Spotlight Movie

Eine Branche ballt die Becker-Faust: Lügenpresse? Von wegen! Die überraschende Oscar-Auszeichnung für Tom McCarthys Reporterdrama Spotlight wirkt wie Balsam auf der Seele eines zuletzt viel geschundenen Berufstandes. Oft genug werden wir daran erinnert, was im Journalismus schief läuft. Da tut es gut zu sehen, wozu der Journalismus in seinen wachen Momenten in der Lage ist – und welche positiven Reaktionen er doch noch auslösen kann.

Von Patrick Torma. Bildmaterial: Paramount Pictures.

Nein, nicht alles am heutigen Journalismus ist schlecht. Es gibt eine Reihe außerordentlich guter Beispiele seriöser, gehaltvoller Berichterstattung. Nur erregen die naturgemäß weniger Aufmerksamkeit als ein oscarprämierter Hollywoodfilm. Da ist die journalistische Freude über eine filmische Verneigung vor dem eigenen Berufsethos verständlich. Aber auch irgendwie verräterisch. Schließlich erzählt Spotlight nichts Neues – weder auf der narrativen, noch auf der intentionalen Ebene.

Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten. Investigativjournalisten der Zeitung The Boston Globe decken Anfang der 2000er-Jahre einen flächendeckenden Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche auf. Selbst wenn man die amerikanische Perspektive nicht kennt: Dass der Missbrauch von Schutzbefohlenen in diesen Kreisen System hat, davon hat man auch hierzulande gehört. (Wenn nicht: Eine Liste von Vorfälle in Deutschland gibt es – nach Bistümern sortiert (!) – in der Wikipedia.)

Starkes Team: Spotlight glänzt mit einem starken Ensemble. Von links: Michael Keaton, Liev Schreiber, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, John Slattery und Brian d’Arcy James.

Starkes Team: Spotlight glänzt mit einem hervorragenden Ensemble. Von links: Michael Keaton, Liev Schreiber, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, John Slattery und Brian d’Arcy James.

Alte Tugenden in einem neuen Film

Und auch die Botschaft ist wenig innovativ: Der Film appelliert an journalistische Grundtugenden wie Integrität, Sorgfalt und Beharrlichkeit. Tugenden, die in jeder Journalistenausbildung gelehrt werden sollten. Überhaupt: Da gab es doch diesen Film, der schon vor 40 Jahren wunderbar vorexerzierte, wie investigative Berichterstattung zu funktionieren hat? Was Apocalypse Now für den Antikriegsfilm ist, ist Die Unbestechlichen für den Journalistenfilm. Eigentlich ist alles gesagt. Eigentlich.

Auch wenn Regisseur Tom McCarthy im Interview mit kino-zeit.de betont, er habe sich nicht von Alan J. Pakulas Meisterwerk beeinflussen lassen, so wirkt Spotlight in dem, wie er journalistische Arbeit darstellt, wie eine Neuauflage des Klassikers: Wir sehen Reporter, die Archive wälzen, Klinken putzen und jede Quelle doppelt und dreifach prüfen. Die Methoden sind Anfang der 2000er-Jahre annähernd dieselben wie zu Watergate-Zeiten – und damit überraschend analog. Keine Aufnahmegeräte, kein Mobile Journalism. Einzige Neuerung ist eine ellenlange Excel-Tabelle, die hilft, den Überblick im Datenwust zu bewahren. Das wahrnehmbarste Arbeitswerkzeug ist der Notizblock – und der wurde im 19. Jahrhundert erfunden. Ansonsten verlassen sich die Reporter auf ihre Auffassungs- und Kombinationsgabe.

Journalisten in der Bibliothek - und das anno 2001: In Spotlight ist die Recherche noch erstaunlich analog.

Journalisten in der Bibliothek – und das anno 2001: In Spotlight ist die Recherche noch erstaunlich analog.

