In Daily Chthonicle spielt Ihr eine Recherche-Unit der besonderen Art: Als Chefredakteur setzt Ihr Eure Reporter auf Gespenster, Vampire und andere paranormale Wesen an – und stellt mit Euren Entscheidungen (hoffentlich) sicher, dass die nächste Redaktionskonferenz nicht zum Totentanz gerät.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: Steam.

Kleine, interessante Indie-Erfahrung zum schmalen Preis: Daily Chthonicle ist für wenige Euro auf der Games-Plattform Steam erhältlich. Ein fairer Kurs. Die atmosphärische wie ungewöhnliche Melange, die der Titel bietet, ist das Anspielen durchaus wert. Man stelle sich Mad News als Brettspiel vor, mit Lovecraft’schem Einschlag und Rollenspielelementen. Tatsächlich erinnert das Spielprinzip an das Brettspiel Arkham Horror*, in dem ihr an verschiedene Orte reist, um nach Toren zur Anderen Welten zu suchen. In Daily Chthonicle koordinieren wir als Chefredakteur unsere journalistischen Geisterjäger, die wir in die entlegensten Ecken der Stadt schicken, mit dem Ziel, seltsame Vermisstenfälle prominent aufzudecken.

Einmal entsendet, entscheiden wir, wie weit unsere Reporter gehen sollen. Auf dem Friedhof beispielsweise scheint die erste Spur erkaltet – wir können den Schauplatz wechseln oder aber beharrlich bleiben und uns weiter umsehen. Das Spiel gibt uns stets zwei, drei Optionen an die Hand, aus denen wir auswählen dürfen. Über kurz oder lang laufen diese Entscheidungen auf Begegnungen der unheimlichen Art hinaus. Dann haben wir unsere Journalisten hoffentlich mit Waffen, Zaubertränken und christlichen Devotionalien ausgestattet. Wer knausert, wird seine Belegschaft schneller auf der Krankenstation oder in der Leichenhalle besuchen als ihm lieb ist.

Investigative Recherche mal anders: Geister und Vampire auf Seite 1

Reporterin Dolores hat sich das infizierte Wohnhaus näher angesehen. Die Intensivrecherche führt sie ins Krankenhaus - wo sie ihre Verletzungen kuriert.
Reporterin Dolores hat sich das infizierte Wohnhaus näher angesehen. Die Intensivrecherche führt sie ins Krankenhaus – wo sie ihre Verletzungen kuriert.

Daily Chthonicle spielt sich gemächlich (anders als der wahnsinnige Hausbesuch in Outlast). Stoisch klicken wir uns durch eine Handvoll statische Menüs, um unsere investigativen Ermittler auf die richtige Fährte zu schicken. Durch die zufallsgenerierten Fälle ist ein gewisser Wiederspielwert gegeben – allerdings erscheinen mir die Konsequenzen meiner Entscheidungen ebenfalls ziemlich ausgewürfelt. Mir erschließt sich nicht, warum eine heimliche Foto-Observation mal den Durchbruch bringt, mal eine todbringende Konfrontation triggert. Erfolgreich abgeschlossene Schauplätze lassen sich gewinnbringend ausschlachten und spülen Geld in die Kasse, welches wir vorausschauend in neues Equipment investieren.

Die wiederkehrenden Abläufe geraten schnell zu Routine, Daily Chthonicle ist kein Spiel, das dauerhaft fordert, sondern eher die Neugier anspricht. Welche weiteren unheimlichen Wesen lauern im Untergrund? Welche Wendungen halten die Recherchen noch für uns bereit? Vom eigenen Entdeckungsdrang hängt ab, wie viele Fälle man bereit ist, zu untersuchen. Daily Chthonicle ist keine Gameplay-Offenbarung, aber ein Journalistenspiel mit einer speziellen Aura. Perfekt für einen dunklen Herbstabend.

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