Die Unbestechlichen: Dustin Hoffman und Robert Redford bei der Recherche.

Wenn es einen Film gibt, den jeder angehende Journalist gesehen haben sollte, dann ist es „Die Unbestechlichen“. Nicht aufgrund der Tatsache, dass der Film die Geschichte zweier junger Journalisten erzählt, die den mächtigsten Mann der Welt (vermeintlich) zu Fall  brachten. Pressefreiheit, Informantenschutz, die Rolle der Medien als vierte Gewalt, die Grundvoraussetzung sauberer Recherche: Kaum ein Film lotet das Wesen des Journalismus derart dezidiert aus wie Alan J. Pakulas Meisterwerk. „Die Unbestechlichen“ ist ein hervorragendes Plädoyer für journalistische Integrität – und damit ein würdiger Start für journalistenfilme.de.

Von Patrick Torma. Bildmaterial: Warner Bros. Pictures

Die Watergate-Äffare gehört zu den einschneidenden Ereignissen der modernen US-Geschichte. Man stelle sich vor: Ein Präsident hebelt die Prinzipien der Demokratie aus, um seine politischen Gegner mundtot zu machen. Kein Wunder, dass Hollywood früh an einer Verfilmung des Polit-Skandals interessiert ist. Noch 1974, im selben Jahr, in dem Richard Nixon abdankt, tritt Robert Redford an Bob Woodward und Carl Bernstein heran, um mit ihnen über die Rechte an ihrem Buch zu verhandeln. Die beiden Journalisten bereiten gerade eine Chronologie des Skandals auf. Doch der Film soll weitaus mehr als nur eine zeitliche Abfolge der Ereignisse umfassen. Redford interessiert sich weniger für die verbrecherischen Aktivitäten unter dem Deckmantel des Sternenbanners, sondern vielmehr für die Entstehungsgeschichte des Scoops. Wie ist es möglich, dass zwei blutjunge Berufsanfänger, denen es an Erfahrung und Kontakten in die Polit-Szene Washingtons fehlt, die Machenschaften des obersten Politikers des Landes aufdecken?

Ob es das schmeichelnde Interesse aus Hollywood ist – oder doch die Summe über 450.000 Dollar, die ihnen Redford für die Rechte anbietet – die Autoren sind von Redfords Vorschlag, die Perspektive zu wechseln, begeistert und überarbeiten ihr Manuskript. Es ist ein entscheidender Dreh, der weitreichende Folgen für die Reputation der beiden Reporter haben wird: Zwar haben sie sich mit ihren Watergate-Enthüllungen bereits einen Namen gemacht, doch erst mit der Verfilmung werden sie zu einer Marke mit Vorbildfunktion für eine gesamte Generation von Nachwuchsjournalisten.

Die Unbestechlichen macht Carl Bernstein und Bob Woodward zu Vorbildern einer Journalistengeneration.

Carl Bernstein (Dustin Hoffman) und Bob Woodward (Robert Redford) werden durch den Film zu Vorbildern einer gesamten Journalistengeneration.

Zwei Journalisten werden zur Marke

Diesen Hype können Woodward und Bernstein freilich nicht erahnen. Noch im selben Jahr lässt Robert Redford ein Skript entwickeln, die Wahl fällt auf den Autoren William Goldberg. Man kennt sich – unter anderem aus der Zusammenarbeit zur Western-Komödie Zwei Banditen. Der Film, in dem Robert Redford die Rolle des Gesetzlosen Sundance Kid spielt, wird bei den Academy Awards 1970 mit vier Oscars ausgezeichnet – eine Statuette gibt es für das Drehbuch, welches aus der Feder von Goldberg stammt. Die Arbeit an Die Unbestechlichen wird ihm den zweiten Goldjungen bescheren, auch wenn im Arbeitsprozess selbst zunächst nichts darauf hindeutet: Das erste Skript kommt bei den Watergate-Enthüllern nicht gut an, insbesondere zwischen Goldberg und Bernstein kriselt es. Auch Redford scheint wenig überzeugt, er lässt Bernstein und dessen Freundin, Nora Ephron, eine zweite Fassung anfertigen.

Goldberg empfindet Robert Redfords Auftrag an Bernstein als „feigen Verrat“, wie er Anfang der 1980er-Jahre in seinem Buch Adventures in the Screen Trade: A Personal View of Hollywood and Screenwriting schreibt. Bernstein habe seine Rolle in ein besonders schmeichelhaftes Licht rücken wollen, vor allem was dessen Wirkung auf Frauen betrifft. Bernstein ist ein Mann mit einer gewissen Eitelkeit: Wie er im Making-of der Special Edition zugibt, habe er sich explizit einen gutaussehenden Darsteller für seine Rolle gewünscht. Mit Dustin Hoffman ist Bernstein gut bedient.

Robert Redford steht zwischen den Stühlen. Er schätzt Woodward und Bernstein, will ihre Geschichte akkurat wiedergeben. Doch er weiß auch: Journalisten sind keine Drehbuchautoren. Der Spagat zwischen erzählerischer Genauigkeit und Dramaturgie muss stimmen. Das Bernstein-Ephron-Skript macht ihm die Entscheidung leicht. Bei aller Sympathie für Bernstein – vieles aus diesem Buch ist nicht zu gebrauchen. Robert Redford und der inzwischen ins Projekt eingestiegene Regisseur Alan J. Pakula setzen selbst den Stift an. Der Sohn polnischer Einwanderer gilt dank seiner Vorgänger-Filme Klute und Zeuge einer Verschwörung als Experte für Thriller-Stoffe. Arbeitsgrundlage ist Goldbergs Fassung, nur einzelne Szenen aus der Feder Bernsteins und Ephrons schaffen es in das überarbeitete Drehbuch, das auch weiterhin Goldbergs Namen trägt.

Rebort Redford alias Bobwoord in dem Film Die Unbestechlichen.

Die Unbestechlichen, ein Film mit Folgen für die Wahrnehmung des Journalismus. Die Washington Post, Bernsteins und Woodwards Arbeitgeber, steht dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber.

Skepsis und Hoffnung der Zeitungsbranche

Nicht nur die Arbeit am Drehbuch erweist sich als schwierig. Woodward und Bernsteins Arbeitgeber bei der Washington Post wollen ebenso überzeugt sein, ohne ihre Unterstützung ist keine authentische Darstellung der Geschichte möglich. Ben Bradlee wird sich zwar im Nachgang des Welterfolgs überschwänglich äußern und die gute Zusammenarbeit loben. Doch Fakt ist: Der Chefredakteur steht dem Projekt anfangs skeptisch gegenüber. Bradlee sieht zwar die imagefördernden Implikationen für die Zeitungsbranche, fürchtet aber die künstlerischen Freiheiten der Filmemacher. Letztlich stimmt er einer Kooperation zu. Nur so ist es ihm überhaupt möglich, Einfluss zu wahren.

Mit der Zeit fallen die Vorbehalte, schöpfen Filmteam und Redaktion gegenseitiges Vertrauen. Robert Redford und Dustin Hoffman gehen bei der renommierten Zeitung ein und aus, über mehrere Monate hospitieren die designierten Hauptdarsteller in der Redaktion. Sie führen nicht nur zahlreiche Gespräche, die sie auf ihre Rollen vorbereiten, sie unterstützen die Journalisten bei der täglichen Arbeit, lernen ihr Handwerk kennen und – ganz wichtig – verstehen. Eines Tages versetzt ein Mann mit Selbstmordabsichten die Stadt in Aufruhr. Dustin Hoffman begleitet den zuständigen Reporter in den Außendienst – und stiehlt dem Lebensmüden auf dem Dach die Show. Schaulustige erkennen den Hollywood-Star, interessieren sich nicht mehr für das, was sich über ihren Köpfen abspielt. Der Mann springt nicht.

Rigoros ist die Washington Post, was den Drehort betrifft. Der Dreh in den Räumen der Zeitung bleibt dem Filmteam verwehrt. In den Burbank Studios entsteht ein originalgetreues Abbild des legendären Newsrooms – 200.000 Dollar kostet der Bau. Die Set Designer berücksichtigen jedes noch so winzige Detail; selbst die Papierkörbe quellen stilecht über: Crewmitglieder leeren den Abfall der echten Washington Post, um ihn in der nachgebauten Redaktion zu platzieren. Es ist dieses Gespür für Akkuratesse, das den fertigen Film so groß macht.

Schlüsselszene aus Die Unbestechlichen: Die herauszoomende Kamera signalisiert: Hier gerät etwas Großes ins Wanken.

This…is…JOURNALISM! Woodward und Bernstein verrichten in der Kongressbibliothek journalistische Basisarbeit. Die Kamera verrät: Hier gerät etwas Großes ins Wanken.

Die Unbestechlichen zeigen viel Basisarbeit

„Die Unbestechlichen“ zeigt einen zeitlich gerafften, aber in seiner Inszenierung minutiös anmutenden Ausschnitt der Woodward und Bernstein’schen Enthüllungen. Es beginnt mit den Zweifeln an den wahren Hintergründen des Watergate-Einbruchs und endet mit der Enttarnung der verdeckten Konten, die der Finanzierung der präsidialen Nacht- und Nebelaktivitäten dienen. Eine journalistische Meisterleistung, die – an dieser Stelle gibt sich der Film keinen Verklärungen hin – wenig glamourös daherkommt. Denn abgesehen von Woodwards nächtlichen Treffen mit Deep Throat (die laut Bernstein in Wahrheit weniger dramatisch verliefen als allgemein dargestellt) beruhen die Entdeckungen der beiden Reporter auf harter, journalistischer Basisarbeit.

Woodward und Bernstein sind keine Star-Reporter, die über weitreichende Kontakte verfügen – sie sind verhältnismäßig kleine Lichter, die sich jeden einzelnen Hinweis erarbeiten müssen. Wir sehen Robert Redford und Dustin Hoffman dabei zu, wie sie telefonieren, Klinken putzen und nicht selten abgewimmelt werden, wie sie Indizien sammeln und diese teilweise verwerfen (müssen), wie sie immer wieder neuen Anlauf nehmen. Auf kollegiale Hilfe können sie anfangs nicht zählen, die ersten Recherchen werden von der Redaktionsleitung skeptisch beäugt. Die Ausleihen der Kongressbibliothek werten sie – im Zeitalter von Datenbanken undenkbar – händisch aus. Die Kamera hält die beiden Journalisten fest, wie sie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen, zoomt langsam, aber stetig heraus, bis unter die Kuppel der Bibliothek. Der beinahe unmerklich schwankende Bildausschnitt symbolisiert: Hier bringen zwei junge hungrige Männer etwas Großes ins Wanken.

Doch noch lässt der Durchbruch auf sich warten. Einmal redigiert Jason Robards alias Ben Bradlee die harte Arbeit eines Tages erbarmungslos zusammen. „Recherchiert das nächste Mal besser!“, kommentiert der Chefredakteur die Kürzungen. Natürlich ist diese Haltung Ausdruck des verlegerischen Interesses – Bradlee will das Renommee seiner Zeitung gewahrt wissen. Wer jedoch den Druck heutiger Echtzeitberichterstattung kennt, weiß, wie schwierig die Gratwanderung zwischen gründlicher Recherche und Aktualität sein kann – und freut sich über den Appell an die journalistische Sorgfaltspflicht.

Jason Robards spielt in Die Unbestechlichen den Chef-Redakteur der Washington Post, Ben Bradlee.

„Recherchiert das nächste Mal besser!“ Jason Robards fühlt als Post-Redaktionsleiter Ben Bradlee seinen Mitarbeitern auf den Zahn. Es geht auch um den Ruf seiner Zeitung.

Zeilen, die die Welt bedeuten

Ein anderes Mal schaffen es die beiden Reporter auf die Titelseite. Ihre Enthüllungen sind allerdings (noch) nicht gut genug für den Aufmacher – die Kamera macht auf einen kleinen Zweispalter aufmerksam. „So viel Aufwand für so wenig Zeilen“, mag der Laie denken. Für Bernstein und Woodward jedoch bedeuten diese Zeilen alles. Für diese Zeilen lassen die beiden Nachwuchsjournalisten ihre Eitelkeiten beiseite: Woodward ist ein akribischer Rechercheur, der die Unstimmigkeiten des Watergate-Einbruchs als Erster hinterfragt. Doch als er Bernstein dabei „erwischt“, wie er sich an seinem Manuskript zu schaffen macht, muss er neidlos eingestehen, dass Bernstein die Faktenlage besser auf den Punkt bringt.

