Eine Fotojournalistin und ihr Schweine-Sidekick nehmen es mit einer Alienverschwörung auf. Das ist der Stoff, aus dem Kritikerlieblinge gemacht sind – und Futter für eine neue Folge Pixel-Journalisten. Heute: Jade aus Beyond Good and Evil.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: Ubisoft.

Das Spiel

Beyond Good and Evil war 2003 das, wonach sich Gamer heute die Finger lecken. Ein unverbrauchter Genre-Mix mit abgedrehten Figuren, einem originellen Grafik-Stil und ungewohnten spielerischen Freiheiten. Und das obendrein aus dem Hause Ubisoft, von einem Studio, das gefühlt nur noch von immer neuen Far Cry– und Assasins’s Creed-Iterationen lebt. Die Kritiker lobten dieses Stück Software in den Himmel, und auch rückblickend genießt es einen exzellenten Ruf als früher Open-World-Titel. Nur zocken wollten ihn wenige. Beyond Good and Evil war leider kein kommerzieller Hit.

Die Handlung

Die freie Fotoreporterin Jade lebt mit ihrem Onkel Pey’j, einem anthropomorphen Schwein, und einigen Waisenkindern in ihrer Obhut auf dem Planeten Hyllis. Die Intro-Sequenz leitet mit einer Nachrichtensendung ein, die uns über eine bevorstehende Invasion einer feindlichen Alienrasse namens DomZ informiert. Die DomZ greifen Hyllis offensichtlich schon seit einiger Zeit an. Mit der Alpha-Abteilung hat die regierende Klasse eine verdächtig-rigide Abwehreinheit ins Leben gerufen, die vordergründig mit dem Schutz der Bevölkerung beauftragt ist.

Als der Leuchtturm, den Jade und Pey’j bewohnen, von einem Angriff getroffen wird, geraten die Ereignisse ins Rollen. Nachdem sie die Bekanntschaft mit dem Untergrund gemacht hat, dämmert es Jade, dass die vermeintlichen Beschützer und die extraterrestrischen Angreifer eine gemeinsame Agenda verfolgen könnten. Nach und nach kommt sie dem ganzen Ausmaß der Verschwörung auf die Schliche.

Fragt nicht nach den Verwandtschaftsverhältnissen: Jade und ihr Onkel Pey'j sind die Stars in Ubisofts Beyond Good and Evil.
Fragt nicht nach den Verwandtschaftsverhältnissen: Jade und ihr Onkel Pey’j sind die Stars in Ubisofts Beyond Good and Evil.

Die Figur

Jade ist Journalistin und Heroine zugleich. Ausgestattet mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, setzt sie sich als Anwältin der Schwachen und Gebeutelten ein. Zwar hat sie diese Einstellung nicht zu Ruhm, geschweige denn finanzieller Absicherung verholfen – jedenfalls scheinen die Auftragsbücher nicht besonders voll zu sein. Dies legen die Fotos in ihrer Dunkelkammer nahe. Sie zeigen fast ausschließlich die sechs Waisen, um die sich die Reporterin hingebungsvoll kümmert. Aber Geld und Fame sind nicht alles: Jade ist mit sich im Reinen.

Ihr auflehnender Charakter treibt sie in den Widerstand, dem sie sich – nicht ohne vorherige Skepsis – fest anschließt, um den Machenschaften der DomZ ein Ende zu bereiten. Dabei ist Jades Profession nicht nur Story-, sondern auch Gameplay-Element: Als Fotograf(in) erkundet der Spieler die Welt auch durch den Sucher der Kamera. Wer exotische Tiere in der Spielumgebung ablichtet, erhält Honorar in Form von Kristallen, die er wiederum in Items investieren darf. Außerdem gibt in der Open-World immer wieder Codes zu finden, die wir mit Hilfe von Foto-Uploads knacken.

Das alles ist, streng genommen, kein journalistisches Arbeiten. Jade publiziert nicht, sie ermittelt. Aber das ist in vielen Spielen und auch in Filmen so, dass wir Journalisten nicht bei der alltäglichen Ausübung ihres Berufes begleiten. Ihr journalistischer Scharfsinn allerdings befähigt sie zur Recherche, die es braucht, um den konkreten Fall zu knacken. Nichtsdestotrotz ist Beyond Good and Evil ein Spiel, das die Medien, ihre Rolle und ihre Wirkungskreise reflektiert. Die Funktionsweise von Propaganda, der Umgang mit Wahrheit und Öffentlichkeit sind Themen, die der Titel verhandelt.

Warum heute noch spielen?

Die Gretchenfrage, die sich auch dieses Mal nur mit Ja beantworten lässt, wenn man ein Stück weit spielerische Regression verkraften kann. Das Open-World-Genre hat sich weiterentwickelt. Vieles von dem, was 2003 aufregend schmeckte, ist heute kalter Kaffee. Grafisch aufgehübscht und um einige Komfortfunktionen ergänzt, kommt das HD-Remake aus dem Jahre 2011 daher, weshalb man als Schönspieler nicht mehr beide Augen zudrücken muss. Die Story von Beyond Good and Evil hingegen lohnt sich noch immer, die toughe Journalistin Jade mit ihren bunt geschminkten Lippen ist ohnehin Kult – in den Hitlisten der stärksten und coolsten Videospielheldinnen ist sie bis heute mit dabei. Und wer weiß? Vielleicht erfährt ihre Popularität schon bald einen neuen Schub. Ubisoft hat ein lange für nicht möglich gehaltenes Beyond Good and Evil 2 angekündet, in dem Jade zumindest einen Auftritt haben wird.

Interessant: Jade in der Betrachtung der Tropes vs. Women in Video Games-Macherin Anita Sarkeesian:

Cinematic Trailer zu Beyond Good and Evil 2:


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