und die ungleiche Behandlung von Frauen in der Branche. Dass der Film vor den großen Atomkatastrophen unserer Zeit erscheint – nur wenige Tage nach Kinostart kommt es zum Reaktorunfall von Three Mile Island – macht ihn erschreckend prophetisch.

Wo? Blogbeitrag: Atomspalterei.
Bezugsquelle: Das China-Syndrom

City of God (2002)

In der City of God regiert das Gesetz des Stärkeren. Deshalb rotten sich schon die Kleinsten zu Banden zusammen. Für Buscapé bedeutet eine Karriere als Fotoreporter der Ausbruch aus diesem Regelkreis.
In der City of God regiert das Gesetz des Stärkeren. Deshalb rotten sich schon die Kleinsten zu Banden zusammen. Für Buscapé bedeutet eine Karriere als Fotoreporter der Ausbruch aus diesem Regelkreis. Bild: Constantin.

journalistenfilme.de-Bewertung: 9/10

Was? Der junge Buscapé wächst in einer der härtesten Favelas Brasiliens auf. Während die meisten seiner Freunde in die Kriminalität abrutschen, hält er sich aus dem Gröbsten heraus. Hilfreich ist dabei sein Traum, irgendwann ein richtiger Fotograf zu sein. Als sein Traum „droht“, Realität zu werden, – eine Zeitung druckt seine Bilder ab – wackelt auch Buscapés Neutralitätsanspruch. Als Berichterstatter gerät er zwischen die Fronten zweier Banden.

Wer? City of God ist die fiebrig-fulminante Verfilmung von Paulo Lins gleichnamiger Erzählung, die die Geschichten mehrerer fiktiver Bewohner in Rios berüchtigter Trabantenstadt Cidade de Deus mit Lins eigenen Erinnerungen verwebt.

Warum? Während der Journalimus nur eine Rolle am Rande spielt, ist City of God vor allem ein intensives Stück Film, das sein Publikum nur so durch die engen Gassen der Favela scheucht. Der herausragende Schnitt, die sich immer wieder wandelnde Bildregie, die sich an den Farben und Stilen der 60er-, 70er- und 80er-Jahre orientiert, die Tatsache, dass die meisten Rollen mit Laien besetzt wurden – City of God ist ein echtes Erlebnis.

Wo: Blogbeitrag: Aus der Favela in die Freiheit.
Bezugsquelle: City of God

Ein Herz und eine Krone (1953)

Ein Herz und eine Krone gilt als Klassiker der romantischen Komödie. Und das durchaus zu Recht.
Ein Herz und eine Krone gilt als Klassiker der romantischen Komödie. Und das verdientermaßen. Der gemeinsame Ausflug von Prinzessin und Reporter ist herzerwärmend. Im Kontrast dazu steht das bitter-süße Ende. Bild: Paramount.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Das Leben am Hofe ist kein Zuckerschlecken. Während eines Auslandsbesuchs in der italienischen Hauptstadt Rom erleidet Prinzessin Ann einen Nervenzusammenbruch. Benebelt von Barbituraten büxt die Thronfolgerin aus und wird von einem Journalisten aufgegabelt. Als der sich bewusst wird, wer ihm da in die Arme gelaufen ist, wittert er seine Chance auf eine Exklusiv-Story.

Wer? Oscar-Preisträger und Regie-Perfektionist William Wyler (Ben Hur) schuf mit Ein Herz und eine Krone einen Klassiker der romantischen Komödie. In den Hauptrollen überzeugen Audrey Hepburn (Frühstück bei Tiffany), hier noch vor ihrem Durchbruch, und Gregory Peck (Wer die Nachtigall stört). Das Buch stammt aus der Feder des legendären Autors Dalton Trumbo.

Warum? Die Chemie zwischen den beiden Stars, die Ewige Stadt als semi-heimliche Hauptdarstellerin, von La Dolce Vita beseelter Schabernack und das bittersüße Ende sorgen für Schmetterlinge im Bauch. Aus journalistischer Perspektive geht es um die Verantwortung der Presse gegenüber Personen des öffentlichen Lebens.

Wo? Blogbeitrag: folgt.
Bezugsquelle: Ein Herz und eine Krone

Weiter geht’s auf Seite 2.

Previous

Zwischen Kitsch und positivem Journalismus: Good Sam (2019)

Next

Full Metal Jacket (1987) und die Rolle der Medien im Vietnamkrieg

6 Comments

  1. Winfried Gaus

    Tausend Milliarden Dollar

    • Patrick

      Hallo Winfried,

      für einen Moment habe ich geglaubt, das wäre das Gebot für diesen Blog hier (würde ich natürlich nie annehmen).
      Dann aber mal in die Google-Suche geschmissen: Kannte ich bislang überhaupt nicht, Tausend Milliarden Dank für den Tipp.

  2. Stephan

    Wo bleibt Morning Glory? Hammermediensatire übers Frühstücksfernsehen. Gut besetzt und extrem unterhaltsam.

    • Patrick

      Hi Stephan,

      klarer Fall von: bislang noch nicht gesehen. Schaue gerade auf der imdb und sehe, dass Rachel McAdams mitspielt – damit mausert sie sich zur Mrs. Journalistenfilm. Spielt ja auch in Spotlight und State of Play mit.

      Kommt auf meine Watchlist. Ich verspreche aber nix 😉

      Danke für den Tipp und deinen Kommentar!

      Viele Grüße, Patrick

  3. Ina Gerster

    Zeuge einer Verschwörung

    fand ich auch sehr gut.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén