Über journalistenfilme.de

Patrick Torma

Gestatten, Patrick Torma. Ihr Filmvorführer auf journalistenfilme.de!

Was ist journalistenfilme.de?

Schon wieder so ein Filmblog. Diesmal jedoch ohne klassische Filmkritiken. Ok, zugegeben – natürlich komme ich nicht umher, meine Meinung zur Qualität des jeweiligen Machwerks abzusondern. Die zentrale Fragestellung ist jedoch eine andere: Welche journalistischen Werte vermittelt der Film? Unterhaltsames, Skurriles und Erhellendes aus der Welt des auf Zelluloid gebannten Journalismus runden das Programm ab.

„Journalistische Werte im Film“? Wieso sollte sich jemand für so etwas interessieren?

Hand aufs Herz: Wer mag schon Journalisten? Der Journalismus befindet sich in einer Vertrauenskrise. Und das nicht erst seit dem Revival der„Lügenpresse“. Jahr für Jahr gelingt es der Journaille, Top-Platzierungen auf der Skala der unglaubwürdigsten Berufe zu ergattern. Und doch kennt jeder mindestens eine Person aus seinem Bekanntenkreis, die etwas mit Medien machen möchte. Der Freund einer Freundin. Der kleine Bruder. Oder die eigene Tochter. Vielleicht bist Du ja zufällig selbst ein Journalist. Dann konnten Dich nicht mal die viel zitierte Krise des Journalismus und die zum Teil prekären Arbeitsbedingungen abschrecken. Der ganz große Boom mag zwar vorbei sein. Trotzdem gehört der Journalist noch immer zu den populärsten Berufswünschen. Warum ist das so?

Das liegt in erster Linie daran, dass der Journalismus ein perse spannendes Berufsfeld ist. Auf diesen Trichter muss man allerdings erst mal kommen. Eine Initialzündung für die spätere Berufswahl können fiktive Vorbilder aus Film und Fernsehen sein, bestätigen Studien. Hier kommen die Journalistenfilme ins Spiel. Sind Filme ein Medium, das junge Menschen für den Journalistenberuf begeistern kann? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die meisten Reporter in Filmen (vor allem in Hollywood-Produktionen, die ein besonders großes Publikum erreichen) sensationsgierige Aasgeier sind. Andererseits fallen mir auch einige positive Gegenbeispiele ein.  Es ist an der Zeit, das Image von Journalisten im Film empirisch zu betrachten.

Wieso schwingst ausgerechnet Du Dich auf, Journalisten im Film unter die Lupe zu nehmen?

Kennt Ihr Freddy Lounds? Den schmierigen Zeitungsreporter aus der Harris-Verfilmung Roter Drache? Wenn das kein Schwein ist, wer dann? Als ich den Film zum ersten Mal sah, sammelte ich gerade meine ersten Meriten bei einer Lokalzeitung. Ich war beleidigt. Lounds-Darsteller Philip Seymour Hoffman hatte soeben nicht nur meinen Traumberuf verunglimpft, er hatte mir geradewegs ins Gesicht gespuckt. In Anwesenheit meines Vaters. „Aber, Papa! Journalist ist ein ehrenwerter Beruf!“

Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit Freddy Lounds geschlossen. Auch, weil ich in der echten Welt ein paar noch schwierigere Typen getroffen habe. Doch eines werde ich seit Roter Drache nicht mehr los: Meine reflexartig erhöhte Aufmerksamkeit, wann immer ein Journalist die Filmszenerie betritt. Fühlt sich an wie eine liebgewonnene Berufskrankheit. Journalistenfilme.de ist meine Art der Therapie.

Was sind für dich Journalistenfilme?

Vorweg: Ich bin mir nicht sicher, ob es den Begriff des Journalistenfilms überhaupt gibt. So richtig offiziell, meine ich. Der Medienthriller hat sich als Genrebezeichnung mehr oder minder durchgesetzt. Die Bezeichnung Journalistenfilm jedoch fühlt sich wie ein zwangloses Kompositum an. Was daran liegen könnte, dass vollblütige Journalistenfilme vergleichsweise selten sind.

Journalistenfilme in Reinkultur stellen in meinen Augen primär das Schaffen eines oder mehrerer Journalisten (als Branche) in den Mittelpunkt. Der Journalist nimmt die Hauptrolle ein, sein Handeln ist als wichtiger Kommentar zum Zustand des Journalismus zu verstehen. Das Paradebeispiel ist Alan J. Pakulas Die Unbestechlichen: Der Film erzählt die Geschichte der Watergate-Enthüller Bob Woodward und Carl Bernstein und singt gleichzeitig das wohl stimmungsvollste Loblied auf den investigativen Journalismus.

Jedoch kommt ein Journalist selten allein – in vielen Filmen ist der Berichterstatter nur eines von vielen Rädern in einer großen Maschinerie. Ein Zünglein an der Waage. Man denke etwa an Maddy Bowen in Blood Diamond. An Robert Graysmith in David Finchers Zodiac – Die Spur des Killers. Oder an eben jenen Freddy Lounds in Roter Drache. Diese drei Beispiele sind in meinen Augen keine Journalistenfilme im eigentlichen Sinne. Und doch transportieren diese Filme ein gewisses Journalistenbild – was sie wiederum für eine Betrachtung auf diesem Blog interessant macht. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich will mich bei meiner Auswahl nicht von einer zu engen Definition leiten lassen. Hauptsache, es kommen Journalisten vor.

Was sind deine Lieblings-Journalistenfilme?

Bei meiner absoluten Nummer 1 muss ich nicht lange herumgrübeln: Die Unbestechlichen ist ein Meisterwerk. Punkt. Die Urmutter des Journalistenfilms. Michael Manns The Insider ist in dieser Hinsicht ein würdiger Nachfolger. Ansonsten schmeckt mir bitterböse Medienkritik a là Nightcrawler, Mann beißt Hund oder No Man’s Land ganz gut.  Auf dem humoristischen Parkett geht nichts über Anchorman.

Was schaust Du sonst so?

Nicht nur Journalistenfilme. Ich bin das, was man einen schmerzlosen Allesgucker nennt. Meine Sehgewohnheiten werden im Großen und Ganzen von Hollywood bestimmt, dazwischen werfe ich aber immer etwas Programm- und Trashkino ein. Zu meinen Lieblingsfilmen gehören etwa Alien, Fight Club, Clockwork Orange, Cinema Paradiso, Zurück in die Zukunft, Star Wars – Das Imperium schlägt zurück, Das Urteil von Nürnberg, Nosferatu, Die Ermordung des Jesses James durch den Feigling Robert Ford, Straw Dogs, Westworld, Super Inframan u.v.m.

Und was machst Du sonst so?

Wenn ich mal nicht unterwegs bin, sei es beruflich oder privat, fröne ich dem Medienkonsum – neben den VoDs Amazon Instant Prime und MUBI setze ich voll auf Steam und Spotify. Einen Teil meines Konsums kanalisiere ich auf dem Blog www.medien-nomaden.de. Wer sich für mein Portfolio allgemein interessiert, dem lege ich meine Homepage www.patrick-torma.de ans Herz.

Ob stiller Stammleser, konstruktiver Nörgler oder enthusiastischer Fan: Ich freue mich über jeden im Netz, der sich mit meinen Texten beschäftigt. Schließlich steckt in journalistenfilme.de viel Zeit und Herzblut. Wenn jetzt noch jemand den Entschluss fasst, mir unter die Arme greifen zu wollen, macht mich das nicht nur glücklich, sondern auch ein wenig stolz. Helfen könnt Ihr mir mit…

…sachdienlichen Hinweisen: Meine Texte sind stets gewissenhaft recherchiert. Ich schließe aber nicht aus, dass mir ab und an ein Fauxpas durchgeht. Solltet Ihr auf Ungereimtheiten stoßen, stellt mich ruhig an den virtuellen Pranger (aber lieb, bitte). Auch freue ich mich über Tipps zu mir unbekannten Journalistenfilmen. Solltet Ihr zufällig für einen Publisher arbeiten, der demnächst einen Journalistenfilm im Programm hat, lasst mir doch eine Info zukommen (patrick [at] journalistenfilme [punkt] de).

