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So ticken Journalisten im Film.

Die besten Journalistenfilme aller Zeiten

Insider (2000)

Lowell Bergman ist Druck gewöhnt. Doch bald muss er sich mit der Tabakindustrie UND seinem eigenen Sender herumschlagen. Bild: Buena Vista

journalistenfilme.de-Bewertung: 9/10

Was? Lowell Bergman (Al Pacino, Der Pate) arbeitet als „Fixer“ für das legendäre CBS-Nachrichtenmagazin 60 Minutes, in dieser Funktion rekrutiert er Interviewpartner, die schließlich vor laufender Kamera auspacken sollen. Der Chemiker Jeffrey Wigand (Russell Crowe, State of Play) fahndet derweil nach einer Möglichkeit, Informationen über die Machenschaften seines Arbeitgebers – ein großer Tabakkonzern – zu lancieren. Die zwei Männer finden sich. Doch ganz einfach wollen sich die Geheimnisse nicht enthüllen lassen. Wigands Vorgesetzte wissen, wie sie ihre Interessen schützen, Bergmans Sender bekommt kalte Füße.

Wer? Mediator Michael Mann (Heat, Collateral) spendiert seinem obligatorischen Männer-Duo ausnahmsweise mal eine gemeinsame Agenda – der Film beruht auf den Aussagen des echten Jeffrey Wigand und seines Kontaktmannes Lowell Bergman. Die durch 60 Minutes ausgelöste Kontroverse schlägt hohe Wellen und ebnet den Weg für das Justizverfahren, welches die US-Regierung einige Jahre später gegen die Tabakindustrie einleitet.

Warum? Insider ist ein zweigeteilter Film. Die erste Hälfte ist hochkonzentriertes Paranoia-Kino, die zweite Hälfte ein komplexer wie eindringlicher Medienthriller. Die Notwendigkeit einer unkorrumpierbaren Presse ist der rote Faden, der beide Hälften eint. Insider ist Appell und Mahnmal gleichermaßen. Sowohl Crowe als auch Pacino reißen mit, wobei Letzterem hier und da die Zügel durchgehen. Pacinos Darstellung eines Journalisten ist bisweilen idealistischer als jedes Ideal. Dieser Pathos macht den Film nicht schlechter, ganz im Gegenteil: Insider ist einer der zitierwürdigsten Journalistenfilmen seiner Zunft.

Wo? Blogbeitrag: Al Pacino gegen den Rest der Welt.
Bezugsquelle: Insider

Kalifornia (1998)

Lustige Reisegruppe: In Kalifornia sitzen Reporter und Serienkiller im selben Cabrio. Bild: 20th Century Fox.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Das Reporter-Pärchen Brian (David Duchovny, Akte X) und Carrie (Michelle Forbes, Star Trek: The Next Generation) plant eine Recherche-Reise zu den Schauplätzen berühmter Morde. Allerdings ist das Geld knapp. Um die Spritkosten für den Roadtrip durch die Staaten mit Endstation in Kalifornien zu reduzieren, holen sie sich den ungehobelten Early (Brad Pitt, Fight Club) und dessen kindlich-naive Freundin Adele (Juliette Lewis, Natural Born Killers) an Bord. Was sie nicht ahnen: Early verfügt über Praxiserfahrung, die Brian für sein Buch zu ergründen versucht.

Wer? Über die Hauptdarsteller muss man an dieser Stelle nicht mehr viele Worte verlieren. Regie führt Dominic Sena, der Anfang der 2000er-Jahre mit Beiträgen wie Nur noch 60 Sekunden und Password: Swordfish von sich Reden macht.

