HomeAllgemein

Programmvorschau: Diese Journalistenfilme laufen 2026 im Kino

Welche Journalistenfilme in 2026 erwarten uns? Ein Blick auf die Kinostarts der kommenden Monate.                                                 

Haltet die Presse an: journalistenfilme.de feiert Geburtstag!
journalistenfilme.de-Pressepolka #3: Spotlight-Nachlese
journalistenfilme.de-Pressepolka #2: Schalt’ endlich den Spot an!

Welche Journalistenfilme in 2026 erwarten uns? Ein Blick auf die Kinostarts der kommenden Monate.                                                          

Text: Patrick Torma – Bilder: Screenshots aus den Trailern. Die Rechte liegen beim jeweiligen Verleih.

Zumindest auf dem Papier liest sich das diesjährige Line-up hochkarätig. Schon im ersten Halbjahr erwarten uns drei alte Bekannte:

Rekord-Journalistin: Sieben Auftritte in Serie - das muss Gale Weathers erstmal jemand nachmachen. In Scream 7 gibt es ein Wiedersehen mit der Reporterin. Foto: Paramount/Sony.

Rekord-Journalistin: Sieben Auftritte in Serie – das muss Gale Weathers erstmal jemand nachmachen. In Scream 7 gibt es ein Wiedersehen mit der Reporterin. Foto: Paramount/Sony.

Gale Weathers baut ihren Rekord mit Scream 7 aus

Gale Weathers zählt inzwischen zu den langlebigsten Filmfiguren überhaupt. Die Reporterin kam in bisher allen sechs Ablegern der Scream-Reihe vor – ein halbes Dutzend Auftritte hintereinander in einem Horror-Franchise bedeuten einen Rekord für Schauspielerin und Friends-Star Courteney Cox.

Einst versuchte Weathers, die Mordtaten des Ghostface-Killers auflagenträchtig auszuschlachten, mittlerweile gehört sie unbestritten zu den Heldinnen der Reihe. Eine Würdigung der Figur habe ich vor einiger Zeit mit meinem Spuk- und Spießgesellen David vorgenommen, in einer Halloween-Episode von journalistenfilme.de – der Podcast.

Ob ihre Figur im siebten Teil eine Wendung nimmt? Scream 7 läuft hierzulande am 26. Februar an.

Warum sind die Menschen in Thüringen so mies drauf? Keine Ahnung, wir sind in Sachsen. Eine Gag-Kostprobe (sinngemäß) aus dem Trailer zu Horst Schlämmers neuem Ausritt - ab März im Kino.

Warum sind die Menschen in Thüringen so mies drauf? Keine Ahnung, wir sind in Sachsen. Eine Gag-Kostprobe (sinngemäß) aus dem Trailer zu Horst Schlämmers neuem Ausritt – ab März im Kino. Foto: LEONINE.

Er tut es wirklich: Horst Schlämmer kehrt zurück

Einen Monat später, am 26. März, kommt es zum Wiedersehen mit einer ad acta geglaubten Figur: Hape Kerkeling hatte 2023 seinen Horst Schlämmer als „Prototypen des alten weißen Mannes“ eingemottet. Nur um den Chefredakteur des Grevenbroicher Tageblatts kurz darauf wieder auferstehen zu lassen. Warum? „Diese schweren Zeiten schreien nach klaren Antworten“, so Kerkeling. „Und die hat der Horst“.

Ob das stimmt, wird Horst Schlämmer sucht nach dem Glück dann in diesem Frühjahr offenbaren. Der Trailer zeigt, wie der grunzende Reporter quer durch die Republik reist, um die Menschen nach ihrem Befinden zu befragen. Wobei die Reportagesituationen ganz offensichtlich gespielt sind und auf eine leidlich komische, händereichende Deutschlandbeschau schließen lassen. Dabei hat Schlämmer mit „Isch kandidiere“ anno 2009 höchstpersönlich die Zentrifugalkräfte in diesem Land beschworen.

Wie bitte, das glauben Sie nicht? Dann bitte nochmal unseren Befund anhören: Mit Tobi, Leidensgenosse aus Grevenbroich, und Dax Werner haben wir den Flurschaden analysiert, den die Figur hinterließ.

Ein Wiedersehen mit Miranda, Andy, Nigel und anderen Figuren gibt es in "Der Teufel trägt Prada 2". Foto: Walt Disney.

Im April: Der Teufel trägt schon wieder Prada

Schließlich ist da noch Mode-Zarin Miranda Priestly (Meryl Streep): Die Chefredakteurin des Fashion-Magazins Runway machte der Nachwuchsjournalistin Andy Sachs (Anne Hathaway) in Der Teufel trägt Prada den Redaktionsalltag zur Hölle – und die Figur zur Prototypin des Girl Boss.

Im Kinohit von 2006 gibt es für Andy ein journalistisches Happyend. Dank einer Empfehlung von Miranda findet sie Anschluss an eine renommierte Zeitungsredaktion. 20 Jahre später sehen wir im Teaser, wie Andy Sachs einen Fahrstuhl besteigt, in dem Miranda Priestly bereits wartet. „Wurde auch Zeit“, kommentiert sie kühl. Wobei die Begegnung der beiden diesmal auf Augenhöhe scheint. Wie und warum sich die beiden wieder über den Weg laufen? Der Teufel trägt Prada 2 startet am 30. April.

Klick Klick Wetter - Emily Blunt macht die metereologische Berichterstattung unfreiwillig (?) zu einem Medienereignis: in Steven Spielbergs "Disclosure Day".

Klick Klick Wetter – Emily Blunt macht die metereologische Berichterstattung unfreiwillig (?) zu einem Medienereignis: in Steven Spielbergs “Disclosure Day”.

Spielberg und die Aliens: Eine Invasion als Medienereignis?

Kein reiner Journalistenfilm ist Steven Spielbergs Disclosure Day. Der Film, der am 11. Juni anläuft, trägt jedoch den Untertitel Der Tag der Wahrheit und spielt offensichtlich im Nachrichtenumfeld. Der Trailer verrät noch nicht allzu viel und doch genug: Der Großmeister (Die Verlegerin) bringt erneut seine Vorliebe für Außerirdisches auf die Leinwand.

Emily Blunt spielt eine TV-Meteorologin, die inmitten eines Wetterberichts seltsame Klick-Laute von sich gibt. Vorboten eines Erstkontakts? Die Kunde von einer bevorstehenden Invasion? Oder doch etwas ganz anderes?

Das bleibt noch im Verborgenen, aber anhand der Bilder im Trailer wird klar: Das Mysterium ist auch ein Medienereignis. Außerdem spielt Eve Hewson eine Investigativjournalistin, die wohl keine ganz unwichtige Funktion einnimmt. Das Drehbuch stammt übrigens von David Koepp. Der hat die Scripts zu großartigen Filmen wie Carlito’s Way oder Jurassic Park geschrieben, aber auch das Buch zum notorisch unterschätzten Journalistenfilm Schlagzeilen.

Und noch ein alter Bekannter: In "The Social Reckoning" wird Tech-Bro Zuckerberg allerdings nicht, wie im Quasi-Vorgänger "The Social Network" von Jesse Eisenberg gespielt, sondern von Jeremy Strong. Inhaltlich geht's um den Facebook-Leak von 2021. Foto: Sony.

Und noch ein alter Bekannter: In “The Social Reckoning” wird Tech-Bro Zuckerberg allerdings nicht, wie im Quasi-Vorgänger “The Social Network” von Jesse Eisenberg gespielt, sondern von Jeremy Strong. Inhaltlich geht’s um den Facebook-Leak von 2021. Foto: Sony.

Ein Leak um die asoziale Seite von Facebook

Ein heiß erwarteter Quasi-Nachfolger erscheint im Herbst (8. Oktober): 2010 erzählte „Medienfilmer“ David Fincher (siehe auch: Gone Girl, Zodiac, Mank) in The Social Network von der Entstehungsgeschichte von Facebook (heute Meta). Ein Film, der aktuell als einer der besten des 21. Jahrhunderts gilt, aber auch – hinsichtlich seines Wahrheitsgehalts – kontrovers diskutiert wird. Das Drehbuch stammt von Aaron Sorkin, Schöpfer der gefeierten Journalistenserie The Newsroom (die mich leider immer etwas kalt gelassen hat).

Sorkin inszeniert nun als Regisseur die „Abrechnung“: The Social Reckoning handelt von den Facebook Files, die im Jahr 2021 von der Whistleblowerin Frances Haugen durchgestochen und vom Wall Street Journal-Techreporter Jeff Horwitz aufgegriffen wurden. Die Dokumente belegten, was viele Beobachter lange nahelegten: dass Facebook wider besseres Wissen die gefährdende Wirkung seiner Algorithmen auf die mentale Gesundheit der Nutzenden monetarisierte.

Schauspielerisch erwarte ich einen Leckerbissen; u. a. spielen Mikey Madison und Jeremy Strong mit, die mich mit ihren Performances in Anora bzw. The Apprentice regelrecht in den Bann gezogen haben. Daneben bin ich gespannt, inwiefern der Film neues Bewusstsein für die problematische Dimension sozialer Netzwerke befördert. Einerseits habe ich ja den Eindruck, dass der Aufschrei viel zu schnell verklungen ist. Andererseits sehen wir ja gerade, wie Regierungen den Zugang zu TikTok, Instagram & Co. für Jugendliche zu regulieren versuchen.

Der Ku-Klux-Klan in der Eifel: Born to Fake

Soweit die „großen“ Kandidaten aus dem US-Kino, die sich für eine Besprechung auf journalistenfilme.de anbieten. Daneben gibt es sicherlich etliche Beiträge aus dem Länder-Kino oder Doku-Sektor, die in den kommenden Monaten erst auf meinem Radar aufploppen.

Ich bin ehrlicherweise auch ein fauler Hund, was Vorausschauen betrifft. Für sachdienliche Hinweise bin ich also immer dankbar, gerne unter patrick [at] journalistenfilme.de.

Im vergangenen Herbst ist mir beispielsweise die Veröffentlichung der sehr interessant klingenden Doku Born to Fake durchgegangen. Die Filmemacher Erec Brehmer und Benjamin Rost nähern sich dem 2019 verstorbenen Journalisten Michael Born, der in den 1990er-Jahren Fake-Reportagen für renommierte Sendungen wie Günther Jauchs Stern TV durchbrachte. Für Aufsehen sorgte unter anderem sein Bericht über einen vermeintlichen Ku-Klux-Klan-Ableger in der Eifel. Drehs führte er zum Teil mit Freunden und Bekannten durch, 16 Fernsehbeiträge gelten als nachweislich gefälscht. Die Geschichten journalistischer Trickster wie Stephen Glass, Claas Relotius oder Tom Kummer werfen meist die Frage nach der redaktionellen Verantwortung auf Seite der abnehmenden Medien auf. Das gilt auch für den Fall Michael Born.

Wie mir Co-Regisseur Erec Brehmer auf Anfrage verriet, soll Born to Fake in diesem Frühjahr noch einen deutschlandweiten Kinostart erfahren – voraussichtlich am 28. Mai.

Zum Abschluss ein Blick in die Fundgrube Sundance

Als kleine Fundgrube erweist sich immer wieder das Independent-Festival Sundance, das in diesen Tagen stattfindet. Dort laufen aktuell drei Dokumentationen, die ich im Auge behalten möchte. Derzeit gibt es aber noch keine Infos über Starttermine; die Filme auf dem Sundance suchen in der Regel noch nach einem Verleih.

  • Seized: Die Dokumentation greift eine US-Debatte über die Pressefreiheit aus dem August 2023 auf. Damals setzte die örtliche Polizei im US-Bundesstaat Kansas zu einer Razzia gegen die Lokalzeitung Marion County Record an. Durchsucht wurden nicht nur die Redaktionsräume, sondern auch das Haus des Chefredakteurs Eric Meyer. Das rabiate Vorgehen versetzte seine  98-jährige wie anwesende Mutter wohl derart in Aufregung, dass sie einen Tag später verstarb. Der Film versucht, diesen komplexen Fall zu rekonstruieren.
  • Kikuyu-Land: Die Journalistin Bea Wangondu kehrt in ihre kenianische Heimat zurück und stößt auf eine unterdrückte Geschichte – so weit ich das der Synopsis entnehmen kann. Es geht wohl um einen Landkonflikt zwischen einer Gemeinde und Konzernen, das komplexe Verhältnis Kenias zu den Kikuyu, Kenias größter ethnischer Bevölkerungsgruppe, um die Spätfolgen des Kolonialismus. Nichts, was ich leichtfertig zusammenfassen möchte, aber gewiss den Horizont erweitert.
  • Silenced: Der Film handelt von den abschreckenden Effekten von #MeToo. Mitproduzentin und Anwältin Jennifer Robinson erzählt von Frauen, die sich öffentlich über geschlechtsspezifische Gewalt äußerten und dann von Verleumdungsklagen überzogen wurden. Ein Beispiel, das in dem Film zur Sprache gebracht wird, ist jenes von Amber Heard. Die Schauspielerin war mit ihrem Ex-Mann Johnny Depp in einem Scheidungsprozess verwickelt, der zur öffentlichen Schlammschlacht wurde. Es wird also auch um die Rolle der Medien gehen.

Welcher Film interessiert dich besonders? Worauf freust dich? Worauf überhaupt nicht? Und: Welche Filme habe ich unterschlagen? Schreib’s mir gerne in die Kommentare.

Die Journalistenfilme in 2026 im Überblick

Scream 7 – 26. Februar

Horst Schlämmer sucht nach dem Glück – 26. März

Der Teufel trägt Prada 2 – 30. April

Born to Fake – 28. Mai

Disclosure Day – 11. Juni

The Social Reckoning – 8. Oktober

Seized, Kikiyu-Land, Silenced – noch ohne Starttermin (Premiere auf dem Sundance 2026)

COMMENTS

WORDPRESS: 0
DISQUS: 0