Making-of eines Journalistenfilms: Aus dem heimischen Bücherregal auf die Leinwand – an der Seite von engagierten Menschen realisiert Michael Schäfer die Verfilmung von Rafik Schamis bekannten Roman Eine Hand voller Sterne. Dahinter steckt weitaus mehr als die Erfüllung eines künstlerischen Traums. Der Film soll – wie schon das Buch – auch ein universelles Plädoyer für die Meinungsfreiheit sein. In Folge #4 von Journalistenfilme.de gibt der Regisseur einen spannenden Einblick in die Realisierung eines ambitionierten wie unterstützenswerten Projektes.

Text & Moderation: Patrick Torma. Bildmaterial: Produkion Eine Hand voller Sterne.

Damaskus, 1969: Sami wächst in einem Armenviertel der syrischen Hauptstadt  auf. Sein Vater bereitet ihn auf das Leben als Bäcker in der heimischen Backstube vor. Doch der Heranwachsende fühlt sich mehr den schönen Worten verbunden: Er beginnt Tagebuch zu führen. Dabei reflektiert er nach und nach die Ungerechtigkeiten in seinem Umfeld. Kinder werden in die Scherereien von Betrügern hineingezogen, ein Geheimdienstler denunziert Nachbarn, Menschen werden verschleppt. Eines Tages lernt Sami  Habib kennen. Der alternde Journalist ist durch regierungskritische Berichterstattung in Ungnade gefallen, weshalb er sich mehr oder minder bedeckt hält. Durch Samis Interesse an seinem Beruf – der Teenager entdeckt schnell, dass Worte nicht nur blumigen Umschreibungen dienen – flammt jedoch das journalistische Feuer in Habib wieder auf. Mentor und Schüler gründen eine anonyme Sockenzeitung, in der sie auf die Missstände in Damaskus hinweisen. Ein riskantes Unterfangen…

Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami  ist eine doppelbödige Coming of Age-Geschichte. Einerseits unterliegt der jugendliche Sami den typischen Irrungen und Wirrungen im Leben eines Heranwachsenden: Es geht um Liebe, Sinnsuche und die Entwicklung des eigenen Ichs. Gleichzeitig begleiten wir Sami dabei, wie er vor der Kulisse eines autoritären Systems zu einem mündigen Bürger reift. Die Frage, die der Autor zwischen den Zeilen an den Leser stellt, sie ist kaum zu überlesen: Welche Gefahren würdest Du eingehen, um Deine Freiheit zu bewahren?

Podgast in Action – Michael Schäfer, Regisseur von Eine Hand voller Sterne, während der Location-Suche im Libanon.

Brandaktuell und gleichzeitig universell

Das syrische Setting verleiht Eine Hand voller Sterne eine gewisse Aktualität, wodurch das Buch verstärkt wieder Einzug in den Deutschunterricht unserer Schulen hält. Der Filmemacher Michael Schäfer, der den Roman einst von seiner Frau geschenkt bekam, möchte mit der Verfilmung auch an die Anfänge des Syrien-Konfliktes erinnern: an die friedlichen Proteste im Zuge des arabischen Frühlings, deren gewaltsame Niederschlagung einen Bürgerkrieg anzettelten, in den sich inzwischen eine ganze Reihe von Stellvertretern eingemischt hat. Gleichwohl verweist Michael Schäfer auf den universellen Charakter der Geschichte – sie könne überall spielen, wo Menschenrechte mit den Füßen getreten werden. In der heutigen Türkei. In den ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR. Oder in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die Verfilmung von Ein Hand voller Sterne befindet sich aktuell in der Vorproduktion. Schauspieler sind gecastet, Drehorte (unter anderem) im Libanon gescoutet, die Arbeiten am Skript weit fortgeschritten. Wenn es optimal läuft, ist Drehstart im Herbst 2018, die Kinos soll der Film 2020 erblicken. In der vierten Folge von Journalistenfilme.de – der Podcast gibt Michael Schäfer spannende Einblicke in die Entstehung eines Journalistenfilms mit einer humanitären Message. Ich jedenfalls finde es wahnsinnig interessant, diesen Prozess zu verfolgen und ein wenig hinter die Kulissen zu blicken – daher vielen Dank, Michael, für diesen kleinen „Insider-Bericht“. Ich hoffe Ihr, liebe Hörer, könnt dem Podcast, vor allem aber dem Projekt Eine Hand voller Sterne, genauso viel abgewinnen. So wohl das eine als auch das andere würde mich sehr freuen!

journalistenfilme.de – der Podcast im RSS-Feed.

Wer das Produktionsteam bei der Realisierung von Eine Hand voller Sterne unterstützen möchte: Da große Teile des Drehs im Ausland stattfinden, ist die Produktion verstärkt auf freie Investorengelder angewiesen. Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen eine Startnext-Kampagne ins Leben gerufen, die noch bis zum 10. Juni 2018 läuft. Wie es sich für eine ordentliche Crowdfunding-Kampagne gehört, gibt es einige tolle „Dankeschöns“ für „Backer“. Unabhängig davon ist die Verfilmung dieses wundervollen Romans von Rafik Schami, der eine Vielzahl wichtiger Themen verhandelt, unterstützenswert. Unter den folgenden Links könnt Ihr Euch ein Bild von dem Projekt machen: