Hunter S. Thompson ist eine Ikone. Weil er mit dem Gonzo-Journalismus einen neuen journalistischen Stil kultivierte. Aber auch, weil sein Werk durch Hollywood zusätzlichen Kultstatus erlangte. Allen voran durch Fear and Loathing in Las Vegas. In der aktuellen Folge von journalistenfilme.de – der Podcast heizen wir durch die bisherigen Hunter S. Thompson-Filme made in Hollywood. Gast ist Journalist und Radioautor Tom Noga.

Text & Moderation: Patrick Torma.

„Wir waren irgendwo in der Gegend von Barstow, am Rande der Wüste, als die Drogen zu wirken begannen …“, so beginnt einer einprägsamsten Filme der 90er-Jahre. An den Kinokassen grandios gefloppt, avancierte Terry Gilliams Fear and Loathing in Las Vegas auf DVD zum Kulthit. Fear and Loathing in Las Vegas war einer dieser Streifen, die in meinem Freundekreis wie ein Gral herumgereicht wurden. Jede Weitergabe begann mit einem Best-of: Mein Kollege spulte zu seinen Lieblingsszenen vor, um mir diesen wahnwitzigen Drogentrip schmackhaft zu machen. Ich sollte es genauso halten, als ich an der Reihe war. Raoul Duke (Johnny Depp) und sein Aaaaanwalt, Dr. Gonzo (Benicio del Toro), waren wichtige Wegbegleiter meiner Filmsozialisation.

Fear and Loathing in Las Vegas als jugendliches Erweckungserlebnis

Als Jugendlicher wusste ich nichts über den Ursprung des Films. Erst im Studium erfuhr ich durch einen älteren Komilitonen, dass es sich bei Fear and Loathing in Las Vegas um die Verfilmung eines Schlüsselwerkes eines stilbrechenden wie -prägenden Autors handelt: Hunter S. Thompson, Begründer des Gonzo-Journalismus. In dieser Form der Berichterstattung rückt der Beobachter in den Mittelpunkt, er treibt die Geschichte voran, lässt Erlebtes mit Fiktion verschwimmen. Thompsons Fear in Loathing in Las Vegas ist die Quintessenz von Gonzo – eine Mischung aus Tagebuch, Reportage und Roman. Wird man sich dieses Hintergrunds gewahr, wächst die Verfilmung. Dann ist Fear and Loathing in Las Vegas nicht bloß ein meisterhaft inszenierter Rausch, sondern eine beeindruckende Transferleistung. Gilliam ist es gelungen, sowohl Thompsons Schreibstill, die Formalia und Ideen des Gonzo-Journalismus als auch die Stimmungslage einer desillusionierten Generation auf Zelluloid zu bannen.

Hunter S. Thompson-Filme: Von Blast – Wo die Büffel röhren bis The Rum Diary

Thompson, wo ist mein Artikel? Blast-Chefredakteur Marty Lewis (Bruno Kriby) wird allmählich unruhig.
Thompson, wo ist mein Artikel? Blast-Chefredakteur Marty Lewis (Bruno Kriby) wird allmählich unruhig. Aus: Blast – Wo die Büffel röhren (1980). Bildmaterial: Universal.

Fear and Loathing in Las Vegas ist allerdings nicht der erste und der letzte Film, der auf den Ergüssen des Arnarcho-Literaten beruht. Bereits 1980 erschien mit Blast – Wo die Büffel röhren (OT: Where the Buffalo roam) eine lose Adaption von Thompsons Werken – mit Bill Murray in der Hauptrolle. 2011 kam The Rum Diary in die Kinos. Johnny Depp, seit den Dreharbeiten zu Fear and Loathing in Las Vegas in enger Freundschaft zu Thompson verbunden, hatte es sich in der Doppelrolle des Produzenten und Hauptdarstellers zur Aufgabe gemacht, den 2005 verstorbenen Autor mit einer Verfilmung seines Frühwerks zu ehren.

Diese drei Hunter S. Thompson-Filme bilden die Grundlage für die nunmehr 15. Episode von journalistenfilme.de – der Podcast. Ich freue mich, dass ich mich zu einem ausgewiesenen Kenner und Navigator ins Cabrio setzen durfte: Podgast Tom Noga ist Journalist und Radioautor, 2012 wurde er gemeinsam mit Monika Künzel für das äußerst hörenswerte Feature The Crazy never die – Die lange Nacht des Hunter S. Thompson mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet. Gemeinsam nehmen wir die drei Filme unter die Lupe: Was ist das Quellmaterial? Wie „gonzo“ sind die Filme? Und was hat Hunter S. Thompson zu den Verfilmungen gesagt? Springt als Anhalter dazu, begebt Euch gemeinsam mit uns auf diesen Trip. Aber lasst Euch gesagt sein: Wir passieren nicht nur Fledermausland.

Gast in dieser Episode: Tom Noga, Journalist und Autor der Langen Nacht des Hunter S. Thompson

Trio Infernale: Sala, Kemp und Moburg (Giovanni Ribisi, von rechts) wollen Puerto Rico vor der Ausbeutung durch US-amerikanische Investoren warnen.
Trio Infernale: Sala, Kemp und Moburg (Giovanni Ribisi, von rechts) wollen Puerto Rico vor der Ausbeutung durch US-amerikanische Investoren warnen. Aus: The Rum Diary (2011). Bildmaterial: Universum.

Weiterer Disclaimer: Diese Podcast-Folge ist Teil eines Specials. Wer mehr zur Entstehung zu den drei Hunter S. Thompson-Filmen erfahren möchte: In den kommenden Tagen erscheinen Begleittexte zu Blast – Wo die Büffel röhren und The Rum Diary. Fear and Loathing in Las Vegas habe ich bereits in den Anfangstagen dieses Blogs besprochen.

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Ich danke Dir, lieber Tom, für deine Mitwirkung an dieser Episode. Du hast diesen Podcast mit deinem Wissen, deinen Einsichten in Land und Leute und deinen Deutungsansätzen enorm bereichert. Wer sich für sein Feature The Crazy never die – Die lange Nacht des Hunter S. Thompson interessiert – auf der Seite des Deutschen Radiopreises ist es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nach wie vor abrufbar. Es lohnt sich!

Dank gilt natürlich auch Euch, liebe Hörerinnen und Hörer. Fürs Einschalten, fürs lobende und kritische Feedback, fürs Weitersagen. Wer neu und angefixt ist: Feinste Ware, pure Gespräche über Journalistenfilme, kurz: Nachschub, gibt es bei folgenden Podcast-Dealern. Lasst ein Abo da, um keine neue Folge zu verpassen. Bitte vergesst nicht, eine Bewertung zu hinterlassen, damit journalistenfilme.de – der Podcast noch sichtbarer wird – und weitere Hörerinnen und Hörer in den Genuss kommen.

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Alle Folgen des Haus- und Hof-Podcasts in der Übersicht
Journalistenfilme to go: Die Podcasts „der Anderen“ zum Thema


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