Sehnsucht nach investigativer Recherche

Und doch schnalzen viele Medienmenschen nach dem Kinobesuch mit der Zunge. Ich mache da keine Ausnahme. Vielleicht ist es die nostalgische Sehnsucht nach einer Zeit, die frei von den Zwängen der Echtzeitberichterstattung ist. Frei von einem Wettlauf, der uns dazu trimmt, Nachrichten möglichst schnell vor allen anderen zu platzieren. Vielleicht ist es aber auch die schmerzhafte Erkenntnis, wie weit die eigene Arbeit von dem zur Schau gestellten Ideal abgedriftet ist. Schließlich wissen wir: In der aktuellen Medienschelte steckt auch jede Menge berechtigte Kritik. Und wenn wir ehrlich zu uns sind, dann wissen wir auch ganz genau, wann und wo wir vom Lehrbuch abgewichen sind. Aber genug der Selbstgeißelung. Das Schöne an Spotlight ist, dass er vor Augen hält, wie anständig der Journalismus sein kann.

Natürlich projiziert der Film ein journalistisches Wunschbild auf die Leinwand. Auch in dieser Hinsicht ähnelt Spotlight den Unbestechlichen. Für die wenigsten Reporter ist das, worauf die Figuren in Spotlight angesetzt werden, Alltag. Spotlight ist der Name einer investigativen Recherchetruppe des Boston Globe, einer Abteilung, die in der Lage ist, ein halbes Jahr lang Polizeistatistiken zu wälzen, bis sich am Ende eventuell eine Geschichte abzeichnet. Für viele Redaktionen, in denen Mangelverwaltung herrscht, ist das ein Luxus.

Knallharter Sanierer? Der neue Chefredakteur Marty Baron (Liev Schreiber) kommt mit einem klaren Auftrag zum Boston Globe.

Knallharter Sanierer? Der neue Chefredakteur Marty Baron (Liev Schreiber) kommt mit einem klaren Auftrag zum Boston Globe.

Angst vor dem Spardiktat

An diesem Punkt setzt McCarthys Plädoyer ein. Die Mitglieder des Investigativteams sind sich dessen bewusst, dass sie ihre Arbeit immer wieder legitimieren müssen. Die anderen Ressorts bekommen in der Regel nicht mit, worüber ihre Kollegen in dem abgeschiedenen Kellerbüro brüten. Als sich ein neuer Chefredakteur von außerhalb ankündigt, fürchten die Rechercheure um ihre Abteilung. Wir befinden uns inmitten der US-amerikanischen Printkrise, der verlegerische Automatismus, zunächst jene Ressorts einzusparen, die den geringsten Output liefern, schwebt wie ein Damoklesschwert über der Redaktion. „Kommt der Neue, um Stellen zu streichen?“, lautet die allererste Frage.

Das erste Treffen mit dem neuen Vorgesetzten scheint diese Befürchtungen zu bestätigen. Marty Baron (Liev Schreiber) kommt mit einem Sanierungsauftrag nach Boston. Ausgerechnet ein „unverheirateter Mann jüdischen Glaubens, der Baseball hasst“, soll das publizistische Flaggschiff dieser katholischen, Baseball verrückten Stadt wieder auf Kurs bringen. Spotlight-Teamchef Walter Robinson (Michael Keaton), ein Bostoner Ur-Gestein, fürchtet die Sparbrille eines Außenstehenden, der keine Rücksicht auf die gewachsenen Strukturen nimmt.

Alle an einem PC: Matt Carroll (rechts) ist ein Datenjournalist. Der echte Matt Carroll wird später sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben.

Alle an einem PC: Matt Carroll (rechts) ist ein Datenjournalist. Der echte Matt Carroll wird später sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben.

Keine Lust auf die üblichen Mechanismen

Tatsächlich erweist sich der externe Blick als hilfreich: Marty Baron entdeckt eine Kolumne, in der über einen Priester, der sich an Kindern vergangen hat, berichtet wird. Die Angelegenheit scheint abgeschlossen, wäre da nicht die Andeutung, ein hochrangiger Kirchenvertreter habe von den „Vorlieben“ seines Untergebenen gewusst. „Haben wir das zu Ende recherchiert?“, will Baron in der Redaktionssitzung wissen. Nachforschungen, die gab es. Zumindest bis zu jenem Punkt, an dem niemand mehr mit den Redakteuren des Boston Globe reden wollte. Baron geht das nicht weit genug. Er setzt seine Spezialtruppe auf diese Geschichte an.

