Die Nazi-Zombies sind los – ein Szenario, wie geschaffen für die Enthüllung durch eine journalistische Hauptfigur. In Outpost – Black Sun jagt die Journalistin Lena einem Kriegsverbrecher mit Frankenstein-Syndrom hinterher. Das Problem – zumindest aus Sicht dieses Blogs: Es bestehen erhebliche Zweifel an der Profession der Protagonistin. Wir schauen trotzdem hin.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: Splendid Film.

Die Handlung: Die Journalistin/Nazijägerin Lena (Catherine Steadman) will das Werk ihrer Eltern vollenden und den berüchtigten Kriegsverbrecher Klausener zur Strecke bringen. Die Spur führt in eine osteuropäische Einöde, wo sich NATO-Truppen – unbemerkt vom Rest der Welt – blutige Scharmützel mit untoten Nazis liefern. Wie sich herausstellt, hat Klausener in seinem Bunker einen Weg gefunden, wie die nationalsozialistische Idee mit Verspätung doch noch den Endsieg feiern kann. Mithilfe ihres Begleiters Wallace (Richard Coyle) und einer Sondereinheit rückt Lena dem drohenden Vierten Reich auf die Pelle.

Der Film: Outpost (2008) war nicht der erste Film, der die Nazi-Zombies entfesselte. Schock Waves – Die aus der Tiefe kamen erweckte 1977 die SS-Todesbrigade zum Leben, schon in der Horrorkomödie Der Herr der Zombies von 1941 sind die Experimente mit Widergängern nationalsozialistisch motiviert. Outpost löste jedoch eine regelrechte Invasion aus. Horrorflicks wie Dead Snow über Frankenstein’s Army bis hin zum von J.J. Abrahams produzierten Operation: Overload sind die prominentesten Vertreter der Nachhut. Outpost war ein kleiner Genre-Hit, der gerade im Heimkino seine Fans fand. Ihnen zu Ehren wurden zwei Fortsetzungen produziert. Outpost – Black Sun wurde 2012 veröffentlicht, mit Outpost: Rise of the Spetsnaz erschien nur ein Jahr später der dritte und bisher letzte Teil der Reihe.

Lena in Outpost - Black Sun:  Journalistin, Nazijägerin - oder doch beides?
Lena (Catherine Steadman) in Outpost – Black Sun: Journalistin, Nazijägerin – oder doch beides?

Nazis jagen oder Journalismus – wovon kann man besser leben?

Die Journalistin: Ist sie eine – oder ist sie keine? Das ist die Gretchenfrage in Outpost – Black Sun. Die Synopsis im Katalog eines großen Streaminganbieters weist Lena als Journalistin aus, womöglich inspiriert von ähnlich lautenden Zusammenfassungen im deutschsprachigen Netz. Im englischsprachigen Reviews hingegen wird Lena entweder unmittelbar als nazi hunter oder aber – interpretationsoffen – als investigator vorgestellt. Lena selbst verneint gleich in der zweiten Szene, unmittelbar nach ihrer Ankunft auf dem Kontinent, dass sie eine Reporterin sei. „Nein. Ich bin lediglich auf der Suche nach diesem Mann“, hält sie dem fragenden Barkeeper in der Ostblock-Spelunke ein Foto von Klausener unter die Nase. Später wiederum gibt sie sich als Journalistin aus, als sie von einem Trupp Soldaten aufgegabelt wird. Der Anführer bleibt jedoch skeptisch: „Kein Presseausweis und keine Kamera“.

Es ist aber auch ein Eisernes Kreuz mit den Berufsbezeichnungen. Sowohl Journalist*in als auch Nazijäger*in sind keine geschützten Berufe. Letzterer ist hierzulande auch eher unüblich, abgesehen von Fritz Bauer, fehlt es an prominenten Vorbildern aus diesem Berufszweig. Die deutsche Wikipedia führt nicht mal einen Artikel unter dem Begriff Nazijäger. Kann man von der Jagd nach Altnazis überhaupt leben? Vielleicht ist ja der deutsche Mangel an Vorstellungskraft der Grund für die schiefe Übersetzung von Lenas Jobbeschreibung. Andererseits: Um lange verschollene Kriegsverbrecher aufzuspüren, benötigt man ein ausgeprägte Recherchefähigkeiten. Hat man schließlich einen Nazi dingfest gemacht, hat man eine gute, vermarktbare Geschichte zu erzählen. Mit Ian Sayer und Yaron Svoray (dessen Rechercheerlebnisse in dem reißerischen TV-Film The Infiltrator verarbeitet wurden) gibt es berühmte Beispiele für Nazijäger, die ursprünglich aus dem Journalismus kommen.

Kein Presseausweis, keine Kamera – Lena und ihr Begleiter Wallace (Richard Coyle) dennoch Recherchereise im Nazi-Zombie-verseuchten Osteuropa?

Outpost – Black Sun triggert eine morbide Faszination

Nicht auszuschließen, dass Lena nach erfolgreichem Abschluss ihrer Mission ihre Geschichte aufschreibt. In Outpost – Black Sun gibt es jedoch keinerlei Hinweise auf einen Recherche-Auftrag. Ihre Rache ist persönlich motiviert.

Erinnerungswürdiges Zitat: „Nazis sind eben saublöde Mistschweine.“

Wahre Begebenheit? Ich schlage vor, wir lassen Überlegungen zur Existenz von Nazi-Zombies an dieser Stelle gezielt beiseite. Stattdessen konzentrieren wir uns auf den Titelzusatz: In Outpost wird erklärt, dass es zu Kriegszeiten eine Sondereinheit namens Black Sun gab. Natürlich ist das nicht mehr als Folklore, die der Film an dieser Stelle spinnt. Das dazugehörige Ringsymbol der Schwarzen Sonne ist allerdings echt. Das Rad mit den zwölf gespiegelten Siegrunen findet sich als Ornament in der als SS-Versammlungs- und Kultstätte berühmt gewordenen Wewelsburg im ostwestfälischen Büren. Es gilt als Erkennungszeichen eines nationalsozialistischen Okkultismus, der die Basis vieler Legenden und Verschwörungstheorien bildet. Noch heute findet das Symbol Verwendung in rechtsesoterischen bzw. rechtsextremistischen Kreisen.

Klischee-Level: Da Lena sich nicht offen als Journalistin zu erkennen gibt: Das Klischee-Level hält sich in Grenzen. Angenommen, die Protagonistin wäre eine Reporterin: Sie quarzt in ihrer allerersten Szene (danach nie wieder), sie ist undercover unterwegs, sie bricht Altnazis im Seniorenstift die Finger und lässt sich auch sonst nix gefallen. Das übliche Zeug eben. Aber nichts Ärgerliches.

Fazit: Outpost – Black Sun triggert die morbide Faszination für Nazi-Exploitation. Selbst wer diesem Sub-Genre etwas abgewinnen kann, der darf Black Sun getrost skippen. Handwerklich wie inhaltlich köchelt alles auf Sparflamme (ganz schlimm die nervige Wackelkamera), nicht mal Trash-Qualitäten entwickelt der Film. Langweilig.


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Mehr – oder besser: wirkliche Journalist*innen – in Horrorfilmen gibt es hier: Gruselpresse und Return of the Gruselpresse