Operation Comeback John Everingham Laos

Beruhend auf einer wahren Geschichte: Nach Jahren des Bürgerkrieges und der Destabilisierung durch US-amerikanische Bombardements haben kommunistische Kräfte Laos übernommen. Die Pathet-Lao schotten die junge Volksrepublik von der restlichen Welt ab. 1978 weisen die neuen Machthaber den australischen Journalisten John Everingham aus, der seine Geliebte Keo zurücklassen muss. Weil keine Hoffnung auf Ausreisefreiheit besteht, entschließt sich Everingham dazu, sie in einer wagemutigen Tauch- und Nebelaktion außer Landes zu schmuggeln. Seine sehr persönliche Rettungsmission ist der Aufhänger für Hall Bartletts (Die Möwe Jonathan) letzte Regiearbeit Operation Comeback.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: 20th Century Fox.

Der Film beginnt mit einem Kopfsprung ins gelbbraune Nass: Der mächtige Mekong ist die Lebensader Südostasiens. Gleichzeitig markiert er die natürliche Grenze zwischen zwei Weltanschauungen, die um die Vormachtstellung in der Region ringen. Hier das westlich orientierte Thailand, dort das kommunistisch regierte Laos. Jedes Land ein Stein im Dominospiel der Supermächte USA und Sowjetunion. John Everingham hat seine Frau Keo Sirisomphone in Laos zurücklassen müssen – die neue Führung ist nicht dafür bekannt, dass sie ihre Landsleute freiwillig ziehen lässt. Daher taucht der Journalist auf thailändischer Seite in die Fluten des Mekongs hinab, um seine Frau am laotischen Ufer einzusammeln und mit ihr gen Freiheit zu schwimmen. Ein riskantes Unterfangen: Wachposten an Land und Militärpatrouillen auf dem Fluss haben die Wasseroberfläche im Blick, darunter ist die Sichtweite so gering, dass man nicht mal die eigene Hand vor Augen sieht. „Verdammter Bursche“, raunt Tauchlehrer Derek McBracken, bevor sein Schüler ein letztes Mal tief Luft holt.

Es folgt das Markenzeichen von Operation Comeback: Eine ausgedehnte, fast zehn-minütige Tauchsequenz zum Auftakt. Offensichtlich haben die Macher keine Kosten und Mühen gescheut, um uns diese Bilder zu kredenzen. Der Mekong schwappt vor Stolz fast über, der Film trägt seine Unterwasseraufnahmen zur Schau wie der Paradiesvogel in der Paarungszeit sein Gefieder. Es sei ihm gestattet. Zumindest ein Stück weit. Die einzelnen Shots im aufgewühlten Wasser können sich durchaus sehen lassen. Die Sequenz in ihrer „vollen Pracht“ jedoch erinnert an die häufige Unart moderner Actionfilme, choreographische Mängel mithilfe vieler verschiedener Kameraeinstellungen und scheller Schnitte zu verschleiern. Was im Einzelnen passiert, ist nicht immer ganz ersichtlich. Hauptsache, es zischt und pufft. Schüsse peitschen durchs Wasser, am Grund detonieren Wasserbomben. Zwischendurch trudelt ein Pferdekadaver in die Latüchte. Schließlich sinkt John Everingham getroffen zu Boden. Aus dem Off erklingen die Worte seiner Liebschaft Keo, die ihr gemeinsames Wiedersehen ins Jenseits vertröstet.

John Everingham (Michael Landon) auf Tuchfühlung mit den indigenen Hmong. Nach drei in Laos gibt sich der Frauenschwarm laotischer als jeder Laote.
John Everingham (Michael Landon) auf Tuchfühlung mit den indigenen Hmong. Nach drei Jahren in Laos gibt sich der Frauenschwarm laotischer als jeder Laote.

(K)ein Playboy-Reporter

Schnitt, Rückblende: John Everingham lebt als letzter ausländischer Journalist in Laos. Der kommunistische Geheimdienst beobachtet seine Aktivitäten argwöhnisch, denn Everingham steht im Verdacht, für die zuletzt wenig schmeichelhafte Presse in Übersee verantwortlich zu sein. Was aufgrund seiner Profession ja irgendwie nahe liegt. Doch noch liegen keine handfesten Beweise gegen ihn vor. Nach außen hin verdingt sich Everingham als Kulturberichterstatter, der die örtliche Touristikbranche mit Texten und Bildern für Broschüren versorgt. General Siegfried Kaplan, der russische Geheimdienstchef deutscher Abstammung, holt das Spionage-Lehrbuch hervor und setzt die modelnde Medizinstudentin Keo Sirisomphone auf John Everingham an. Während eines Shootings kommen sich die schöne Laotin und der furchtlose Journalist näher – der Beginn einer Dreiecksgeschichte.

Cowboy Michael Landon (Bonanza, Unsere kleine Farm) porträtiert John Everingham archetypisch: als den verwegenen, unerschütterlichen, unnahbaren, ja eigentlich schon überheblichen Reporter. Nach mehreren Jahren in Laos ist Everingham beinahe laotischer als jeder Laote. Ein Exoten-Versteher mit einer latenten kolonialistisch-generösen Ader, der seine einheimische (!) Freundin an die Hand nimmt, um sie in Land und Leute einzuführen. So besucht er mit ihr ein Dorf der indigenen Hmong, wo er von fröhlichen Kindern zum Volkstanz aufgefordert wird. Beruflich hingegen ist er weniger an Folklore interessiert. Everingham sieht sich nicht als „Playboy-Reporter“, der Tempel fotografiert, sondern als jemand, der „Tatsachen aufschreibt“. Als „letzter westlicher Journalist im Land“ sei es seine Pflicht, auf die Missstände in Laos hinzuweisen.

Na, wenn das nicht die Black Emmanuelle ist. Laura Gemser spielt Everinghams Freundin Keo Sirisomphone. Weil die Produzenten ihren Ruf als Softporno-Ikone, muss sie unter einem Pseudonym auftreten.
Na, wenn das nicht die Black Emmanuelle ist. Laura Gemser spielt Everinghams Freundin Keo Sirisomphone. Weil die Produzenten ihren Ruf als Softporno-Ikone fürchten, muss sie unter einem Pseudonym auftreten.

Laura Gemser als Keo Sirisomphone

„Wenn ich es nicht schreibe, macht es keiner“, verrät Everingham seiner Keo mit Blick auf die Internierung von unliebsamen Regimekritikern in Konzentrationslagern. Sirisomphone will zunächst nicht wahrhaben, dass derartige Methoden in ihrer Heimat zur Tagesordnung gehören. Doch sie braucht nicht lange, um ihren verbliebenen Rest Linientreue über Bord zu werfen.

Gespielt wird Keo Sirisomphone von Laura Gemser. Die Schauspielerin indonesisch-niederländischer Herkunft ist bekannt für ihre Rolle in den Sexploitation-Streifen der Black Emanuelle-Reihe, die mit schlüpfrig-reißerischen Filmtiteln (Nackt unter Kannibalen, Sklavenmarkt der weißen Mädchen) von den neuen freizügigen Abenteuern der namensgebenden Fotoreporterin kündete. Weil sowohl Bartlett als auch Landon fürchteten, der Ruf Gemsers als Softporno-Ikone könne dem Erfolg des Films abträglich sein, drängten sie die Schauspielerin dazu, einen falschen Namen anzunehmen: Moira Chen. Das Trio infernale komplettierte Jürgen Prochnow, der nach seinem Durchbruch als alternder U-Boot-Kommandant in Das Boot seinen ersten Auftritt in einem US-Film feierte.

Guck mal, wer da taucht: John Everingham nimmt das laotische Ufer ins Scuba-Visier. Dort wartet seine Geliebte auf Abholung.
Guck mal, wer da taucht: John Everingham nimmt das laotische Ufer ins Scuba-Visier. Dort wartet seine Geliebte auf Abholung.

Operation Comeback: Ein Film, viele Titel

Prochnow und seinen Kollegen war kein internationaler Kino-Release beschieden. Streitigkeiten prägten die hakeligen Dreharbeiten in Thailand und vor Florida. Bartlett und Landon, beide auch als Produzenten an Bord, gerieten in ihren unterschiedlichen Vorstellungen über die inhaltliche Ausrichtung des Films immer wieder aneinander. Die Probleme am Set spiegeln sich in der zerfaserten Veröffentlichungshistorie wider. Eine 150-minütige, von Bartlett autorisierte Fassung unter dem Titel Comeback lief lediglich in Kanada an, wo der Film magere 1 Million US-Dollar einspielte. Für die Ausstrahlung im TV – NBC hatte sich mit einem Investment von 5 Millionen Dollar eingekauft – wurde der Kino-Cut in einem Kompromiss zwischen Bartlett und dem Sender um 13 Minuten gekürzt und für die weitere Verwertung auf 100 Minuten zusammengedampft. Die TV-Premiere erfolgte im April 1983, nun mehr unter dem rührseligen Titel Love is Forever. In Deutschland erschien der Film 1989 als Operation Comeback auf Video, für den DVD-Release 2010 deutschte der Rechteinhaber den US-Titel ein: Liebe ist unendlich. Um die Verwirrung perfekt zu machen, lief der Film zwischendurch noch als In den dunklen Fluten des Mekong im deutschen Fernsehen. Immerhin: Im Streaming-Angebot von Amazon* ist der Film als Operation Comeback gelistet.

