Dinosaurier gegen Blutsauger, Print gegen Online, alter gegen neuer Journalismus: Der Reporter-Krimi State of Play lässt mit Cal McAffrey (Russell Crowe) und Della Frye (Rachel McAdams) zwei journalistische Gegenentwürfe aufeinander los. Um ein ausgewachsenes Industriekomplott aufzulösen, müssen die beiden jedoch ihre Differenzen überbrücken. Thomas und Patrick üben sich als Mediatoren – in einer neuen Episode von journalistenfilme.de – der Podcast.

Text & Moderation: Patrick Torma. Bildmaterial: Universal Pictures.

Der Aggregatzustand der Nachrichten als Demarkationslinie. Es ist noch gar nicht solange her, da rümpften Heerscharen von Zeitungsredakteuren ihre Nasen über die „Spielwiese Internet“. Zu flüchtig, zu leichtgewichtig, zu „like-geil“, das waren die häufigsten Vorbehalte gegenüber Kolleginnen und Kollegen aus dem Online-Bereich, verbunden mit der insgeheimen Angst vor einer Wachablösung. Ohne allzu tief in den Schacht der Kausalitäten für die Krise der Printmedien hinabzusteigen: Die Befürchtungen waren nicht ganz unbegründet, das Internet hat den Bedeutungsverlust der Zeitung zweifelsohne beschleunigt.

Dass der sinkende Kurs des gedruckten Papier aber auch auf fehlende Argumente pro Zeitung zurückzuführen ist, wollten etliche Verlage und Redaktionen lange nicht wahrhaben. Inzwischen ist die Branche dabei, den Journalismus als Ganzes, gattungsübergreifend, zu überdenken. Interne Grabenkämpfe um Budgets und Anerkennung werden wohl nie der Vergangenheit angehören. Aber die ganz große mediale Kluft in den Köpfen ist überwunden: Dass das Online-Feature automatisch minderwertiger als der gedruckte Leitartikel, dieser Schluss gilt nicht mehr.

Es ist Rufmord? Cal McAffrey (Russell Crowe, rechts) will dem Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck) und dessen Frau Anne (Robin Wright) unter die Arme greifen. Die drei verbindet eine Studienfreundschaft.

State of Play ergreift Partie für den Zeitungsjournalismus…

Kevin MacDonald (Der letzte König von Schottland) schlug mit State of Play eine erste filmische Brücke zwischen Print- und Online-Journalismus. Zwar sind die Sympathien eindeutig verteilt: Es ist der altgediente Edelschreiber Cal McAffrey, der die unerfahrene Bloggerin Della Frye anlernt, ihr die journalistischen Basics beibringt. Am Ende erscheint der Scoop in der Printauflage. Diese Story, so will es das Narrativ, ist es wert, dass die Menschen Druckerschwärze an ihren Fingern haben, wenn sie den Artikel lesen. Der Abspann zelebriert schließlich die Zeitungsproduktion, auf eine nostalgische Art und Weise, wie wir sie zuletzt etwa in Steven Spielbergs Die Verlegerin bestaunen durften.

Doch letzten Endes überwindet State of Play die journalistischen Standesgrenzen, der Journalistenthriller nimmt, wie Thomas Laufersweiler, mein Gast in dieser Folge so schön sagt, Züge eines Buddy Movies an. Sowohl Cal McAffrey als auch Della Frye haben ihre journalistischen Stärken und Schwächen, diese Verschwörung können sie nur im Tandem lüften. Erwähnenswert, dass State of Play – der auf der gleichnamigen, britischen BBC-Serie (im Deutschen auch als Mord auf Seite 1 bekannt) basiert – auf eine romantische Verbindung zwischen den beiden verzichtet.

Treffen im nächtlichen Washington: State of Play schmiegt sich an die großen Journalistenfilm-Klassikler an, legt aber den Schwerpunkt aufs Spannungskino.

…schlägt aber auch eine Brücke zwischen Print und Online.

Abgesehen von der plump wie tendenziös konstruierten Konfliktlinie zwischen Print und Online ist State of Play ein äußerst stimmiger und atmosphärisch dichter Film, der ein auf dem Papier sehr trockenes Sujet ohne Spannungsverluste vorträgt. Ein Fazit, das reifen musste: Thomas, vom sehr geschätzten Blog- und Podcaster-Ensemble schönerNERDenken, zum Zeitpunkt des Kinostarts so etwas wie ein Online-Pionier, hat von seinem Groll, den er damals verspürte, Abstand genommen. Und Patrick scheint die Erstsichtung komplett verschlafen zu haben, viel war jedenfalls nicht hängengeblieben. Heute, im Jahre 2020, sind die beiden voll des Lobes.

Was sie im Detail begeistert, warum die ursprüngliche Besetzung keine Alternative ist, welche Erfolgsserie State of Play offensichtlich kreativ geküsst hat und wie realitätsnah die im Film dargestellte journalistische Arbeit wirkt – das alles und noch mehr erfahrt ihr in einer neuen Folge von journalistenfilme.de – der Podcast. Viel Vergnügen!

Unser Podcast zu State of Play – mit Thomas von schöNERDenken

Danke an dieser Stelle nochmal an Thomas von schöNERDenken, der schon unseren Cast zu Futureworld – die reporterlastige Fortsetzung zum Sci-Fi-Klassiker Westworld – mit seinen Einsichten und Beobachtungen enorm bereichert hat. Wer schöNERDenken bislang verpasst hat: Unbedingt reinschauen bzw. reinhören. Was die Kolleginnen und Kollegen über Jahre aufgebaut haben, ist nicht weniger als eine der langlebigsten, gehaltvollsten und sozialsten Säulen in der Filmblogosphäre.

Weiterer Dank gebührt natürlich Euch, liebe Hörerinnen und Hörer, fürs Einschalten, Abonnieren, Teilen und Bewerten auf den gängigen Plattformen. Wie? Ihr habt es glatt verschwitzt, die frohe Kunde von dieser neuen Episode weiterzuverbreiten oder ein 5-Sterne-Loblied zu singen? Kein Problem, ihr findet journalistenfilme.de – der Podcast auf folgenden Kanälen:

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