…Mundpropaganda: Euch gefällt, was Ihr auf journalistenfilme.de lest? Dann teilt das Wort mit Euren Mitmenschen. Verlinkungen und Social Shares sind bekanntlich das Salz in der Blogger-Suppe.

…Geld (natürlich): Lust, den einen oder anderen hier vorgestellten Film nachzuholen? Mit einem Klick auf die gekennzeichneten (!) Affiliate-Links werdet Ihr zur Bezugsseite eines großen Online-Kaufhauses weitergeleitet. Landet der Film in Eurem Einkaufswagen, zahlt Ihr nicht mehr als sonst. Der einzige Unterschied:  Ein kleiner Anteil des Kaufbetrages (fünf Prozent bei DVDs) landet als Provision in meiner Kaffeekasse. Damit löse ich meine Schulden beim Hoster ein, vielleicht bleibt etwas für neue Rezensionsexemplare hängen. Wenn’s ganz gut läuft, setze ich mich in die Südsee ab. Aber keine Bange: Blogbeiträge lassen sich hervorragend in der Hängematte schreiben.

8 Comments

  1. Saskia

    Schöne Idee! Hast Du „The Hour“ schon in Deiner Liste (tolle BBC Serie über TV-Nachrichtenproduktion)? Oder „The Most Dangerous Man in America“? „War Photographer“ ist auch ein Muss!

    • Patrick

      Hallo Saskia!
      Vielen Dank für Lob & Tipps: Den War Photographer habe ich bereits auf meine Liste, The Most Dangerous Man in America habe ich direkt hinzugefügt. The Hour klingt sehr spannend – allerdings muss ich mit Serien etwas haushalten, da sie sehr zeitintensiv sind…Falls Interesse besteht, was derzeit so auf meiner Watchlist schlummert (alles Erstsichtungen):
      http://letterboxd.com/balatonbro/list/journalistenfilme-to-come/
      Grüße, Patrick

  2. Hans Jürgen Kugler

    Endlich mal jemand, der „Mann beißt Hund“ verstanden und entsprechend gewürdigt hat.

    • Patrick

      Kann nachvollziehen, dass man „Mann beißt Hund“ in den falschen Hals bekommen kann. Meine bessere Hälfte fand den einfach nur abstoßend. In dem, was der Film zeigt, ist er es auch.

      Für mich gehört „Mann beißt Hund“ in die Kategorie Lieblingsfilme, die man nicht gerne guckt. Wie „Reqiuem For A Dream“ etwa.

  3. Joerg

    Wie Filme/Serien ein Berufsbild prägen – das ist eine prima Idee für einen Filmblog. Ich wünsche viel Erfolg, viele Leser, und freue mich natürlich auf den ultimativen SCHTONK!-Text. Und noch ein persönlicher Tipp: DIE MASKE RUNTER (original: DEADLINE – U.S.A.) mit Humphrey Bogart war mein zuletzt gesehener“ Journalistenfilm“.

    • Patrick

      Hallo Jörg,

      vielen Dank für Lob & Tipps – nehme ich gerne mit! SCHTONK! als deutscher Beitrag ist natürlich vorgemerkt für eine Besprechung!

      Beste Grüße, Patrick

  4. Markus

    Hallo, mir fallen auch noch 3 Filme die du vielleicht mal vorstellen könntest.
    Shattered Glass. Der Film ist über den Skandal um den Journalisten Stephen Glass der mehrer Artikel gefälscht hat.
    Die Journalistin. Ein Film über die irische Journalistin Veronica Guerin, die über den Drogenhandel in Irland geschrieben hat und 1996 ermordet wurden.
    Der blinde Fleck. Über die Recherche des Reporters Ulrich Chaussy zum Oktoberfestanschlag.

    • Patrick

      Hey Markus,

      Danke für deine Vorschläge. Shattered Glass und Die Journalistin habe ich bereits auf meiner Liste. Der blinde Fleck war bisher…nun ja…ein blinder Fleck bei mir. Klingt auf jeden Fall spannend – versuche, einen deiner Tipps bald zu berücksichtigen!

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