Da will ich einfach nur einen Kopf aus-Klassiker mit Jim Carrey schauen und werde doch wieder getriggert. Die Maske war in meiner Erinnerung ein Held meiner Jugend. Die Journalistin im Film hatte ich allerdings verdrängt. Kein Wunder: Nichts an Peggy Brandt ist vorbildlich. Nicht mal ihr Abgang.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: Warner.

Der Film: Die 90er. Ein Jahrzehnt, in dem Comic-Verfilmungen noch Wagnisse bedeuten. Eine Experimentierweise für Regisseure und Produzenten, auf der die Studios ordentlich Lehrgeld liegen lassen. Die Dekade beschert uns Rohrkrepierer wie Das Phantom, Spawn oder Batman und Robin. Die Maske von 1994 hingegen ist ein voller Erfolg. Vor allem finanziell: Produktionskosten von 18 Millionen US-Dollar stehen ein weltweites Einspielergebnis von 350 Millionen Dollar gegenüber.

Der Film ebnet die Karriere von Cameron Diaz und beschleunigt den Höhenflug von Jim Carrey. Der spielt in dem Film den verliererhaften Banker Stanley Ipkiss, der eines Abends am morastigen Flussufer von Edge City eine uralte Maske findet. Das mysteriöse Relikt verwandelt den schüchternen Zahlenschubser in einen grüngesichtigen Salonlöwen, der seine eigene Kreditanstalt ausraubt und so einer Gangster-Bande in die Quere kommt.

Die Maske ist erfolgreich, obwohl – oder gerade weil – der Film stark von der Vorlage abweicht. Die Comics sind düster und brutal. Die Maske ist greller, abgedrehter Klamauk, freigegeben ab 12 Jahren. Dank der Tricksereien von George Lucas Effektschmiede Industrial Light and Magic sogar Academy-tauglich – 1995 findet sich der Film auf der Nominierungsliste für den SFX-Oscar wieder. Fans der Vorlage ist Die Maske zu bunt, zu albern. Doch der Erfolg gibt den Produzenten recht.

Peggy Brandt (Amy Yasbeck) will endlich Reporterin sein. Bislang schuftete sie sich als Autorin einer Liebeskolumne ab. Zu ihrer Zielgruppe gehören Träumer wie Stanley Ipkiss (Jim Carrey).
Peggy Brandt (Amy Yasbeck) will endlich Reporterin sein. Bislang schuftete sie sich als Autorin einer Liebeskolumne ab. Zu ihrer Zielgruppe gehören Träumer wie Stanley Ipkiss (Jim Carrey).

Die Journalistin: Peggy Brandt (Amy Yasbeck, spielte u.a. die Marian in dem Robin Hood-Spoof Helden in Strumpfhosen) tritt nach Stanley Ipkiss erster Chaos-Nacht auf den Plan. Ipkiss hat in seiner ungestümen Gestalt eine Kfz-Werkstatt verwüstet und zwei betrügerische Mechaniker, die ihm bei der Reparatur seines Autos über den Leisten ziehen wollten, rektal „getunt“.

Über die Auftragsliste der Werkstatt ist die Reporterin nun an den Bankangestellten gelangt, der sich nur ungern an die vorherige Nacht erinnern mag. Woran er sich aber entsinnen kann: Ipkiss hat Brandt mal einen weinerlichen Leserbrief geschrieben, als Reaktion auf ihre Liebeskolumne in der Zeitung. Die Autorin fühlt sich geschmeichelt, verweist gleichzeitig auf das miese Zeilenhonorar, mit dem sie abgespeist wird. Weswegen sie nun endlich mal eine echte Story aufdecken möchte. Das Interview fällt ins Wasser, stattdessen wird unbeholfen geflirtet – und wir Zuschauer denken: Da geht doch noch was.

Tatsächlich finden die beiden nach einigen Umdrehungen auf der Uhr nochmal zusammen. Nachdem sie gemeinsam der Polizei entkommen sind, flammt Brandts Schwärmerei nochmal auf – wie sich aber herausstellt, ist die nur ein Vorwand, um den unverzauberten Ipkiss in eine Zeitungsdruckerei zu lotsen, wo schon der geprellte Bandenchef Dorian wartet. Der ist nämlich bereit, das Honorar der Reporterin signifikant aufzubessern. Die Punchline: Liebe Verleger, bezahlt eure Journalisten anständig.

Falsches Lachen: Peggy Brandt ist nicht so unschuldig wie sie anfangs erscheinen mag.
Falsches Lachen: Peggy Brandt ist nicht so unschuldig wie sie anfangs erscheinen mag.

Ihr Abgang: Mit diesem Verrat hat Peggy Brandt ihre Schuldigkeit getan. Die Journalistin verschwindet aus dem Bild und ward nicht mehr gesehen. Was sich anfühlt, als sei ihre Geschichte nicht auserzählt. Tatsächlich gibt es eine entfallene Szene, in der sie von Dorian und seinen Mobstern über eine Brüstung gestoßen wird. Sie landet in der Druckerpresse, ihr Blut färbt auf die Zeitungen ab. Die Titelseite verkündet, Peggy Brandt sei durch einen „freak accident“ ums Leben gekommen. Ikonischer kann man den Verlust journalistischer Integrität nicht bestrafen. Den Produzenten allerdings ist dieses Ende zu drastisch. Der Szene fällt dem Schnitt zum Opfer.

Ihr Nachleben: Um diesen Schlussakkord beraubt, bleibt Peggy Brandt der Filmwelt kaum in Erinnerung. Anders als Cameron Diaz‘ Rolle Tina Carlyle schafft es die Figur jedoch in die Animationsserie, die nach dem Erfolg von Die Maske über die TV-Schirme flimmert. Dort wird sie zur Kollaborateurin des Protagonisten, dessen wahre Identität sie geheimhält. Als Gegenleistung verhilft ihr die Maske zu der einen oder anderen Schlagzeile. Peggy Brandt tritt damit in die Fußstapfen von Lois Lane, Vicky Vale und April O’Neil. Nicht die schlechteste Beförderung für eine Journalistin, die im „Piloten“ so unrühmlich eingeführt und fallengelassen wurde.


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