Coole Sounds, lockere Sprüche: Zwei Supernasen in Frauenkleidern senden im A-Team-Van gegen den Mief der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten an. Thomas Gottschalk verwebt in Piratensender Powerplay seinen biographischen Werdegang. David und Patrick hören über ihr Kofferradio rein. Ihre Gedanken zum Film gibt es in einer neuen Folge von journalistenfilme.de – der Podcast. Außerdem on air: Marcel von Radio Marabu im Interview zum Spirit in der Radiolandschaft der 1980er-Jahre.

Text & Moderation: Patrick Torma. Bildmaterial: Media Target.

Die Supernasen-Filme mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger waren ein Phänomen der Achtziger. In den vier Kinojahren von 1982 bis 1985 gehörte die Reihe zu den erfolgreichsten deutschen Produktionen. Auf ihrem Höhepunkt im Jahr 1983 lockten die kalauernden Hallodris mit Die Supernasen 2.750.000 Menschen in die Kinos – Platz 6 in der Jahresabrechnung (Platz 1 gebührt einer Space Opera, die von der Rückkehr eines gewissens Jedi-Ordens kündet; 4.125.000 Jünger*innen bereiteten einen freudigen Empfang).

Piratensender Powerplay, der erste der vier Supernasen-Streifen, schlitterte noch an der Top 10 des Kinojahres 1982 vorbei, war mit 1,3 Mio. ein wahnsinniger Überraschungserfolg. Kein deutscher Film war in diesem Jahr erfolgreicher. Thommy und Mike – wie die beiden Protagonisten wenig überraschend heißen – trafen einen Nerv: Junge Hörer*innen sehnten sich nach frischen Radioformaten abseits der verstaubten Programme, die ihnen die Öffentlich-Rechtlichen anboten. Die Konkurrenz der Privaten gab es erst ab 1984. Ende der 1970er-Jahre schwappte jedoch ein Trend von Großbritannien nach Deutschland über: Jenseits des Ärmelkanals versuchten Piratensender ab 1960 ein Gegengewicht zum Medienmonopol der BBC zu etablieren. Die ersten Wellen in der Bundesrepublik wurden häufig aus politischen Gründen gekapert, zur treibenden Kraft gehörte die Anti-Atomkraft-Bewegung.

Die kulturelle Revolution durch
den Piratensender Powerplay

Beweisen den richtigen Riecher: Mike und Thommy laufen den Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem Piratensender Powerplay den Rang ab.
Beweisen einen Riecher: Mike und Thommy laufen den Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem Piratensender Powerplay den Rang ab.

Nun sind Thommy und Mike keine politischen Aktivisten. Wohl aber kulturelle Revolutionäre. Mit Rock ’n‘ Roll-Importen aus den USA und einem frechen Moderationsstil wirbelt der Piratensender Powerplay ordentlich Staub in den Gängen des Bayrischen Rundfunks auf. Der Radioverantwortliche Dr. Müller-Hammeldorf (Gunter Philipp) will der illegalen Konkurrenz den Saft abdrehen. Mit List und Dreistigkeit – und dank des Invests von Mikes Schwester, Fräulein Wachtel (Evelyn Hamann), die dem Sender ein fahrbares Studio finanziert – entziehen sich die Radiopiraten dem Zugriff der Behörden …

Piratensender Powerplay ist ein zwiespältiges Vergnügen: Für die Zoten aus der Feder des einstigen Lederhosen-Filmers Siegfried Rothenmund a.k.a. Siggi Götz (Alpenglüh’n im Dirndlrock) muss man einerseits geschaffen sein. Einige Gags gehen aus heutiger Sicht überhaupt nicht mehr. Andererseits ist der Film ein (zugegeben: seichter) Ausdruck eines gesellschaftlichen Umbruchs, der durch viele verschiedene Strömungen (Frauenbewegung, Bildungsexpansion, wachsendes ökologisches Bewusstsein, Individualisierung …) gespeist wurde. Die junge Generation stellte sich gegen die Traditionen der älteren.

Unser Podcast zu Piratensender Powerplay mit David Müller

Mit Freund und Radiomacher David Müller (bekannt aus Episoden zu Hunting Party und Pontypool) spreche ich über diese ambivalente Anziehungskraft, über unsere Gefühle, die Piratensender Powerplay auslöst, über Do’s and Don’t in der Moderation. Es beginnt mit einem Filmgespräch zwischen Nähkästchen und Kopfschütteln. Und schließt mit interessanten Einsichten zum Themenkomplex Piratensender und freie Radios: Denn ich hatte anschließend noch die Gelegenheit, mit Marcel Fischer über den Radio-Spirit zu sprechen, der zur Entstehungszeit des Films durch die Republik wehte. Und ihn einfach mal zu fragen: Wie realistisch ist das, was Thommy und Mike in ihrem fahrbaren Studio veranstalten?

Marcel ist Moderator und Programmverantwortlicher bei Radio Marabu, Europas erstem überregionalen Sender für alternative Musik. 1984 gegründet, sind Radio Marabu und der Piratensender Powerplay – zumindest weit entfernte – Brüder im Geiste. Was Marcel zu diesem Vergleich sagt, hört ihr ab ca. 48:35.

Viel Spaß mit der aktuellen Episode!

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Danke an David, der mehr als nur ein Freund von journalistenfilme.de ist – es war mir, wie immer, eine Freude, Bro! Ebenfalls besten Dank an Marcel Fischer, der sich sehr kurzfristig die Zeit für meine Fragen genommen und das Interview gleich mitgeschnitten hat.

Was mich zusätzlich sehr freut: journalistenfilme.de findet damit auch im Programm von Radio Marabu statt! Unabhängig davon kann ich Euch nur empfehlen, bei den Kolleg*innen von Radio Marabu reinzuhören. Was die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement, Leidenschaft und gutem Musikgeschmack auf die Beine bringen, ist mehr als aller Ehren wert.

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Nicht, dass ich mit dem Gedanken spiele. Aber damit ich ja nicht auf die Idee komme, Mike Krüger für Werbeeinspieler zu engagieren: Mit einer Spende und/oder Film-Käufen (Ihr bezahlt keinen Cent mehr, ich bekomme eine kleine Provision) über die hier gestreuten Affiliaten-Links unterstützt ihr das Projekt, indem Ihr einen Beitrag zu Hosting-Gebühren, Filmbeschaffungen und anderen Unkosten rund um dieses Projekt leistet. Arrrrr…

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Weiterführende Links:

Soll nicht unverlinkt bleiben: Die Fanseite zur Supernasen-Serie.

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