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journalistenfilme.de – der Podcast #29: Horst Schlämmer – Isch kandidiere (2009)

Horst Schlämmer. Für die einen ist der leutselige Lokaljournalist aus Grevenbroich eine Kultfigur. Für die anderen eine schmerzhafte Erinnerung.

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Horst Schlämmer. Für die einen ist der leutselige Lokaljournalist aus Grevenbroich eine Kultfigur. Für die anderen eine schmerzhafte Erinnerung.

Es gab eine Zeit, war Horst Schlämmer aus dem (Privat-)Fernsehen nicht wegzudenken. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität machte Hape Kerkelings Kunstfigur sogar die Kinos unsicher. In Isch kandidiere greift der grunzende Lebemann nach dem Bundeskanzleramt. Mit Tobi und Dax Werner reise ich zurück ins Bundestagswahljahr 2009, als Smartphones noch Seltenheitswert hatten und das Medienrauschen noch nicht übersteuert schien. Dabei bewältigen wird gleich mehrere Traumata – in einer neuen Episode von journalistenfilme.de – der Podcast.

Moderation & Text: Patrick Torma

Wir haben bei journalistenfilme.de ja schon einige heiße Eisen angefasst. Heute wird es besonders delikat. Denn wir rütteln am Denkmal eines TV-Helden. Horst Schlämmer, Hape Kerkelings Darstellung eines liebenswert-widerwärtigen Drecksacks im Dienste des fiktiven Grevenbroicher Tagesblatts, war Mitte der 2000er-Jahre ein medialer Dauerbrenner, der erst Günther Jauchs Quizstuhl und schließlich die Herzen der Nation eroberte. Die BILD-Zeitung kürte Kunstfigur zwischenzeitlich sogar zum beliebtesten Deutschen!

In Isch kandidiere geht Lokaljournalist Horst Schlämmer mit seiner Partei HSP an den Start. In seiner Grevenbroicher Stammkneipe kann er sich der Unterstützung sicher sein. Aber wie hält es die restliche Republik mit seinen politischen Ambitionen?

Der Skandalfilm des Bundestagswahljahres 2009:
Horst Schlämmer – Isch kandidiere

Dagegen ist der seelische Flurschaden, den Horst Schlämmer angerichtet hat, weitestgehend unterbelichtet geblieben. Der Gram (einst) junger Lokaljournalist*innen, die gegen den kolportierten Mief ihrer Zunft anzuschreiben versuchten. Das Stigma der Eingeborenen eines gewissen Städtchens im Rheinland, das durch das telemediale Wirken dieser Figur einer bundesweiten Lächerlichkeit preisgegeben wurde. Darüber wollen wir heute endlich sprechen. Aufhänger ist Horst Schlämmers letztes großes Schelmenstück: sein Kinofilm Isch kandidiere aus dem Wahljahr 2009. Darin schwingt sich die vom Reporterdasein gefrustete Lokalgröße zum Bundeskanzlerkandidaten auf. Schlämmer betreibt Guerilla-Wahlkampf und scheut dabei keine Konfrontation mit der politischen Konkurrenz.

Gerade mit Blick auf die bevorstehende Bundestageswahl war es mir wichtig, die Causa Schlämmer aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten. Mit Ur-Grevenbroicher Tobi kommt einer von vielen bewundernswerten Menschen zu Wort, die die Last des Films bis heute schultern. Den fachlichen Blick steuert Dax Werner bei. Er ist Kurznachrichten-Leitartikler und versteht obendrein etwas von Satire.

journalistenfilme.de – der Podcast #29:
mit Tobi und Dax Werner

Gemeinsam spüren wir dem Phänomen Horst Schlämmer nach. Wir schauen auf einen Film, der mit Borat ein offensichtliches Vorbild hat, aber auf seine eigene, krude Art und Weise zu Werke geht. Wir benennen, was uns an der Figur stört, nur um an Ende so etwas wie ein Sehnsuchtsgefühl aufkommen zu lassen. Denn Isch kandidiere mutet wie ein Relikt aus einer längst vergangenen, herrlich unaufgeregten Zeit an. Gönnt Euch diese Audio-Gratwanderung zwischen Flachs und ernsthafter Analyse. Dazu empfehlen wir einen Doornkaat. Viel Spaß!

Timecodes:
00:00: Gästeschütteln: Wie es Tobi heute geht und was der Film mit Dax Werner gemacht hat.
03:16: Spaß bei Seite (zumindest ein bisschen): Erinnerung an eine Kunstfigur. Was uns stört(e) und warum sie doch so erfolgreich war.
16:35: Geständnisse eines Grevenbroichers: Was hat Horst Schlämmer mit der Stadt gemacht? Über Marketingeffekte und Kontroversen in der Stadtgesellschaft.
28:09: Isch kandidiere. Inhalt, Stil und unsere Seheindrücke.
35:56: Weißte Bescheid? Überlegungen zur Intention und Zielgruppe des Films.
49:44: Schlämmer-Woche: Eloge auf Simon Goosejohan
52:57: Journalistische Learnings? Zur Lage des Lokaljournalismus.
01:02:29: In einem Land vor unserer Zeit. Ohne Smartphones. Ohne AfD. Mit Altherrenwitzen.
01:15:50: Für weniger Kreislauf: Braucht es einen neuen Horst Schlämmer in unserer Comedy-Landschaft?

Weißte Bescheid: Hieve journalistenfilme.de –
der Podcast
über die 5-Prozent-Hürde

Horst Schlämmers Ambitionen lösen sich in Isch kandidere mangels Zuspruch in Luft auf. Damit es mir nicht so ergeht, bitte ich um deine Stimme. Etwa in Form von Podcast-Abos und Bewertungen. Gerade Bewertungen bei iTunes (Apple Podcast) helfen enorm, diesen Podcast sichtbarer zu machen. Solltest Du überzeugt von meinem Wahlprogramm sein, so mache dein Kreuz hier.

Du bist Wechselwähler und möchtest Dir erst mal einen Überblick verschaffen? Alle Folgen von journalistenfilme.de – der Podcast findest Du hier:

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Ich möchte Dich in keiner Weise verleiten. Aber falls Du Dich nach Horst Schlämmer sehnst: über den folgenden Bildlink gelangst Du zu einem großen Online-Dealer, der Dich mit allem, was Du brauchst, versorgt. Du zahlst nicht mehr als sonst, ich erhalte allerdings eine kleine Parteispende, die ich in künftige Programme investiere!

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