Journalistinnen und Journalisten in Filmen, schön und gut. Aber was ist mit der berichtenden Zunft in Videospielen? Wer sich diese Frage schon immer gestellt hat – in der Serie Pixel-Journalisten werfen wir das Schlaglicht auf Spielfiguren und NPCs mit Presseausweis sowie Titel, die einen Einblick in journalistische Arbeit vermitteln. Den Anfang macht Maggie Robbins aus dem LucasArts-Klassiker The Dig.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: LucasArts

Das Spiel

Bis heute lässt der Name LucasArts die Herzen von Adventure-Fans höherschlagen. Die Spieleschmiede aus dem Imperium des Star Wars-Schöpfers George Lucas schuf in ihrer produktiven wie kreativen Hochphase Knobel-Klassiker wie The Secret of Monkey Island, The Day of the Tentacle oder Sam & Max. Liebenswürdige Figuren, vorwitzige Dialoge und abgedrehte Rätsel waren die Markenzeichen des Studios. Mit The Dig wagte LucasArts 1995 einen Ausbruch aus dieser Formel. Das Sci-Fi-Abenteuer schlug ungewohnt ernsthafte Töne an und setzte auf eine hollywoodreife Präsentation statt auf comic-artige Zeichnungen. Tatsächlich basiert die Geschichte auf einem Story-Gerüst eines guten Kumpanen von George Lucas: Die Rede ist von Steven Spielberg (E.T., Jurassic Park).

Das Sci-Fi-Abenteuer The Dig basiert auf Ideen von Hollywood-Mastermind Steven Spielberg.
Das Sci-Fi-Abenteuer The Dig basiert auf Ideen von Hollywood-Mastermind Steven Spielberg.

Die Handlung

Ist schnell erzählt. Ein Asteroid rast auf die Erde zu, die Staatengemeinschaft entsendet einen Spezialtrupp auf eine Rettungsmission. Der Gesteinsbrocken aus dem All soll mithilfe von Sprengkörpern vom Kollisionskurs abgebracht werden. Bei den vorbereitenden Bohrungen stoßen Commander Boston Low, Dr. Ludger Brink und die Journalistin Maggie Robbins im Inneren des Asteroiden auf ein Portal, durch das sie in eine andere Welt teleportiert werden. Dort entdecken die drei unfreiwilligen Raumfahrer Reste einer fremdartigen Zivilisation.

Auf der Suche nach des Rätsels Lösung. Maggie Robbins untersucht außerirdische Strukturen und Gerätschaften.
Auf der Suche nach des Rätsels Lösung: Maggie Robbins inspiziert außerirdische Strukturen und Gerätschaften.

Die Figur

Neben einem Kommandanten, einem Archäologen, einer Landungsspezialistin und Senatorin sowie einem Shuttle-Piloten schickt die Welt eine Journalistin ins All: Maggie Robbins nimmt an dieser Reise teil, um der Nachwelt von der Rettung der Erde zu berichten. An gesundem Optimismus mangelt es dieser Mission jedenfalls nicht. Die Menschheit steht am Abgrund und sorgt sich ums eigene Heldenepos.

Tatsächlich scheint Maggie Robbins zunächst mehr am eigenen Ruhm als an den eigentlichen Abläufen der Rettung interessiert. Motivatorisch erinnert ihr Aufbruch ein wenig an den der Journalistin Aurora (gespielt von Jennifer Lawrence) aus der unsäglichen Sci-Fi-Zwangsverkuppelung Passengers. In diesem Film lässt sich die weibliche Hauptfigur in einen knapp hundertjährigen Kyro-Schönheitsschlaf versetzen, fest gewillt, nach ihrem Aufwachen einen Bestseller zu schreiben. Wer den lesen soll, ist schleierhaft: Zuhause sind alle tot und in der neuen Welt feilen die Siedler an ihrer eigenen Geschichte. Aber wir schweifen ab. Maggie Robbins darf man zugute halten, dass sie die meiste Zeit über beschäftigt ist, sich der verbalen Übergriffe ihres Commanders zu erwehren. Boston Low lässt kaum eine Gelegenheit aus, Robbins Profession herabzuwürdigen. Alle auf der Mission haben etwas Anständiges gelernt. Nur Robbins nicht.

Dass sie mehr als nur gut fabulieren kann, stellt Maggie Robbins freilich noch unter Beweis. Nicht zuletzt dank der süffisanten Vertonung (durch die leider erst kürzlich und viel zu früh verstorbene Franziska Pigulla, Synchronstimme von Dana Scully in Akte X) ist die Journalistin die Sympathieträgerin in einem nicht ganz so herzlichen, ja fast schon septischen Spiel.

Warum heute noch spielen?

Ja, muss man das überhaupt noch? Für Adventure-Suchtis und LucasArts-Komplettisten ist The Dig sicher Pflichtprogramm. Audiovisuell war das Weltraumabenteuer seiner Zeit voraus, auch nach fast 25 Jahren schimmert das Budget durch, das in diesem Titel steckt. Wer nur alle Jubeljahre ein Point & Click einwirft, findet allerdings genügend andere Adventures, die sich für eine Nachholaktion anbieten. Auf der spielerische Ebene lässt The Dig Hilfe- und Komfortfunktionen vermissen, die schon lange Standard sind und die Rätsel sind Myst-ähnlich angelegt: Die vertrackten außerirdischen Mechanismen zu knacken, verlangt die eine oder andere Hirnverrenkung. So ist The Dig mehr Arbeit als Genuss: Die profane Story rechtfertigt den Schwierigkeitsgrad nicht.


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