Das Leben schreibt die besten Geschichten. Gerade im Genre der Journalistenfilme hat diese Binsenweisheit besondere Gültigkeit. Kein Wunder, eignen sich wahre Begebenheiten doch am besten, um den Sinn (und manchmal auch Unsinn) der vierten Gewalt hervorzuheben. Der folgende Überblick enthält alle Journalistenfilme, die auf diesem Blog bereits besprochen wurden und von realen Ereignissen erzählen. Wobei ich zwischen „Journalistenfilme, die auf wahren Begebenheiten beruhen“ und „Journalistenfilme, die lose auf wahren Begebenheiten beruhen“ unterscheide – die Nennung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge. Der Artikel wird laufend erweitert, so dass sich irgendwann hoffentlich eine nahezu vollständige Liste ergibt. Viel Spaß beim Stöbern!

Text: Patrick Torma.

Journalistenfilme, die auf wahren Begebenheiten beruhen

 

Frost / Nixon

"Hatten Sie eine sexuelle Beziehung zu dieser Frau?" - ach, ne, falscher Präsident. David Frost (Martin Sheen) fühlt Ex-Präsident und Watergate-Stolperer Richard Nixon auf den Zahn - in Frost/Nixon. Bild: Universal.

„Hatten Sie eine sexuelle Beziehung zu dieser Frau?“ – ach, ne, falscher Präsident. David Frost (Martin Sheen) fühlt Watergate-Stolperer Richard Nixon auf den Zahn – in Frost/Nixon. Bild: Universal.

Schlagabtausch zwischen TV-Talker und Polit-Profi: David Frost (Martin Sheen) bittet Richard Nixon (Frank Langella) zum Interview – der Fernsehmann erhofft sich von dem Plausch mit dem gefallenen Ex-Präsidenten einen Karriere-Boost. Doch es tritt zunächst das ein, womit viele Beobachter im Vorfeld gerechnet haben. Nixon, ganz Elder Statesman, zieht den charismatischen, aber schlecht vorbereiteten Frost am Nasenring durch die Interview-Arena. Die drohende Schmach und das endgültige Karriereende vor Augen besinnt sich der Host auf journalistische Tugenden – es gelingt ihm, dem ehemals mächtigsten Mann der Welt das Geständnis für seine präsidialen Missetaten zu entlocken. Die Welt hält den Atem an… Frost/Nixon erzählt die Geschichte einer TV-Sternstunde. Der Kater kommt bei der Recherche danach: Der Film arbeitet mit Verdichtungen und Verklärungen, die psychologischen Spielchen zwischen den beiden Figuren haben sich in Wahrheit nicht so zugetragen. Spannend ist der Verbal-Thriller trotzdem.

The Idealist – Geheimakte Grönland

Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein. Auch nicht mit einer guten. Nach diesem Credo lebt Poul Brink. Der Journalist in The Idealist - Geheimakte Grönland muss aber feststelle, dass ganz unparteiisch echt schwierig ist.

Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein. Auch nicht mit einer guten. Nach diesem Credo lebt Poul Brink. Der Journalist in The Idealist – Geheimakte Grönland muss aber feststellen, dass ganz unparteiisch sein echt schwierig ist. Bild: Lighthouse Home Entertainment.

Nicht mal in der grönländischen Einöde lässt sich etwas vertuschen. 1968 stürzt nahe der Thule Air Base eine B-52 mit vier nuklearen Bomben an Bord ab. Die beteiligten Regierungen – die USA als Betreiberin der Air Base sowie Dänemark als Verwaltungsmacht Grönlands – spielen den Vorfall herunter. 20 Jahre erfährt der Journalist Poul Brink von den dänischen Arbeitern, die an der Bergung des Wracks beteiligt waren und im Laufe der Jahre – über das gesunde Maß der Statistik hinaus – schwer erkrankt sind. Der Reporter macht sich auf die Suche nach der Wahrheit – und stößt dabei auf erhebliche Widerstände. Beinahe dokumentarisch hält The Idealist – Geheimakte Grönland die Chronologie der Brink’schen Recherchen fest. Der echte Poul Brink vermag die Geschichte nicht mehr zu erzählen – er verstarb 2002 im Alter von nur 49 Jahren. Nordisch-kühler Journalistenfilm, der den Vergleich mit den großen Vorbildern nicht scheuen muss.

Insider

"Hallo? Ja, Al Pacino hier! Hast Du ein paar Minuten Zeit für mich?" Pacino schwingt sich in der Rolle des Lowell Bergman zum Superjournalisten auf - in Michael Manns The Insider. Bild: Buena Vista.

„Hallo? Ja, Al Pacino hier! Hast Du ein paar Minuten Zeit für mich?“ Pacino schwingt sich in der Rolle des Lowell Bergman zum Superjournalisten auf, der sich gegen die Tabak-Lobby auflehnt – in Michael Manns The Insider. Bild: Buena Vista.

Die Tabakindustrie, dein Freund und Arbeitgeber? Der Chemiker Dr. Jeffrey Wigand (Russell Crowe) hat so seine Zweifel. Aber das Salär und die finanzielle Absicherung für seine Familie sind zu verlockend. Bis er von der Beimischung besonders abhängig machender Zusatzstoffe erfährt und im legendären Nachrichtenformat 60 Minutes auspackt. Vorbereitet (bzw. weich geklopft) wird er vom Journalisten Lowell Bergmann (Al Pacino). Insider ist ein zweigeteilter Film, der auf den tatsächlichen Aussagen des echten Whistleblowers Wigand basiert. Konzentriert er sich in der ersten Hälfte auf den Gewissenskonflikt des Jeffrey Wigand (bestes Paranoia-Kino!), rücken in der zweiten Hälfte die Medien und ihre Mechanismen in den Vordergrund. Al Pacino schwingt sich auf zum Super-Journalisten – mitreißend gespielt, aber auch über die Grenze zum Pathos hinweg. Der echte Lowell Bergman fühlte sich geschmeichelt, musste aber einräumen, dass Pacinos Performance ein wenig über das Ziel hinaus schoss. Was nichts daran ändert, dass Insider einer der spannendsten Beiträge des Journalistenkinos überhaupt ist.

Kill The Messenger

Hoch die Hände, Recherche-Ende - Gary Webb (Jeremy Renner) ist nicht fies davor, Drogenanbaugebiete persönlich zu inspizieren. Kill The Messenger nimmt den Gehorsam der US-Medien ins Visier.

Hoch die Hände, Recherche-Ende – Gary Webb (Jeremy Renner) ist nicht fies davor, Drogenanbaugebiete persönlich zu inspizieren. Kill The Messenger nimmt den Gehorsam der US-Medien ins Visier. Bild: Universal Pictures.

„Manche Geschichten sind zu wahr, um sie zu verbreiten“, das muss Gary Webb am eigenen Leibe erfahren. Der Journalist berichtet über die Verbindungen der CIA zu den nicaraguanischen Contras, die ihren Kampf gegen die sandinistische Regierung mit Drogengeldern finanzieren. Da die USA etwas gegen sozialistische Regime vor ihrer Haustür haben, lassen sie die Contras gewähren – auch unter den Umständen, dass der Stoff auf den eigenen Straßen landet. Die Geschichte ist gar nicht mal so neu – bereits 1986 hatte ein Ausschuss auf Initiative des späteren US-Außenministers John Kerry die Hintergründe untersucht. Doch als Webb seine Artikelserie Dark Alliance veröffentlicht, wird er von gleich mehreren Seiten in die Mangel genommen. Mitglieder der Regierung drohen ihm unverhohlen. Gleichzeitig stellen die großen Traditionsblätter, die sich von einem Reporter einer Regionalzeitung düpiert fühlen, Webbs Integrität in Frage, sein Privatleben kommt auf den Seziertisch. Arbeitgeber und Familie wenden sich ab, am Ende ist Webb ein gebrochener Mann. Der echte Garry Webb nimmt sich 2004 das Leben. Das Werk einer Verschwörung? Kill The Messenger legt diese Deutung nahe. Der eigentliche Skandal ist jedoch das Multiorganversagen der vierten Gewalt. Ein bisschen viel Paranoia der Paranoia wegen – davon abgesehen ist Kill The Messenger ein guter, nachdenklich stimmender Beitrag zum Genre.

The Killing Fields

Der Schrecken des Bürgerkrieges in Kambodscha: Der Fotojournalist Dith Pran irrt durch eine Heimat, die ihn zu verscharren versucht - auf den titelgebenden Killing Fields.

Der Schrecken des Bürgerkrieges in Kambodscha: Der Fotojournalist Dith Pran irrt durch eine Heimat, die ihn zu verscharren versucht – auf den titelgebenden Killing Fields. Bild: Warner Bros.

In den Wirren der Machtergreifung der Roten Khmer in Kambodscha werden der US-Journalist Sydney Scharnberg und der einheimische Fotoreporter Dith Pran getrennt: Gemeinsam wollen sie das Land verlassen, doch nur Scharnberg darf ausreisen. Für Pran beginnt eine vierjährige Leidenszeit: In permanenter Gefahr von den neuen Machthabern als Intellektueller enttarnt und auf den titelgebenden Killing Fields verscharrt zu werden, schlägt er sich durch eine kriegsgebeutelte Heimat, die knapp 40 Jahre später noch immer unter den Folgen eines mörderischen Regimes leidet. Bis zu 2,2 Millionen Kambodschaner wurden für Pol Pots Vision eines bäurischen Utopias getötet, das Land zählt heute zu den ärmsten der Welt. Ein Mahnmal von einem Film. Und das Dokument einer Freundschaft zweier Journalisten, die selbst eine Terrorherrschaft überdauert hat: Nachdem Dith Pran die Flucht ins benachbarte Thailand gelingt, fliegt er in die USA, wo er auf seine Familie trifft und später wieder mit Scharnberg zusammenarbeitet. Der schreibt das Buch The Life and Death of Dith Pran – die Vorlage für diesen beklemmenden wie beeindruckenden Film.

Der Moment der Wahrheit

"Wenn Journalisten aufhören Fragen zu stellen, dann hat das Volk verloren", sagt Dan Rather (Robert Redford) in Der Moment der Wahrheit. Aber auch Journalistinnen wie Mary Mapes (Cate Blanchett) müssen sich zunehmend Fragen gefallen lassen.

„Wenn Journalisten aufhören Fragen zu stellen, dann hat das Volk verloren“, sagt Dan Rather (Robert Redford) in Der Moment der Wahrheit. Aber auch Journalistinnen wie Mary Mapes (Cate Blanchett) müssen sich zunehmend Fragen gefallen lassen. Bild Sony Pictures.

Mary Mapes ist eine engagierte Journalistin. Als solche hat sie den Folterskandal von Abu Ghraib durch US-amerikanische Soldaten aufgedeckt. Nun bekommt der Präsident sein Fett weg. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2004 berichtet sie über Ungereimtheiten in Georg W. Bushs Lebenslauf: Hat sich ausgerechnet der Kriegspräsident als junger Mann vor einem Einsatz in Vietnam gedrückt? Die Geschichte scheint rund, da kommen Zweifel an der Echtheit eines Schlüsseldokumentes auf. Plötzlich muss sich Mary Mapes rechtfertigen. Vor den Obrigkeiten, vor der Verlagsleitung, vor der Öffentlichkeit. Der Moment der Wahrheit schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Kill The Messenger: Der Überbringer schlechter Nachrichten wird zum Nestbeschmutzer. Während Kill The Messenger zum mehr Thriller tendiert, geht Der Moment der Wahrheit dezidiert auf jene Kräfte ein, die in unserer heutigen Zeit auf den Journalismus einwirken. Kein klassisches Lehrstück, vielmehr ein Gegenentwurf zum im selben Jahr erschienen Spotlight, der den Journalismus nicht als losgelöste Institution, sondern als Teil eines immer komplizierteren Systems dargestellt. Ganz starkes, hierzulande leider übersehenes Kino.

The Program

Schön weitermachen im Programm: The Program schildert den Aufstieg des US-Amerikaners Lance Armstrong zu einem der größten Sportler der Welt - und seine Entlarvung als Dopingsünder. Der Film basiert auf den Recherchen des Journalisten David Walsh.

Schön weitermachen im Programm: The Program schildert den Aufstieg des US-Amerikaners Lance Armstrong (gepsielt von Ben Foster) zu einem der größten Sportler der Welt – und seine Entlarvung als Dopingsünder. Der Film basiert auf den Recherchen des Journalisten David Walsh. Bild: Studiocanal.

Lance Armstrong hätte der größte Radfahrer aller Zeiten sein können. Stattdessen bleibt er als einer der größten Sportbetrüger in Erinnerung. Gleich siebenmal in Folge gewinnt der Amerikaner die Tour De France. Heute klafft auf dem Siegertableau zwischen den Jahren 1999 bis 2005 eine Lücke. Nach seinem Rücktritt vom Ruhestand wird Armstrong des Dopings überführt, die Siege werden ihm allesamt aberkannt. Allerdings hätte dieser Skandal nie so erdrutschartig losbrechen müssen. Bereits 1999 äußert der Sportjournalist David Walsh Zweifel an der plötzlichen Leistungsexplosion des Texaners. The Program basiert auf Walsh‘ Buch Seven Deadly Sins und rast dabei in Bestzeit durch Armstrong Radkarriere – von der Geburt einer Legende bis zu ihrer Demontage in 103 Minuten. Tolle schauspielerische Performances (allen voran Ben Foster als radelnder Mobster Armstrong) und spektakuläre Rennszenen bringen den Film sicher ins Ziel. Was die journalistische Darstellung betrifft: The Program ist weniger an der Aufarbeitung eines sportjournalistischen Scoops interessiert, sondern vielmehr an der Entglorifizierung eines Dopingsünders, der zwischenzeitlich wie ein Heiliger verehrt wurde.

Schtonk!

Der Triumph des Williés. Hermann Willié lässt sich für die Entdeckung der Hitler-Tagebücher feiern. Das Problem: Der Führer hat gar nicht Buch geführt. Schtonk! persifliert einen der größten, deutschen Medienskandale.

Der Triumph des Williés. Hermann Willié (Götz George) lässt sich für die Entdeckung der Hitler-Tagebücher feiern. Das Problem: Der Führer hat gar nicht Buch geführt. Schtonk! persifliert einen der größten, deutschen Medienskandale. Foto: EuroVideo Medien.

Hitler sells. Denkt sich auch Der Stern, als er 1983 die Tagebücher des Führers veröffentlicht. Dumm nur, dass das Gruner + Jahr-Flaggschiff auf Falsifikate des Kunstfälschers Konrad Kujau hinein fällt. Die Veröffentlichung der falschen Hitler-Tagebücher geht als eine der größten Blamagen des Journalismus in die Geschichte ein. Regisseur Helmut Dietl arbeitet Anfang der 1990er-Jahre den kruden Führerkult und das schizophrene Verhältnis der Deutschen zur Nazi-Vergangenheit in seinem Film Schtonk! (Ein Wort, das in Chaplins Hitler-Parodie Der große Diktator fällt) aus. Dietl tauscht die echten Personen gegen fiktive Figuren aus und überzeichnet sie gnadenlos. Und doch orientiert sich die Satire sehr genau an der Chronologie der echten Ereignisse. So abstrus das ist, was wir in Schtonk! zu sehen bekommen – das Wissen darum, dass fast jede Szene einen wahren Kern besitzt, lässt die Realität umso absurder erscheinen. Höhepunkt ist der Triumpf des Journalisten Hermann Willié (Götz George), der auf der Pressekonferenz selbst zur Führerkarikatur mutiert. Ein Klassiker des deutschen Kinos.

Spotlight

Ein Blatt macht endlich ernst. Nachdem der flächendeckende Kindesmissbrauch in der Bostoner Kirche als Gerücht durch die Stadt wabert, greift die Recherche-Redaktion der örtlichen Zeitung - Spotlight vom Boston Globe - die Vorwürfe auf. Und tritt eine Lawine los.

Ein Blatt macht endlich ernst. Nachdem der flächendeckende Kindesmissbrauch in der Bostoner Kirche als Gerücht durch die Stadt wabert, greift die Recherche-Redaktion der örtlichen Zeitung – Spotlight vom Boston Globe – die Vorwürfe auf. Und tritt eine Lawine los. Bild: Paramount.

Spotlight erzählt die wahre Geschichte des Rechercheteams beim Boston Globe. Angestupst von den Redaktionschef Martin Baron (Liev Schreiber), der die Zeitung wieder unverzichtbar machen möchte, gehen die investigativen Journalisten um Walter Robinson einem Missbrauchsfall in der katholischen Kirche nach. Schnell stellt sich heraus, dass es sich hier nicht um Einzelfall handelt – nach und nach ergibt sich das Bild eines flächendeckenden Missbrauchs. Spotlight zeigt, wozu der Journalismus in der Lage ist, wenn er sich auf seine Basics besinnt. Dabei geht Regisseur Tom McCarthy sehr sensibel mit der Thematik um, er porträtiert einen Journalismus im Dienste der Menschlichkeit – ohne Sensationsgier, ohne große Tränendrückermomente. Als Journalistenfilm wirkt Spotlight, dessen Geschichte zu Beginn der 2000er-Jahre spielt, jedoch aus der Zeit gefallen. Er zeigt ein Redaktionsteam, das weitestgehend frei von allen äußeren Einflüssen (der neue Chef Martin Baron hält schützend seine Hand über Spotlight) recherchieren darf. Der im selben Jahr erschienene Der Moment der Wahrheit etwa spiegelt die Lebenswirklichkeit heutiger Journalisten eher wider als der nostalgisch anmutende Oscargewinner von 2016. Was den Film allerdings nicht schmälern soll: Spotlight ist ein hervorragendes und einfühlsames Plädoyer für funktionierenden Journalismus.

Die Unbestechlichen

Zwei Grünschäbel bringen den mächtigsten Mann der Welt ins Wanken. Carl Bernstein (Dustin Hoffman) und Bob Woodward (Robert Redford) ermitteln im Fall des Watergate-Einbruchs. Wie die Geschichte ausgeht, das ist bekannt. Spannend ist Die Unbestechlichen aber dennoch. Bild: Warner Bros.

Zwei Grünschäbel bringen den mächtigsten Mann der Welt ins Wanken. Carl Bernstein (Dustin Hoffman) und Bob Woodward (Robert Redford) ermitteln im Fall des Watergate-Einbruchs. Wie die Geschichte ausgeht, das ist bekannt. Spannend ist Die Unbestechlichen aber dennoch. Bild: Warner Bros.

