Meet The Feebles Journalist

Der Journalist ernährt sich von Scheiße. Sprichwörtlich. Peter Jacksons Muppets-Persiflage Meet The Feebles ist eine fiese Fabel über menschliche Abgründe: Ratte Trevor ist ein Drogendealer und Pornofilmer, Frosch Wynyard ein Vietnamveteran auf Turkey und Hase Harry rammelt sich durch das gesamte Ensemble. Beobachtet werden sie dabei von einer Schmeißfliege mit Notizblock.

Von Patrick Torma. Bildmaterial: South Gate Entertainment.

Zur Person: Diese Stubenfliege ist suspekt. Schmatzend, schwirrend, surrend rückt sie der Theaterbelegschaft auf den Puppenpelz. „Von dieser Mistbiene hältst du dich besser fern. Sie hat nichts Besseres zu tun, als Lügen zu erzählen“, heißt es von ihr. Als Harry nach einem ausufernden Hasenbums ganz blümerant zumute ist, wittert die Fliege die ganz große Story. Von Journalisten wird oft behauptet, dass sie gerne „in der Scheiße wühlen“. Die Fliege setzt noch einen drauf: Sie macht es sich in der Kloschüssel bequem, um genüsslich vom Kot des kranken Karnickels zu naschen: „Fühlen wir uns heute nicht gut, Harry?“ Die Konsistenz ist verräterisch.

Harrys Leiden wird zur Titelstory. Doch Theaterdirektor und Walross Bletch sieht es nicht gern, wenn sein Ensemble beschmutzt wird. Ausgerechnet ihr Faible für Fäkalien wird der Fliege zum Verhängnis: Als Backstage lautstark verkündet wird, dass ein ganz schön schwerer Haufen die Toilette verstopfe, eilt sie ins Badezimmer, wo Bletch und die Spülung auf sie warten…

Eine Scheißhausfliege als (Anti-)Botschafter

Funktion: In seiner bitterbösen Satire dreht Peter Jackson das Showgeschäft durch den Fleischwolf. Starallüren. Sex, Drugs & Musicals. Ein Sumpf, in dem jeder Dreck am Stecken hat – und gerade deshalb so anziehend auf sensationsgierige Schlagzeilendrescher wirkt. Die Fliege gebärdet sich, wie man es von einem Vertreter der Regenbogenpresse oder einem Paparazzo erwartet: Unverschämt, lästig, manipulativ. Ihr Motto: „Ich werde es herausbekommen. Und wenn ich es erfinden muss.“

Das klingt reichlich überspitzt. In einer Branche, die sich primär an privaten Glücksmomenten und Schicksalsschlägen ergötzt, gehört Einfallsreichtum allerdings durchaus zum „guten Ton“. Promis mögen ja präsentierfreudig sein, mit Liebesgeheimnissen und Schockdiagnosen gehen sie meistens wie jeder normale Mensch um: diskret. Was die Arbeit in den Redaktionen der Illustrierten erschwert. Wie sie sich behelfen, kann man beispielsweise hier, hier und hier nachlesen. Eine Scheißhausfliege ist ein passender Botschafter für diese pietätlose Form der Berichterstattung.

Willkommen im Journalisten-Zoo!

Trivia: Dr. Quacks Diagnose ist niederschmetternd.  Harry habe sich „das Schlimmste“ eingefangen. Angesichts seiner umtriebigen Betthüpfereien liegt der Verdacht nahe,  der Hase habe sich mit HIV infiziert – zur Entstehungszeit des Films findet das Thema AIDS verstärkt in die Öffentlichkeit. Diese Assoziation ist sicher gewollt, wie sich jedoch herausstellt, hatte der Doc fälschlicherweise eine Myxomatose (Kaninchenpest) diagnostiziert. In Wirklichkeit leidet der Star der Show unter harmlosen „Hasenpocken“. Ein Happyend hält Meet The Feebles dennoch nicht für Harry bereit. In seiner Freude wird er von der Amok laufenden Nilpferddame Heidi niedergeschossen.

Nachhaltigkeit: Die Fliege aus Meet The Feebles ist sicherlich eine der grafischsten Darstellungen eines Sensationsreporters, wobei der Film als obskures Frühwerk des „Herr der Ringe“-Regisseurs eher den Status eines Geheimtipps genießt; der dazu noch im Schatten der bekannteren Jackson-Splatter Bad Taste und Braindead steht. Gleichwohl manifestiert er dieses Bild nicht, er greift es lediglich auf. Journalisten mit Tiermetaphorik einzudecken, das hat eine lange Tradition: Bluthunde, Schmierfinken, Aasgeier – der Journalismus ist ein Zoo.

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