Warum? Ohne es explizit auszusprechen, lotet Kalifornia den Grat aus, auf dem das True Crime-Genre balanciert – zwischen journalistischem Anspruch und Befriedigung einer morbiden Faszination. Darüber hinaus ist Kalifornia ein sauspannender, unbequemer Film, der mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Wo? Blogbeitrag: folgt.
Bezugsquelle: Kalifornia

The Killing Fields (1984)

Haing S. Ngor spielt in The Killing Fields den Reporter Dith Pran, der mit viel Glück dem Völkermord im Kambodscha entgeht. Ngor besitzt keinerlei Schauspielerfahrung – und räumt 1985 den Oscar als Bester Nebendarsteller ab. Bild: Warner.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? 1975: Pol Pots Mörderbande übernimmt die Macht in Kambodscha. In den Wirren der Machtübernahme werden die Journalisten Sydney Schanberg und Dith Pran voneinander getrennt. Während US-Reporter Schanberg in die Staaten zurückkehren und dort sogar den Pulitzer-Preis in Empfang nehmen darf, kämpft der einheimische Pran die kommenden vier Jahre um sein Überleben. Der Völkermord der Roten Khmer an den eigenen Brüdern und Schwestern bildet die „Kulisse“ dieses Überlebenskampfes.

Wer? Auch The Killing Fields beruht auf Tatsachen. Durch ein Foto, das Schanberg und Pran bei ihrem Wiedersehen zeigt, wird Produzent David Puttman auf die Geschichte aufmerksam. Ihre Freundschaft wird zur Essenz von The Killing Fields. Die Regie wird dem bis dato unbekannten Richard Joffé anvertraut, die Rolle Schanbergs übernimmt der ebenfalls unverbrauchte Sam Waterston (den Serienfans am ehesten durch seine Darstellung des väterlichen ACN-Nachrichtenchefs in der HBO-Produktion The Newsroom kennen). Ein echter Novize ist Pran-Darsteller Haing S. Ngor. Der Kambodschaner besitzt keinerlei Schauspielerfahrung. Dafür echte Traumata. Mitunter musste er ansehen, wie seine Ehefrau von den Roten Khmer Frau ermordet wurde. Für diese ungewöhnliche wie radikale Form der Vergangenheitsbewältigung wird Ngor 1985 mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Warum? The Killing Fields ist ein Film, der trotz seines schwierigen Themas immer den richtigen Ton trifft. Ein Film, der an die Nieren geht, gleichzeitig aber das Herz berührt.

Wo? Blogbeitrag: Leben und Tod von Dith Pran.
Bezugsquelle: The Killing Fields – Schreiendes Land

Mann beißt Hund (1992)

Ben bei der Ausübung seines Berufs. Nein, er betreut keine dementen Damen. Bild: Les Artistes Anonymes.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Ein Filmteam begleitet einen Mann bei seiner täglichen Arbeit. In Zeiten von Reality-TV ist das nichts Besonderes. Benoît, genannt Ben, geht allerdings keinem Allerweltsberuf nach. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Töten von Menschen. Die Kamera hält dabei voll drauf.

Wer? Diese belgische Indie-Produktion macht Benoît Poelvoorde zum Star. Poelvoorde spielt nicht nur Killer Ben, er ist auch an der Produktion beteiligt, schreibt am Skript mit und teilt sich mit seinen Kollegen – darunter der inzwischen verstorbene Werbefilmer Rémy Belvaux – den Regiestuhl. Heute gehört er zu den profiliertesten Schauspielern seines Landes.

Warum? Mann beißt Hund ist eine bitterböse Mediensatire, die nicht nur die Sensationsgeilheit mancher Medien anprangert. Die Mockumentary lotet unseren eigenen Voyeurismus aus. Wann wird aus Spaß ernst? Spätestens beim finalen Exzess bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Wo? Blogbeitrag: Film beißt Mensch.
Bezugsquelle: Mann beißt Hund

Die Maske runter (1952)

Stoischer Anker in stürmischer See: Humphrey Bogart (rechts) schlüpft in Die Maske runter in die Rolle des Chefredakteurs Ed Hutcheson. Bild: Pidax Films.

journalistenfilme.de-Bewertung: 8/10

Was? Mit Ed Hutcheson, Chefredakteur der Zeitung The Day, möchte man nicht tauschen. Seine Frau Nora hat ihn für einen Werbe-Fuzzi verlassen, die Verlegerfamilie plant den Verkauf des traditionsreichen Blattes und obendrein machen Mobster Jagd auf seine Reporter.