Journalisten im Film gab es vorher, aber dieser hier definiert das Genre. Die Unbestechlichen ist die Urmutter aller Journalistenfilme. Ein Lehrstück, Vorbild und Inspiration für eine ganze Generation von Journalisten, das auch heute noch, 40 Jahre nach Erscheinen, wichtige Aspekte des Journalismus verhandelt. Im Blickpunkt steht der wohl bekannteste Zeitungsscoop in der Geschichte des investigativen Journalismus: Zwei grünschnäbelige Reporter der Washington Post, Bob Woodward und Carl Bernstein (gespielt von Robert Redford und Dustin Hoffman), bringen die präsidialen Schweinereien des mächtigen Mannes der Welt ans Licht. Richard Nixon wird später über die Watergate-Affäre stolpern. Bevor es so weit kommt, fährt der Film den Abspann ab. Das Ende ist ohnehin bekannt (erst recht aus heutiger Sicht – jetzt, wo der legendäre Whistleblower Deep Throat enttarnt ist), der Film bezieht seine Spannung aus dem Prozess der Recherche heraus. Wie bei einer Detektivgeschichte, bei der der Täter von Beginn an bekannt ist. Auch wenn die Sehgewohnheiten heute andere sind – Die Unbestechlichen ist und bleibt ein Meisterwerk. Punkt.

Zodiac – Die Spur des Killers

Transparenzprobleme im Tierkreiszeichen. Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal) grübelt? Wer ist wohl der Zodiac-Killer. Eine Nation grübelt mit - und wundert sich über das Gebaren mancher Medien. Bild: Warner Bros.

Transparenzprobleme im Tierkreiszeichen. Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal) grübelt? Wer ist wohl der Zodiac-Killer. Eine Nation grübelt mit – und wundert sich über das Gebaren mancher Medien. Bild: Warner Bros.

Leserbrief vom Killer: Mit seinen Mordtaten und Mitteilungen an die örtliche Presse hält der Zodiac-Killer Ende der 1960er-Jahre den Großraum San Francisco in Atem. Die Mordserie ist bis heute nicht aufgeklärt – was den Reiz dieser Verbrechen ausmacht. David Fincher versucht gar nicht, uns eine mögliche Lösung aufzutischen. Er konzentriert sich stattdessen auf die Menschen, die diesen Fall bearbeiten. Dazu gehört auch der ehemalige Karikaturist des San Francisco Chronicle, Robert Graysmith (gespielt von Jakegyllenhaal), der tief in die Abgründe der Psyche des Killers hinunterzusteigen versucht. Zodiac – Die Spur des Killers ist ein Film über den Hype und die Besessenheit, die dieser Hype auslösen kann. Obwohl die eigentlichen Geschehnisse über 50 Jahre zurückliegen, wirft der Film aktuelle Fragen zur Funktionsweise der Medien auf, insbesondere zur Transparenz und Legitimation von Sensationsberichterstattung. Etwas zu lang geraten, aber in jedem Fall sehenswert.

Journalistenfilme, die lose auf wahren Begebenheiten beruhen:

Almost Famous

Was ist das bloss für 1 Job vong Nicigkeit her? Almost Famous erzählt von einem Jungen, der auszog, Musikjournalist zu werden. Die Vorlage liefern die Jugenderfahrungen des Regisseurs höchstpersönlich. Bild: Columbia Pictures.

Was ist das bloss für 1 Job vong Nicigkeit her? Almost Famous erzählt von einem Jungen, der auszog, Musikjournalist zu werden. Die Vorlage liefern die Jugenderfahrungen des Regisseurs höchstpersönlich. Bild: Columbia Pictures.

William Miller träumt den Traum vieler Teenager: Als Jugendlicher geht er mit der (fiktiven) Band Stillwater auf Tour. Der Nachwuchs-Rock’n’Roll-Reporter schreibt im Auftrag des legendären Rolling Stone Magazins eine Reportage – und lernt dabei sehr viel über Freundschaft, Zusammenhalt und die Liebe. Regisseur Cameron Crowe verarbeitet in Almost Famous Autobiographisches: Als 16-jähriger Nachwuchsjournalist begleitete er die Allman Brothers. Ein warmherziger Film über ein hartes Business – für Freunde der gepflegten Gitarrenmusik und alle, die fürs Kulturressort zuständig sind.

