Simon Hunt ist abgebrannt: Der gefallene Krisenjournalist (gespielt von Richard Gere, siehe auch The Mothman Prophecies) möchte die Nachkriegswirren im ehemaligen Jugoslawien nutzen, um den Kriegsverbrecher „Fuchs“ dingfest zu machen. Tatsächlich kommen er und seine Kollegen Duck (Terrance Howard) und Benjamin (Jesse Eisenberg) sehr nahe an den Gesuchten heran. Doch sie müssen feststellen, dass die Weltöffentlichkeit hat kein ernsthaftes Interesse daran hat, den „Fuchs“ zu fangen. Ein Skandal, der sich so – oder besser: so ähnlich – zugetragen hat. Doch Hunting Party weiß mit seiner wahren Begebenheit nicht viel anzufangen. Warum das so ist, bespricht Patrick mit seinen Podgästen David und Tobi – in Folge 3 von journalistenfilme.de – der Podcast.

Text: Patrick Torma. Bildmaterial: MGM/Weinstein Company.

Aus einer Schnapsidee wird purer Ernst. In seinem Artikel What I did on my summer vacation erzählt der Journalist Scott Anderson davon, wie er und einige seiner Kollegen die fixe Idee fassen, den Kriegsverbrecher Radovan Karadžić gefangen zu nehmen. Wir schreiben das Jahr 2000. Seit vier Jahren liegt gegen den ehemaligen Präsidenten der bosnisch-serbischen Republik auf dem Boden des heutigen Bosnien und Herzegowina ein internationaler Haftbefehl vor. Ihm werden zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges zur Last gelegt, die in der kollektiven Wahrnehmung im Völkermord von Srebrenica kulminieren.  Aus einer Bierlaune heraus entschließt sich Anderson dazu, der Gerechtigkeit einen kräftigen Schubs zu geben.

Umso überraschter ist er, als er feststellt, dass die Spuren zu Karadžić alles andere als erkaltet sind. Sein Suchtrupp heftet sich an die Fersen des Kriegsverbrechers. Die Tarnung als CIA-Agenten erweist sich in dem zerbombten Land als hilfreich – bis sich die echte CIA einschaltet. Anstatt auf der Fahndung der Journalisten aufzubauen, bringt sie diese zum Erliegen. Anderson ist schockiert darüber, wie wenig sich sein Land für die Ergreifung interessiert – seine Entrüstung ist die Triebfeder für den zynischen Reisebericht, den Anderson im Männermagazin Esquire veröffentlicht. Der allgemeine Aufschrei bleibt aus.

Immer auf der Suche nach dem nächsten Knall(er): Kameramann Duck (Terrence Howard) ist ein Adrenalin-Junkie und Teil der Hunting Party.

Immer auf der Suche nach dem nächsten Knall(er): Kameramann Duck (Terrence Howard) ist ein Adrenalin-Junkie – und Teil der Hunting Party.

Hunting Party: Die Jagd nach Karadžić

Welche Passagen in What I did on my summer vacation der Wahrheit entsprechen und was in abenteuerlicher Erregung aufgebauscht wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Am Ende der Zeilen steht jedoch ein Skandal, der sich nur schwer leugnen lässt. Gemessen an den Grausamkeit, die Karadžić zu verantworten hat, fiel die Suche nach ihm halbherzig aus, wie man heute weiß. Vielleicht sollte der Film Hunting Party so etwas wie ein Versuch sein, diesen Skandal ans Licht zu zerren. Ein Versuch, der in zweierlei Hinsicht ins Leere zielte, weil er 1) schnell von der Realität eingeholt wurde (Karadžić wurde wenige Monate nach dem Kinostart im Herbst 2007, im Sommer 2008, in Serbien aufgegriffen) – und weil er 2) an den Kassen unterging. Ersteres war nicht abzusehen. Das Box Office-Versagen hat sich Richard Shepards illustre Jagdgesellschaft selbst zuzuschreiben.

Den Gründen spüren wir in der dritten Folge von journalistenfilme.de – der Podcast nach. Wir – das sind, neben meiner Wenigkeit, meine geschätzten Kollegen und Freunde David Müller und Tobias Quiram. Ihre Stimmen kennt man aus unzähligen (Erbsenzähler quäken, es seien doch „nur“ achtzig) Episoden des Medien-Nomaden-Podcasts oder aus dem sehr launigen Wikipedia-Roulette (David). Das Ergebnis ist ein leidenschaftlicher Talk über einen höchst mittelmäßigen Streifen. Wieso steckt in einem Film über Kriegsjournalisten herzlich wenig Journalistenfilm? Worin besteht der Sinn bzw. Unsinn einer Fiktionalisierung, wenn man doch eine halbwegs brauchbare Geschichte zur Vorlage nehmen könnte? Und warum geht die eigentliche Punchline von Hunting Party, der Skandal hinter der Story, verloren? Viele ärgerliche Fragen, die auf Antworten warten. Wir wünschen viel Spaß beim Hören!

Am Ende bleibt mir nur wieder nur eines: mich für Feedback und Anregungen zum Podcast zu bedanken. Gerne nehme ich Wünsche für künftige Aufnahmen entgegen. Auch freue ich mich über „Bewerbungen“ – wenn Ihr journalistenfilme.de – der Podcast mitgestalten wollt, meldet Euch. Das Format lebt von unterschiedlichen Blickwinkeln und wechselnden Gästen.

Frühere Folgen finden Ihr übrigens hier:

Nightcrawler mit Christian Genzel (Lichtspielplatz)
Future World mit Thomas Laufersweiler (SchönerDenken)