Wer? Jeder andere stünde kurz vor dem Kollaps. Humphrey Bogart alias Hutcheson schippert die Kogge stoisch durch den Sturm. Am Ende gelingt es ihm zwar nicht, alle zu retten. Doch einer wie „Bogie“ geht erhobenen Hauptes unter.

Warum? Idealismus zahlt sich nicht immer aus – das ist die bittere Botschaft von Die Maske runter. Verglichen mit aktuellen „Journalisten-Pornos“ wie Spotlight oder Steven Spielbergs Die Verlegerin, die zwar in ihrer Botschaft löblich und wichtig sind, aber letztendlich die Notwendigkeit einer integren Presse über Best Practices aus einer nostalgisch-analogen Vergangenheit herleiten, wirkt der Film geradezu modern. Hinzu kommt: Hierzulande eher unbekannt, ist Die Maske runter zitierwürdig ohne Ende.

Wo? Blogbeitrag: Zeitungssterben mit Bogart.
Bezugsquelle: Die Maske runter

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10 Comments

  1. Winfried Gaus

    Tausend Milliarden Dollar

    • Patrick

      Hallo Winfried,

      für einen Moment habe ich geglaubt, das wäre das Gebot für diesen Blog hier (würde ich natürlich nie annehmen).
      Dann aber mal in die Google-Suche geschmissen: Kannte ich bislang überhaupt nicht, Tausend Milliarden Dank für den Tipp.

  2. Stephan

    Wo bleibt Morning Glory? Hammermediensatire übers Frühstücksfernsehen. Gut besetzt und extrem unterhaltsam.

    • Patrick

      Hi Stephan,

      klarer Fall von: bislang noch nicht gesehen. Schaue gerade auf der imdb und sehe, dass Rachel McAdams mitspielt – damit mausert sie sich zur Mrs. Journalistenfilm. Spielt ja auch in Spotlight und State of Play mit.

      Kommt auf meine Watchlist. Ich verspreche aber nix 😉

      Danke für den Tipp und deinen Kommentar!

      Viele Grüße, Patrick

  3. Ina Gerster

    Zeuge einer Verschwörung

    fand ich auch sehr gut.

  4. Joscha

    Zwei Filme ständen bei mir noch auf der Liste, wobei ich mir nicht sicher bin, inwieweit sie jetzt die Kriterien für das Genre Journalistenfilme erfüllen:

    1. „Das Millionenspiel“ mit Heck, Hallervorden und Pleva.

    2. Das andere ist der zweiteilige Fernsehfilm „Welt am Draht“ in der ganze Handlungsstränge dem Journalismus und Fassbinders Kritik daran gewidmet sind.

    Eines der besten Zitate. „[…] Sie [die Reporter] bearbeiten kurze Meldungen, den Brühwürfel einer Nachricht sozusagen, lösen ihn auf, bringen die Story, die Hintergründe einer Nachricht – sofern vorhanden.“

    • Patrick

      Hi Joshua,

      Danke Dir für deine Tipps, habe ich beide noch nicht gesehen.

      Was die Kriterien betrifft, bin ich entspannt. Du findest hier auch Action- und Horrorfilme, die weit entfernt davon sind, Journalistenfilme zu sein. Hauptsache, es kommen Journalist*innen vor 🙂

      Von daher: Habe ich mir vorgemerkt. Welt am Draht habe ich sogar hier, sträflicherweise in einer noch eingeschweißten Fassbinder-Box.

      Das Zitat ist klasse!

      Viele Grüße, Patrick!

  5. Christoph

    Zodiac – die Spur des Killers

    Grandioser Film und gehört meiner Meinung nach definitiv auf die Liste

    • Patrick

      Hey Christoph,

      Hach, mit dem „definitiv“ tue ich mich schwer.

      Vom Grundsatz her finde ich Zodiac klasse (war auch einer der ersten Beiträge auf diesem Blog: https://www.journalistenfilme.de/zodiac/), und alle zwei, drei Jahre habe ich als Fincher-Fan auch richtig Lust drauf. Nach der Sichtung denke ich mir aber auch immer: Puh, das war jetzt anstrengend.

      Nach der nächsten Sichtung werde ich nochmal in mich gehen…;)

      Danke für deinen Kommentar!

      Viele Grüße, Patrick

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