Das Boot

Glück auf, der Foto-Fritze kommt: Der Kriegsberichterstatter Lieutenant Werner (Herbert Grönemeyer) wird an Bord von Das Boot kritisch von der Crew beäugt. Die Romanvorlage verarbeitet die Kriegserlebnisse des Autors Buchheim. Bild: Bavaria FIlm.

Glück auf, der Foto-Fritze kommt: Der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer) wird an Bord von Das Boot kritisch von der Crew beäugt. Die Romanvorlage verarbeitet die Kriegserlebnisse des Autors Buchheim. Bild: Bavaria FIlm.

Wolfgang Petersen maritimes Kriegsepos: Der junge Leutnant Werner (Herbert Grönemeier) steigt als Kriegsberichterstatter an Bord des Unterseebootes U 96, das zur nächsten Feindfahrt ausläuft. Bislang kennt Werner den Krieg nur aus den verklärenden Bildern der Wochenschau – das wird sich in kommenden Tagen, tief unter der Wasseroberfläche, grundlegend ändern… Leutnant Werner ist das Alter Ego von Lothar-Günther Buchheim, der in der Buchvorlage seine Erlebnisse als Berichterstatter verarbeitet hat. Mit Petersens Umsetzung war der Autor nicht zufrieden: Das Boot sei ein Kinderfilm geworden.

Cronicas

Lassen Sie mich durch, ich bin Journalist! Das, was Manolo Bonilla und sein Team in Cronicas abziehen, geht auf keine Kuhhaut. Was diesem höchst eigenwilligen Film eine interessante Note verleiht Bild: (Face)Palm Pictures.

Lassen Sie mich durch, ich bin Journalist! Das, was Manolo Bonilla und sein Team in Cronicas abziehen, geht auf keine Kuhhaut. Was diesem höchst eigenwilligen Film eine interessante Note verleiht Bild: (Face)Palm Pictures.

Journalistenthriller aus Ecuador – Cronicas ist so etwas wie der gewaltsame Versuch, einen Auslandsoscar in den südamerikanischen Andenstaat zu entführen. Man nehme eine Starbesetzung (u.a. John Leguizama, Alfred Molina) und stricke eine Geschichte um einen Serienkiller, den es in Wirklichkeit gegeben hat. Vorbild für den Mörder in Cronicas ist Pedro Alfonso López, auch bekannt als das Monster der Anden, das über 300 Menschen in Südamerika auf dem Gewissen haben soll. Das war’s aber schon mit den Parallelen zur Wirklichkeit. Mit dem Oscar hat’s nicht geklappt. Dafür haben wir von journalistenfilme.de zu Ehren von Manolo Bonilla, den journalistischen Schwerenöter in Cronicas, den Goldenen Bonilla ins Leben gerufen – für herrlich beschissene Recherchemethoden. Und damit der ecuadorianische Film endlich einen anständigen Preis gewinnt.

Fear and Loathing in Las Vegas

Seeiin Aaaanwaaalt bricht zusammen - und das ausgerechnet mitten im Fledermausland. Fear and Loathing in Las Vegas basiert auf dem drogengeschwängerten Erlebnisbericht des Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson. Bild: Universal Pictures.

Der Aaaanwaaalt bricht zusammen – und das ausgerechnet mitten im Fledermausland. Fear and Loathing in Las Vegas basiert auf dem drogengeschwängerten Erlebnisbericht des Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson. Bild: Universal Pictures.

Was sich auf seinem Trip in die Abgründe der Spielerstadt Las Vegas zugetragen hat und was nicht, das wusste nur Hunter S. Thompson selbst. Wenn überhaupt. Fear and Loathing in Las Vegas ist der drogengeschwängerte Erlebnisbericht des Gonzo-Journalisten, der sich einst auf die Suche nach den Resten des amerikanischen Traums begab. Kreativkopf Terry Gilliam brachte die lange als unverfilmbar geltenden Ergüsse mit Johnny Depp in der Hauptrolle auf die Leinwand – und schuf damit einen Kultklassiker.