Inwieweit die Harmonie zwischen den beiden Protagonisten – einzelne Dialoge deuten Spannungen an, was unterschiedliche Auffassungen bezüglich ihrer Arbeitsmethoden betrifft – realistisch dargestellt ist, wissen nur die Handelnden von damals. Und natürlich wirken auch die Recherchemethoden antiquiert, wenn nicht sogar fragwürdig. In einer Szene verschafft sich Bernstein mit einem Trick Zugang zu einem Gesprächspartner – in der Realität würde dieser wohl eher die Polizei rufen, anstatt bereitwillig Auskunft zu geben. Dass diese Szene im Vergleich zu den anderen deplatziert wirkt, ist kein Zufall. Sie ist dem Bernstein-Skript zuzuordnen und hat, laut William Goldberg, so nie stattgefunden.

An dieser Stelle schimmert also Carl Bernsteins Ego durch. Dabei hat der Film einen derartigen dramaturgischen Kunstgriff gar nicht nötig. Die Beharrlichkeit, mit der Woodward und Bernstein zu Werke gehen, ist schon in der ersten Begegnung mit Robert Redfords Charakter greifbar. Während der Anklageverlesung der Watergate-Einbrecher trifft Bob Woodward im Zuschauerraum auf einen Anwalt namens Markham. Auf Woodwards Nachfrage, ob dieser der Verlesung in Verbindung mit dem Watergate-Vorfall beiwohnt, antwortet er vielsagend wie ikonisch: „Ich bin nicht hier.“ Was Woodward nicht von weiteren Erkundigungen abhält. Ein „Nein“ als Antwort wird nicht akzeptiert, bestimmt, aber meist höflich haken sie bei widersprüchlichen oder zweideutigen Aussagen nach.

Deep Throat warnt die Journalisten: Die Unbestechlichen befinden sich ins Lebensgefahr.

Lassen sich durch nichts aufhalten: ihre Recherchen bringen Woodward und Bernstein in Gefahr. Ganz greifbar wird diese Gefahr in Die Unbestechlichen allerdings nicht.

Verfechter der Wahrheit

Im Nachhall öffentlicher Diskussionen über die unsensible Berichterstattung der Medien mögen Woodward und Bernstein wie boulevardeske Stalker wirken, etwa wenn Woodward seinen Gesprächspartnern wider Willen bis auf die Toilette folgt oder Bernstein seinen Charme bei den Frauen spielen lässt. Journalisten, die von Haus zu Haus ziehen, um ohne Vorwarnung Fragen zu stellen, zum Teil in Privatsphären eindringen, gelten als anrüchig. Zu Recht. Doch nicht immer fällt das Abwägen leicht. Wann ist ein öffentliches Interesse vorhanden? Und wann wird das öffentliche Interesse zum Vorwand, um die Schwelle zur Sensationslust zu übertreten? In diesem Fall kann es keine zwei Meinungen geben: Woodward und Bernstein sind keine Voyeure, sie sind Verfechter der Wahrheit. Wenn der Präsident sein Land hintergeht, ist das öffentliche Interesse eindeutig auf ihrer Seite.

Ohnehin gehen die jungen Journalisten behutsam mit ihren Gesprächspartnern um. Sie wollen niemanden in die Bredouille bringen, geben sich notfalls auch mit Andeutungen zufrieden, da sie jede Quelle sowieso zweimal gegenprüfen müssen. Der sorgsame Umgang mit Informanten ist eines der zentralen Themen des Films und hochgradig aktuell – man denke etwa die Enthüllungen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden und die Gesetzeslage zum Informantenschutz in den USA, aber auch in Deutschland. Gleichwohl klammert Die Unbestechlichen das Rätselraten um den wohl bekanntesten Tippgeber der Geschichte, Deep Throat, aus. Wohl auch, um Spekulationen keinen Nährboden zu bereiten. Ganz im Sinne des Informantenschutzes eben.

Letztlich steigt Die Unbestechlichen frühzeitig, nachdem die verdeckten Konten enthüllt sind, aus der Chronologie der Ereignisse aus, so dass sich die Frage nach Deep Throat – sei es in der öffentlichen Wahrnehmung oder im Rahmen einer Kommission – nicht stellt. Für den neutralen Zuschauer, der weniger an der journalistischen Arbeit interessiert ist, mag das unbefriedigend sein. Just in jenem Moment, in dem es für Woodward und Bernstein heikel wird – Deep Throat warnt die Journalisten, dass ihr Leben in Gefahr ist – fährt Pakula den Abspann ab.