Baron agiert entgegen der Mechanismen, die üblicherweise greifen. Er saniert das Blatt nicht, indem er den Rotstift ansetzt oder die Verkaufszahlen mit aufgeblasenen Schlagzeilen anzukurbeln versucht. Er will das Blatt „unersetzlich“ machen. Um dieses Ziel zu erreichen, verzichtet er bewusst darauf, sich bei der Leserschaft anzubiedern. Keine Kumpelei, keine Rücksicht auf die öffentliche Meinung. 53 Prozent der Globe-Abonnenten sind Katholiken, mahnt der Verleger. Baron ignoriert diesen Hinweis. Er hat nicht vor, seine Leser mit Verlautbarungsjournalismus zu sedieren. Baron baut darauf, dass die Menschen einen ehrlichen, unabhängigen Journalismus zu schätzen wissen. Einen Journalismus, der seine Kritikerfunktion als vierte Gewalt ernst nimmt.

Spotlight bei der Arbeit: Das Rechercheteam ist keine Ansammlung von Einzelgängern, sondern ein Kollektiv ohne Eitelkeiten.

Spotlight bei der Arbeit: Das Rechercheteam ist keine Ansammlung von Einzelgängern, sondern ein Kollektiv ohne Eitelkeiten.

Eine Ode an das Kollektiv

Spotlight nimmt die Recherche auf. Jeder im Team besitzt seine Stärken und Eigenheiten. Michael Rezendes (Mark Ruffalo) ist der ehrgeizige Wadenbeißer, der sich in bester Dustin Hoffman-alias-Carl Bernstein-Manier an den Empfangsdamen seiner beschäftigten Gesprächspartner vorbeischmuggelt. Sacha Pfeiffer (Rachel McAdams) ist die feinfühlige, vertrauensvolle Interviewerin. Matt Carroll (Brian d’Arcy James) ist der Experte für Datenanalysen. Walter „Robby“ Robinson ist das Gesicht der Truppe, bestens vernetzt in der Bostoner Stadtgesellschaft.

Mit diesen eindeutigen Attributen ausgestattet erscheinen die einzelnen Figuren für sich genommen recht eindimensional, zumal innere Konflikte – Michael Rezendes vernachlässigt offensichtlich sein Privatleben, dem sensiblen Matt Carroll fällt es schwer, stillzuhalten, da er mit seiner Familie in direkter Nachbarschaft eines Rehabilitationszentrums für auffällige Priester wohnt – nur angedeutet werden. Lediglich Michael Keatons Charakter, der mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, wirkt ausdefiniert. Tatsächlich passt die platte Figurenzeichnung ins Bild: Spotlight geht es nicht um Einzelschicksale.

Der Käpt'n an Bord: Michael Keaton spielt den Spotlight-Leiter Walter "Robby" Robinson. Batman a.D. hätte durchaus eine Nominierung verdient gehabt.

Der Käpt’n an Bord: Michael Keaton spielt den Spotlight-Leiter Walter „Robby“ Robinson. Batman a.D. hätte durchaus eine Nominierung verdient gehabt.

Spotlight geht es nicht um Einzelschicksale

Die Redaktion von Spotlight ist keine Ansammlung von Einzelgängern, sondern ein Team, dass sich ungeachtet von Eitelkeiten die Bälle zuspielt. Konkurrenzdenken wird nur nach außen hin sichtbar. Bei allem Idealismus: Journalismus ist noch immer ein Geschäft. Die Investigativjournalisten achten penibel darauf, dass ihre Recherchen nicht zu viel Aufsehen erregen, selbst gegenüber den eigenen Kollegen geben sie sich geheimniskrämerisch. Nicht, dass einer etwas ausplaudert, was die Konkurrenz auf ihre Fährte stoßen könnte. Die Terroranschläge vom 11. September kommen reichlich ungelegen: Gerade als brisante Dokumente von der Justizbehörde offengelegt werden, müssen die Spotlight-Redakteure ihre Recherchen anderen Prioritäten unterordnen.

Was für die Seite der Helden gilt, gilt auch für die der Täter: Die Mitwisserschaft des hochrangigen Kirchenvertreters ist schnell enttarnt. Das Team um Robinson will den ersten Artikel veröffentlichen. Doch Baron winkt ab: Wenn sie jetzt an die Öffentlichkeit gingen, könne sich die Kirche herauswinden, indem sie den Skandal als bedauerlichen Einzelfall herunterspiele. Der Chefredakteur will das System knacken. Für Tilo Jung von Jung & Naiv ist das „das Grandiose“: Spotlight porträtiere einen Journalismus, „dem es weniger um einzelne Perverse & mehr um ein perverses System geht“. Nach und nach entdecken die Journalisten das wahre Ausmaß des Kindesmissbrauchs in der Katholischen Kirche. Erst sind es vier Hirten, denen der Missbrauch an kleinen Schäfchen nachzuweisen ist, später 13, schließlich 87. Allein im Großraum Boston. Eine Zahl, die betroffen macht. Und das, obwohl McCarthy darauf verzichtet, auf die Tränendrüse zu drücken.

Für einen Film über Kindermissbrauchs kommen in Spotlight überraschend wenig Kinder vor. Tom McCarthy verzichtet auf eine sensationslüsternde Inzenierung.

Für einen Film über Kindesmissbrauch kommen in Spotlight überraschend wenig Kinder vor. Tom McCarthy verzichtet auf eine sensationslüsternde Inzenierung.

Betroffenheit durch Sachlichkeit

Im Gegenteil: Spotlight ist ein Film mit einer sehr nüchternen Erzählweise. Die Kamera stellt keine Verbrechen zur Schau, sie deutet nicht mal welche an. Keine Priester, die sich in eindeutiger Absicht Kindern nähern. Alles, was wir erfahren, erfahren wir aus den Schilderungen der Opfer. Auch hier geht Spotlight äußerst behutsam vor. Die Betroffenen sind zwar traumatisiert, gleichzeitig porträtiert sie der Film als gestandene Persönlichkeiten: Menschen, die all ihren Mut aufbringen, das Geschehene sachlich zu reflektieren und für Gerechtigkeit kämpfen. Ihre Aussagen sind schonungslos, aber niemals mitleidheischend oder gar voyeuristisch. Spotlight ist nicht die BILD.

Auch ohne sensationslüsterne Bilder wird klar: Was diesen Menschen angetan wurde, hätte jeden treffen können. Verstärkt wird dieses Gefühl der Ohnmacht durch die Tatsache, dass der systematische Missbrauch jahrelang von der Bostoner Stadtgesellschaft gedeckt wurde. In einer Szene suchen Walter Robinson und Sacha Pfeiffer Robinsons alte Schule auf: Offensichtlich war einer der verdächtigen Priester zu Robinsons Schulzeiten in der Lehranstalt beschäftigt. Als Robinson den Dekan mit den Recherchen konfrontiert, erhält er den „gut gemeinten“ Rat, die Angelegenheit ruhen zu lassen. Pfeiffer ist fassungslos: „Anscheinend weiß die gesamte Stadt Bescheid.“ „Und wir sitzen direkt gegenüber“, merkt Robinson konsterniert an. Die Kamera schwenkt auf die andere Straßenseite, wo der Prunkbau des Boston Globe thront. Es sind diese leisen Momente, die den Glauben an das Gute massiv erschüttern.

Robinson und Michael Rezendes (Mark Ruffalo). Wenn es drauf ankommt, ziehen aber beide an einem Strang.

Sind durchaus unterschiedlicher Auffassung: Walter Robinson und Michael Rezendes (Mark Ruffalo). Wenn es drauf ankommt, ziehen aber beide an einem Strang.