Angesichts dieser Vorgeschichte verwundert es nicht, dass die Reaktionen auf den Film wenig enthusiastisch ausfielen. Ein erster Clip für die NBC-Werbetrommel lenkte den Fokus auf den politischen Hintergrund von Operation Comeback (a.ka. Love is Forever, wir bleiben – der Kontinuität wegen – beim deutschen Titel), darin waren Szenen von eingesperrten und versehrten Laoten zu sehen. Michael Landon sagte einen Auftritt in der NBC Tonight Show ab, weil er einen solchen Trailer als zu deprimierend für eine Promotion empfand. Ein Eindruck, den der fertige Film nicht mehr vermittelte: Operation Comeback ist mehr Liebesschnulze und Abenteuerflick, weniger Reporterfilm, der zu Beginn der 1980er-Jahre einen Aufschwung erfuhr.

In der roten Ecke: Jürgen Prochnow alias General Siegfried Kaplan. Ein Russe deutscher Abstammung.
In der roten Ecke: Jürgen Prochnow alias General Siegfried Kaplan. Ein Russe deutscher Abstammung. Mehr böse geht nicht.

Mehr Rocky und Jaws als The Killing Fields

Gerade der Vergleich mit zwei sehr ähnlich gelagerten Filmen, die Operation Comeback zeitlich einrahmen, drängt sich auf: nämlich Ein Jahr in der Hölle (1982) und The Killing Fields (1984). Sie erzählen ebenfalls von Journalisten, deren persönliche Bindungen durch die politischen Zustände in Indonesien bzw. Kambodscha auf die Probe gestellt werden. Doch während es beide Filme verstehen, die Dramaturgie ihrer Beziehungskisten mit dem politischen Setting sowie dem aufklärerischen Anspruch zu verweben, ist Operation Comeback auf Kitsch aus.

Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete Bartletts Abschiedsvorstellung deshalb als „Reißer, der sich vergeblich um einen authentischen Anstrich bemüht und Zeitgeschichte nur für seine Zwecke“ ausbeute. Und mehr noch: „Das politische Elend Indochinas ist lediglich Staffage für das Duell der beiden Männer.“ Tatsächlich dienen die Verhältnisse im Land primär der Einteilung in Gut und Böse. Einmal etabliert, kommen sie nur noch am Rande zur Sprache. Stattdessen hechelt Bartlett den großen Blockbustern seiner Zeit hinterher. Beispielsweise lässt er seine Hauptdarsteller in einem müden Kickbox-Fight aufeinander los (Rocky), in einer Tauchtrainings-Montage huscht ein gelangweilter Hai durchs Bild (Jaws).

1977 n. Chr.: Ganz Südostasien ist von den Kommunisten besetzt. Ganz Südostasien? Nein, ein von unbeugsamen Amerikanern unterstütztes Land...Sie wissen schon...
1977 n. Chr.: Ganz Südostasien ist von den Kommunisten besetzt. Ganz Südostasien? Nein, ein von unbeugsamen Amerikanern unterstütztes Land…Sie wissen schon…

Der Geist der Reagan-Ära

Auch vom ideologischen Standpunkt aus gesehen unterscheidet sich der Film deutlich von den großen Reporterstreifen der 1980er-Jahre: Während diese meist liberale bis linke, mindestens aber Amerika-kritische Positionen einnahmen, atmet Operation Comeback den Geist der Reagan-Ära. Mit Ronald Reagan zog 1981 ein Präsident ins Weiße Haus, der die US-Außenpolitik wieder als eine Politik der Stärke verstanden wissen wollte und so nochmal den Kalten Krieg aufwärmte. Die Wortwahl des Films ist verdächtig einseitig: In der Einführung ist „von russischen Experten ausgebildeten Truppen“ die Rede, die 1977 „weite Teile Indochinas dominieren“. Thailand hingegen wird als gallisches Dorf inmitten kommunistischer Bastionen dargestellt. Dass die Völker Südostasiens jahrzehntelang unter kolonialer Herrschaft litten, die USA über 20 Jahre hinweg die Lage in Laos destabilisierten – erst im Geheimen, später dann, am Rande des Vietnamkrieges, mit massiven Bombenabwürfen -, diese Vorgeschichten spart Operation Comeback aus.