Eine Szene aus Die Unbestechlichen, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Bob Woodward trifft sich mit Deep Throat in einer Tiefgarage.

Der filmische Archetypus eines nächtlichen Treffens in einer Tiefgarage. Die Paranoia ist im Wandel der Sehgewohnheiten verblasst. Auch wenn dieses Bild recht dunkel ist.

Die Paranoia ist verblasst

Als Spannungsfilm im herkömmlichen Sinne taugt Die Unbestechlichen ohnehin nur noch bedingt. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt, mit FBI-Agent Mark Felt Deep Throat enttarnt. Und auch wenn es sich um den filmischen Archetypus einer konspirativen Begegnung in der Tiefgarage handelt: Die Paranoia der nächtlichen Treffen ist im Wandel der Sehgewohnheiten verblasst. Was nicht heißt, dass der Film keine Spannung besäße. Er bezieht sie nur nicht aus ihrer Rahmenhandlung, sondern aus dem Prozess der Recherche heraus. Wie bei einer umgekehrten Detektivgeschichte, bei der der Täter von Beginn an bekannt ist. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die von Bob Woodward und Carl Bernstein geleistete „Detektivarbeit“ kann sich kein Krimiautor besser ausdenken.

Als authentisches Zeiterzeugnis hat Die Unbestechlichen nichts von seiner Faszination eingebüßt. Werden Regisseure nach ihrem Erweckungserlebnis gefragt, verweisen sie auf phantastische Filme wie King Kong oder Star Wars. Analog hierzu ist Die Unbestechlichen die Film-Fibel für angehende Journalisten. Natürlich ist diese Verehrung reflektiert zu betrachten. Der Film entsteht in einer Zeit der unmittelbaren Aufarbeitung, inmitten eines Klimas, das von Misstrauen gegenüber der US-Regierung geprägt ist. Der Zeitpunkt für ein flammendes Plädoyer hinsichtlich der Funktion der Medien als vierte Gewalt könnte nicht passender sein. Für die Zeitungsbranche, die ab den 1970er Jahren verstärkt im Wettbewerb mit dem Fernsehen steht, ist der Scoop ohnehin ein Segen – jetzt setzt Hollywood auch noch ein filmisches Denkmal. In neueren wissenschaftlichen Betrachtungen hingegen wird die Bedeutung der Woodward und Bernstein-Recherchen relativiert.

Lehrstück für den Journalismus?

Ob Woodward und Bernstein nun Watergate aufgedeckt haben oder nicht, diese Frage ist für die Bewertung des Films in seiner Rolle als Lehrstück für den Journalismus unerheblich. Er zeichnet ein – an mancher Stelle sicherlich überzeichnetes – Bild eines Berufsstandes, das sich seiner Verantwortung bewusst sein sollte. Ein Ideal. Natürlich ließe sich darüber sinnieren, inwieweit ein Film von 1976 für den Journalismus von heute noch relevant ist. Ob langwierige, investigative Recherchen in Zeiten knapper Budgets und dünner Personaldecken durchsetzbar sind. Ob sie sich angesichts immer kurzfristiger Aufmerksamkeitspannen – die Washington Post brachte 400 Artikel zu den Watergate-Vorgängen, und das über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren – rentieren. Der Journalismus befindet sich im viel zitierten Wandel. Das gilt ganz sicherlich für seine Darstellungsformen. Nicht aber für seinen Kern. Ursache für die Krise des Journalismus ist nicht das Internet. Wenn überhaupt hat das Internet die schon vorher latente Schwäche des Journalismus offengelegt – die fehlende Fokussierung aufs Wesentliche.

Diese Fokussierung wiederzuerlangen, wird Aufgabe künftiger Journalisten sein. Wie das gelingt, diese Antwort kann die Die Unbestechlichen nicht liefern, davon ist er viel zu weit entfernt von der aktuellen Lebens- und Arbeitswelt. Der Film ist keine Anleitung. Er ist eine Inspiration. Als solche sollten ihn Nachwuchsjournalisten konsumieren. Die Tatsache, dass ein fast 40 Jahre alter Streifen eine Vielzahl von wichtigen journalistischen Fragen verhandelt und dabei richtige Antworten findet, die heute in scheinbar in Vergessenheit geraten sind, macht ihn zu einem Meisterwerk.

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