Publizistischen Versuchungen widerstehen

Die Punchline kommt ganz zum Schluss (aus Spoilergründen sind die folgenden Zeilen in weiß gehalten). Es folgt der Oskar Schindler-Moment in Spotlight: Es stellt sich heraus, dass die Zeitung bereits vor Jahren einen Tipp erhielt. Nur ging dieser Hinweis in der Umstrukturierung unter. Ressortleiter war der heutige Spotlight-Leiter Robinson. Er selbst hatte einen ersten Artikel über die Missbrauchsvorwürfe verfasst, das Thema aber nicht weiter verfolgt. „Ich hatte den Posten gerade erst übernommen“, erinnert sich Robinson, wohl wissend dass dies keine Entschuldigung sein kann. Wenig später fährt der Abspann ab. Ein halbes Dutzend eng beschriebener Texttafeln dokumentiert die Schauplätze weiterer Missbrauchsfälle. In den USA, weltweit. Der Zuschauer ist erschlagen. Mehr braucht es nicht, um ihm den Rest zu geben. Keine Bilder, keine Personen. Nur Ortsnamen auf schnöden Texttafeln.

Es ist erstaunlich, mit welchen reduzierten, nicht mal besonders raffinierten Stilmitteln Spotlight (An-)Spannung erzeugt. Spannung, die sich nicht aus der eigentlichen Geschichte, sondern aus dem Prozess der Recherche heraus aufstaut. Spotlight führt wunderbar vor Augen, dass es sich lohnt, der Versuchung eines publizistischen Schnellschusses zu widerstehen und stattdessen den journalistischen Langlauf zu wagen.

Volle Konzentration auf die Arbeit: Wadenbeißer Michael Rezendes stellt der Recherche alles unter - auch sein Privatleben.

Volle Konzentration auf die Arbeit: Wadenbeißer Michael Rezendes stellt der Recherche alles unter – auch sein Privatleben.

Journalismus im Dienste der Menschlichkeit

Im Fall des Boston Globe zahlte sich der Recherche-Marathon jedenfalls aus. Für die Reputation des Blattes sowieso – einmal ins Rollen gebracht, zog die Geschichte 600 Folgeartikel nach sich, die beteiligten Journalisten wurden mehrfach ausgezeichnet –, vor allem aber für diejenigen, denen die Berichterstattung geholfen hat. Den Opfern, die nun so etwas wie eine späte Genugtuung erfuhren. Den Betroffenen, denen der Mut fehlte, sich zu öffnen und nun die Gewissheit besitzen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind – Betroffene, die nun wissen, dass sie sich keine Vorwürfe machen müssen. Nicht selten geben sich Missbrauchsopfer selbst die Schuld für das, was ihnen andere angetan haben.

Spotlight zeigt Journalismus im Dienste der Menschlichkeit. Das macht diesen Film so wertvoll. Aus heutiger Sicht vielleicht sogar wertvoller als Die Unbestechlichen – ein Film, der die Chronologie eines inzwischen verblassten Politskandals erzählt. Womit ich die Affäre und deren Folgen nicht herunterspielen möchte: Man stelle sich vor, ein Präsident hebelt die Prinzipien der Demokratie aus, um seine politischen Gegner mundtot zu machen. Aber Watergate liegt weit zurück. Der Missbrauch von Kindern ist das greifbarere, emotionalere Thema.* Die Geschichte von Spotlight besitzt sozialen Impact. Das ist jeden Applaus wert. Vielleicht inspiriert der die aktuelle und künftige Journalistengeneration ja auch zur Nachahmung. Das wäre wirklich mal ein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen.

* Die unterstrichenen Zeilen sind nachträgliche Anmerkungen: Es geht mir nicht darum, Spotlight und Die Unbestechlichen moralisch gegeneinander aufzuwiegen. Es geht mir um die Perspektive des Zuschauers im Jahre 2016: Kindesmissbrauch ist das eindeutig aufwühlendere Thema.