Schlimmer als diese Auslassungen – als Kind seiner Zeit unterstellen wir dem Film mal, dass er schlichtweg mit dem Status Quo beginnen möchte, zudem ziemt sich Whataboutism nicht – wirkt jedoch die sorglose Kolportage antisowjetischer Propaganda. In jener zentralen Szene, in der John Everingham seine wahre Profession eröffnet, präsentiert er seiner Geliebten drastische Bilder von Verbrennungsopfern. Der Journalist macht den so genannten Gelben Regen hierfür verantwortlich, eine vermeintlich auf Schimmelpilzgiften (Mykotoxine) basierende Bio-Waffe, die die Russen sowohl in Vietnam als auch in Laos eingesetzt haben sollen.

Propaganda für die US-Regierung: Operation Comeback unterstellt den Bio-Waffen-Einsatz durch die Sowjetunion. Stand der Forschung heute: Dem Gelben Regen liegt kein biologischer Angriff zugrunde.
Propaganda für die US-Regierung: Operation Comeback unterstellt den Bio-Waffen-Einsatz durch die Sowjetunion. Stand der Forschung heute: Dem Gelben Regen liegt kein biologischer Angriff zugrunde.

Kolportage von US-Propaganda

In Zeugenberichten ist die Rede von Flugzeugen, die unter sowjetischer Flagge gelbliche Substanzen versprühten, und von Menschen, die nach dem Kontakt mit diesem Gift verstarben. Mediziner im Auftrag der CIA reisten 1981 nach Südostasien, um Opfer des Gelben Regens pathologisch zu untersuchen, sie fanden Hinweise auf seine Vergiftung durch Mykotoxine. Unabhängige Untersuchungen hingegen kamen, anhand von Spuren natürlicher Pilzgifte und gelber Pollen, die vor Ort entdeckt wurden, zu dem Schluss, dass es sich bei dem Phänomen des Gelben Regens um einen enormen Befall von Bienenkot gehandelt haben könnte.

Die gängige Meinung wischt die These von einem sowjetischen Bio-Waffen-Einsatz inzwischen beiseite, auch wenn die US-Regierung ihre Vorwürfe von damals noch immer nicht zurückgezogen hat. Aus ihrer Sicht bleibt der Fall ungelöst. Zur Ehrenrettung des Films sei gesagt: Zum Zeitpunkt seiner Entstehung standen sich die Aussagen der US- und Sowiet-Offiziellen weitgehend allein gegenüber. Die Kolportage in Operation Comeback ist demnach nicht so infam wie die in Live from Bagdad – jener Film, der anno 2002 die längst als PR-Kampagne enttarnte Brutkastenlüge weiterverbreitete. Was man Operation Comeback allerdings vorhalten kann, ist, dass er zeitgenössische Regierungspositionen unkritisch nachbrabbelt.

Deep Yellow River: Im Mekong sieht dich keiner Tauchen. Zumindest punkten die Tauchsequenzen im Film nicht mit Übersichtlichkeit.
Deep Yellow River: Im Mekong sieht dich keiner Tauchen. Zumindest punkten die Tauchsequenzen im Film nicht mit Übersichtlichkeit. Der echte Everdings brauchte übigens vier Anläufe, bevor er seine Keo in die Arme schließen durfte.

Der echte John Everingham

Das sieht auch der echte John Everingham so. Als Inspiration hatte er gehofft, Regisseur Bartlett würde dem Kinopublikum erklären, weshalb und unter welchen Bedingungen der Kommunismus in Südostasien so erfolgreich sein konnte. Doch das Drehbuch habe ihm wenig Hoffnung bereitet, wie er im Dezember 2018 in einem Interview verriet: „It was full of tired old clichés about the bad Commies, and the good guys fighting their evil.“ Zwar durfte der Journalist als Berater die Dreharbeiten begleiten. Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass ihm dies vornehmlich aus Marketinggründen gestattet war. Die Stimmung zwischen ihm und Bartlett sei jedenfalls sehr frostig gewesen, erinnert er sich.

Allen Ungenauigkeiten und Enttäuschungen zum Trotz – seinen Frieden mit dem Film hat Everingham mittlerweile gemacht: „Even if it was not a good movie, it was fun for lots of people. Me too.“ Für die Laoten hingegen ist das Kapitel längst nicht abgeschlossen. Das Land ist noch immer ein Einparteienstaat, in dem bis heute Menschenrechte missachtet werden. Wenn es das Vermächtnis von Operation Comeback ist, auf dieses Unrecht hinzuweisen, dann hat er zumindest ein bisschen was Gutes.


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