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So ticken Journalisten im Film.

Die besten Journalistenfilme aller Zeiten

Ein Jahr in der Hölle (1982)

Guy Hamilton weiß nicht, wie ihm geschieht. Als Neuling ist er mit der Auslandsberichterstattung im revolutionären Klima Indonesiens zunächst aufgeschmissen. Bild: Warner.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Dem australischen Journalisten Guy Hamilton fehlt es an Auslandserfahrung, nun soll er ausgerechnet über den bevorstehenden Umsturz in Indonesien berichten. Die Verhältnisse vor Ort sind nicht leicht zu durchschauen. Zugang zu Land und Leuten erhält Hamilton durch den einheimischen Fotoreporter Kwan, der wiederum Erwartungen an die Zusammenarbeit knüpft. Als die Ereignisse hochkochen, wird der Journalist zu einer Entscheidung gedrängt.

Wer? Peter Weirs (Truman Show) Ein Jahr in der Hölle ist, verglichen mit seinen Kollegen in diesem Genre, ein Leisetreter. In den Hauptrollen zu sehen sind Mel Gibson, Sigourney Weaver und Linda Hunt, die für die Rolle des männlichen Fotografen Kwan mit dem Oscar für die Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wird.

Warum? Ein Jahr in der Hölle macht vieles anders als die meisten Kriegsreporterstreifen der 1980er-Jahre. Poetische Bilder, universelle Gedanken und eine zarte Love-Story, die mal nicht Beiwerk zum Zweck ist, heben den Film von der Konkurrenz ab.

Wo? Blogbeitrag: Kriegsreporter mal anders.
Bezugsquelle: Ein Jahr in der Hölle (Stream)

Fear and Loathing in Las Vegas

Seinem Anwalt geht es nicht gut: Anarcho-Journalist Raoul Duke verabreicht Dr. Gonzo seine „Medizin“. Im Hintergrund fällt Tobey Maguire mit fieser Spaghetti-Friese vom Glauben ab. Bild: Universal.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Achtung, das hier ist Fledermausland. Journalist Raoul Duke und sein Anwalt, Dr. Gonzo, heizen im Cabrio, den Kofferraum voll mit Drogen, durch die Mojave. Das Ziel ist Las Vegas. Eigentlich kommt Duke mit einem handfesten Arbeitsauftrag in die Zockerstadt. Doch der geht – wie so vieles – im Rausch der kommenden Tage unter.

Wer? Fear and Loathing in Las Vegas ist das Schlüsselwerk von Hunter S. Thompson (kurz: HST). In seinem Buch – eine Mischung aus Reportage, Fiktion und Rauschtagebuch – rechnet der Anarcho-Literat mit dem Amerikanischen Traum ab. Die Vorlage gilt – trotz eines in den 1980er-Jahren unternommen Teilversuches (Blast – Wo die Büffel röhren) – als unverfilmbar. Bis Terry Gilliam (12 Monkeys) kommt und eine „schaurige Trompete“ (O-Ton Thompson) erklingen lässt. Johnny Depp (in Rum Diary in einem weiteren Film mit HST-Bezug zu sehen) macht den Schriftsteller in seiner Darstellung von Thompons Alter Ego Raoul Duke unsterblich. Beide verbindet bis Thompsons Tod im Jahre 2005 eine Freundschaft.

Warum? Der Film ist ein fieser, aber faszinierender Drogentrip. An den Kinokassen ein Flop, sind die skurrilen Erlebnisse der Protagonisten, unnachahmlich von Gilliam visualisiert, längst Kult. Gleichzeitig ist Fear and Loathing in Las Vegas wohl das bekannteste Abziehbild des Gonzo-Journalismus, das jemals auf Zelluloid gebannt wurde.

Wo? Blogbeitrag: Alles Gonzo, oder was?
Bezugsquelle: Fear and Loathing in Las Vegas

Die Fliege (1986)

journalistenfilme.de-Bewertung: 9/10

Was? Seth Brundle (Jeff Goldblum, Jurassic Park) steht vor einer wissenschaftlichen Sensation. Zumindest ist er davon überzeugt. Seine Teleportationsmaschine hat zwar gerade das Innere eines Pavians nach außen gekehrt, doch das hindert den Forscher keineswegs daran, zum Selbstversuch in den Apparat zu steigen. Freundin und Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis, Thelma & Louise) wird Zeugin, wie Brundle anschließend zur fiesesten Stubenfliege der Filmgeschichte mutiert.

Wer? Bodyhorror in Perfektion, orchestriert von Regisseur David Cronenberg (Naked Lunch). Seine Fliege von 1986 wird oftmals für das Remake von Kurt Neumanns Sci-Fi-Krimi aus dem Jahre 1958 (mit Vincent Price in der Hauptrolle) gehalten. Dabei könnten beide Filme unterschiedlicher nicht sein, abgesehen von der Grundidee. Für die zeichnet der französisch-britische Schriftsteller und ehemalige Geheimagent George Laagelaan verantwortlich. Seine Kurzgeschichte erschien 1957 im Playboy.

Warum? Die Fliege ist wohl der beste Horrorfilm mit Journalistenbezug – gleichzeitig einer der besten Horrorfilme überhaupt. Die Special Effects sind ekelerregend-erhaben, und das Finale, aller Widerwärtigkeit zum Trotz, herzzerreißend.

Wo? Blogbeitrag: folgt.
Bezugsquelle: Die Fliege

Gladbeck (2018)

Sündenfall in der deutschen Mediengeschichte: Reporter umzingeln das Fluchtauto der Geiselgangster von Gladbeck. Dabei verhindern sie auch einen Zugriff durch die Polizei. Bild: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Zwei Bankräuber halten nach einem misslungenen Überfall in der Ruhrgebietsstadt Gladbeck die Bundesrepublik in Atem. Auf ihrer Flucht über Ländergrenzen hinweg nehmen sie Geiseln, Behörden und Medien sind überfordert – Millionen Menschen sehen live zu.

Wer? Der Film von Kilian Riedhof wird 2018 anlässlich des dreißigsten Jahrestags des Geiseldramas von Gladbeck als TV-Zweiteiler im Ersten ausgestrahlt. Sascha A. Gersak und Alexander Scheer liefern als Gangster-Duo Rösner/Degowski eine beängstigende Performance ab.

Warum? Gladbeck erzählt von drei Tagen im August 1988, die von Verfehlungen und Versagen der drei wichtigen Ps – Presse, Polizei und Politik – begleitet werden. Wie sich Medienvertreter mitschuldig machen, ist (nicht nur) als Journalist schmerzlich anzusehen. Daneben überzeugt Gladbeck durch eine erschreckende Akkuratesse – Szenen wie Rösners berühmt-berüchtigtes Interview mit der Tagesschau sind 1-zu-1 umgesetzt.

Wo? Blockbeitrag: Sündenfall und Mahnmal.
Bezugsquelle: Gladbeck

Gone Girl (2014)

Sieht so ein trauernder Ehemann aus? Amy Dunne ist vom Erdboden verschluckt – Gatte Nick gibt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht die beste Figur ab. Bild: 20th Century Fox.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Die Dunnes sind das Medien-Traumpaar schlechthin. Sie (Rosemund Pike, A Private War) ist die reale Vorlage einer beliebten Kinderbuchfigur, er (Ben Affleck, State of Play, Das Letzte, was er wollte) ein erfolgreicher Journalist. Mit den Jahren schaffen es die beiden nicht mehr, die Risse in der Fassade zu kitten. Demütigt von der nur halbherzig kaschierten Untreue ihres Ehegatten Nick, entschließt sich Amy, ihre eigene Ermordung vorzutäuschen – wohl wissend, dass sich die Medien auf diesen Fall stürzen werden. Und die Indizien lege nahe, dass Nick der Täter ist.

Wer? Ob Social Network, Zodiac – Die Spur des Killers, Verblendung oder auch House of Cards – in David Finchers späteren Produktion spielen die Medien und ihre Wirkungsmechanismen eine tragende Rolle. Gone Girl reiht sich brav in diese Aufzählung ein. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn.

Warum? Fincher ist längst nicht mehr der stilprägende Visionär, der er zu Beginn seiner Karriere war – dafür sind seine Filme inzwischen zu routiniert. Nichtsdestotrotz ist Gone Girl nicht nur ein ungemein spannender und fieser Thriller, sondern auch ein intelligenter Film über die Beißreflexe der Sensationsberichterstattung.

Wo? Blogbeitrag: Von der Print- in die Ehekrise.
Bezugsquelle: Gone Girl – Das perfekte Opfer

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6 Comments

  1. Winfried Gaus

    Tausend Milliarden Dollar

    • Patrick

      Hallo Winfried,

      für einen Moment habe ich geglaubt, das wäre das Gebot für diesen Blog hier (würde ich natürlich nie annehmen).
      Dann aber mal in die Google-Suche geschmissen: Kannte ich bislang überhaupt nicht, Tausend Milliarden Dank für den Tipp.

  2. Stephan

    Wo bleibt Morning Glory? Hammermediensatire übers Frühstücksfernsehen. Gut besetzt und extrem unterhaltsam.

    • Patrick

      Hi Stephan,

      klarer Fall von: bislang noch nicht gesehen. Schaue gerade auf der imdb und sehe, dass Rachel McAdams mitspielt – damit mausert sie sich zur Mrs. Journalistenfilm. Spielt ja auch in Spotlight und State of Play mit.

      Kommt auf meine Watchlist. Ich verspreche aber nix 😉

      Danke für den Tipp und deinen Kommentar!

      Viele Grüße, Patrick

  3. Ina Gerster

    Zeuge einer Verschwörung

    fand ich auch sehr gut.

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